Schulungsreihe für Flüchtlingshelfer
Achtsam mit sich selbst umgehen

Sendenhorst -

Wer als Ehrenamtlicher in der Flüchtlingshilfe engagiert ist, muss auch auf sich selbst achten. Denn die – auch psychischen – Anforderungen sind gewaltig.

Dienstag, 04.04.2017, 14:04 Uhr

Die Schulungsreihe wurde bisher gut besucht. Pfarrerin Ute Böning (li.) und Martina Bäcker (2.v.re.) bedankten sich bei Verena Hucke (2.v.li.) vom Caritasverband für das Dekanat Ahlen für die Organisation und bei der Referentin Sunitra Tuli (re.) für den Vortrag.
Die Schulungsreihe wurde bisher gut besucht. Pfarrerin Ute Böning (li.) und Martina Bäcker (2.v.re.) bedankten sich bei Verena Hucke (2.v.li.) vom Caritasverband für das Dekanat Ahlen für die Organisation und bei der Referentin Sunitra Tuli (re.) für den Vortrag. Foto: Anke Weiland

Um das Thema „Selbstfürsorge für ehrenamtlich Tätige im Umgang mit – eventuell – traumatisierten Menschen“ ging es am Montagabend im evangelischen Gemeindehaus. Die Stadt, der Caritasverband und das Sendenhorster Netzwerk für geflüchtete Frauen hatten in ihrer Schulungsreihe für Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe die systemische Therapeutin Sunitra Tuli aus Münster zu Gast.

„Einen spannenden Abend mit einem interessanten und lebendigen Vortrag“, versprach Pfarrerin Ute Böning . Ging es in den vorangegangenen Terminen um Länderinformationen, Asylrecht oder auch die unterschiedlichen Kulturen, so war dieser Abend thematisch völlig anders.

„Der Fokus des heutigen Abends wird nicht auf der Arbeit mit den Flüchtlingen liegen“, erklärte Sunitra Tuli zu Beginn ihres Vortrags. Vielmehr gehe es darum, was den Haupt- und Ehrenamtlichen helfe, ihre Tätigkeit noch lange mit Lust und Spaß auszuüben. „Manchmal ist es schwer auszuhalten“, erzählte ein Helfer in der Runde. Denn gerade die Begegnungen mit traumatisierten Menschen könnten eine Belastung sein, wusste die Referentin.

„Es ist immer wieder beeindruckend, was ehrenamtlich Tätige so leisten“, meinte sie. Doch daraus könne schnell eine Überforderung entstehen – nicht nur durch den Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen, auch durch kulturelle Konflikte, zum Beispiel im Hinblick auf die Geschlechterrolle, durch verschiedene Erwartungen, mit denen die Helfer konfrontiert würden, durch Druck und Ungeduld oder auch durch die Abschiebung von Geflüchteten, den Ärger über die Ungerechtigkeit von Gesetzen oder Rechtfertigungen und Diskussionen im Privatleben.

„Vor der Lösung von Belastungen muss man sie erst einmal bemerken“, erklärte Tuli. So sollten die Helfer sich zu Hause die Zeit nehmen und notieren, was von ihnen erwartet werde und was sie selbst von sich erwarten. Dann werde oft schnell klar werden: „Ein Teil der Überforderung liegt daran, dass die Helfer Aufgaben übernommen haben, die sie nicht bewältigen können.“

Tuli beschrieb: „Traumata ziehen viele Folgen nach sich, mit denen die Helfer es zu tun haben.“ Ein Gefühl von Ohnmacht, falscher Aktivismus, überstarker Ehrgeiz oder Überlastung seien oft Auswirkungen auf Helfer im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen. Doch „Ehrenamt“ heiße „freiwillig, in der Freizeit“, und eben auch, „dass sie bestimmen, wie groß ihre Aufgaben werden.“ Sunitra Tuli ging im Laufe des Abends immer wieder auf persönliche Erfahrungen der Teilnehmer ein, beantwortete bereitwillig Fragen und erklärte einige Methoden der Selbstfürsorge und wie die ehrenamtlichen Helfer sie für sich nutzen können.

Der letzte Vortrag der Reihe findet am Mittwoch, 17. Mai, um 19 Uhr im Gemeinderaum der evangelischen Kirchengemeinde Albersloh statt. Das Thema lautet „Ehrenamtliche Gruppen begleiten – Kommunikation und Organisation in ehrenamtlichen Gruppen“.

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