Erna Rot und Band geben Konzert
Einsamer Eisbär auf der Scholle

Sendenhorst -

Dem natürlichen Charme der Sängerin Erna Rot waren die Zuhörer im Haus Siekmann schon beim ersten Lied erlegen, als sie einen bekannten Song von Manfred Krug aus dem gleichnamigen Film „Auf der Sonnenseite“ aus dem Jahr 1961 anstimmte.

Montag, 24.04.2017, 15:04 Uhr

Eine Klasse für sich: Mit ihrer Band, bestehend aus Peter Kowal, Stefan Rey, Felix Günther und Simon Doetsch (v.l.), gastierte Erna Rot am Sonntagnachmittag im Haus Siekmann und wurde für ihren erfrischenden Sound vom Publikum euphorisch gefeiert, .
Eine Klasse für sich: Mit ihrer Band, bestehend aus Peter Kowal, Stefan Rey, Felix Günther und Simon Doetsch (v.l.), gastierte Erna Rot am Sonntagnachmittag im Haus Siekmann und wurde für ihren erfrischenden Sound vom Publikum euphorisch gefeiert, . Foto: Dierk Hartleb

Wow! Was für eine Stimme, was für Musiker, was für Texte! Am Ende der zweistündigen Premiere von Erna Rot und ihrer Band am späten Sonntagnachmittag im Haus Siekmann war allen Besuchern klar, warum Jürgen Krass als Vorsitzender des Fördervereins gleich zum Hörer gegriffen hatte, nachdem er auf WDR 5 mit der Kölnerin und ihrer Band Bekanntschaft gemacht hatte.

Ein Geheimtipp werden die fünf – Peter Kowal (Gitarre), Simon Doetsch (Trompete, Akkordeon), Stefan Rey (Kontrabass), Felix Günther (Schlagzeug) und Frontfrau Erna Rot – sofern sie noch einer sind, nicht mehr lange bleiben. Dazu ist die Musik, die mit Swing-Pop allenfalls fragmentarisch beschrieben ist, einfach zu unkonventionell, zu einfallsreich. Dem natürlichen Charme der Sängerin waren die Zuhörer – deutlich zu wenig für die gebotene Extraklasse – schon beim ersten Lied erlegen, als sie einen bekannten Song von Manfred Krug aus dem gleichnamigen Film „Auf der Sonnenseite“ aus dem Jahr 1961 anstimmte.

Lieder auf Deutsch, darunter viele bekannte Songs, sind das Markenzeichen von Erna Rot.

Lieder auf Deutsch, darunter viele bekannte Songs, sind das Markenzeichen von Erna Rot.

Dabei stand den Zuhörern zeitweise der junge Krug vor Augen, der in dem einen Schmelzer mit sonorer Jazz-Stimme mimt.

Auch in ihren selbst geschriebenen Liedern bleibt Erna Rot – die unter ihrem bürgerlichen Namen auch als Doku-Filmerin unterwegs ist –         ihrer Linie treu und singt in Deutsch. Und das mit Vorliebe von Außenseitern. Hochstapler gehören auch dazu, wie sie mit diesem unnachahmlichen Lächeln zugibt, das zumindest ihr männliches Publikum dahinschmelzen lässt.

Selbst ihr „Lied zu „Angst und Weltschmerz“, das zugleich den Titel für das zweite, in Vorbereitung befindliche Album abgeben soll, klingt alles andere als verzweifelt. Vielmehr wie dieser typische deutsche Hang zum selbstquälerischen Grübeln über die Ungerechtigkeit der Welt.

Mit warmer Altstimme singt sie von Alltäglichem, Liebesglück und Liebesleid. Ehe sich die Melodie wie ein Ohrwurm einnisten kann, nimmt sie musikalisch eine überraschende Wende. Mit gleicher Leichtigkeit lässt Rot textlich den Eisbären auf einer Scholle treiben, ohne ihn damit zum Opfer des Klimawandels zu stilisieren.

Musikalisch bedient sich Erna Rot am gesamten Repertoire der Unterhaltungsmusik der vergangenen 100 Jahre und mischt die verschiedenen Stile, so dass der Zuhörer bald die Übersucht verloren hat, ob das gerade Polka-Klänge oder verballhornte Bluesrockriffs waren. Rot und ihre exzellenten Musiker, die sich auch wohltuend zurücknehmen können, lassen sich in keiner Schublade ablegen. Mit einem „Schlaflied“ verabschiedet sich die Band, die vorher noch hoch und heilig versprechen musste, wiederzukommen – nach einer Anstandspause.

Mit ihrer Stimme verzauberte Erna Rot das Publikum.

Mit ihrer Stimme verzauberte Erna Rot das Publikum.

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