Neuseeland-Tagebuch von Katja Kordel
Die Scheibenwischer im Takt der Musik

Sendenhorst -

Der aktuelle Sommer in Neuseeland ist so kalt und nass wie schon lange nicht mehr. Was also tun im Urlaub und in der Freizeit? Zum Beispiel interessante Reisen unternehmen. Katja Kordel berichtet in ihrem Tagebuch für die WN.

Dienstag, 28.03.2017, 09:03 Uhr

Ein traumhafter Blick: Katja Kordel mit Schirm in der „Cathedral Cove“. Die Bucht liegt auf der Coromandel-Halbinsel im Norden der Nordinsel. Dort wurde übrigens auch eine Szene aus den Narnia-Filmen gedreht.
Ein traumhafter Blick: Katja Kordel mit Schirm in der „Cathedral Cove“. Die Bucht liegt auf der Coromandel-Halbinsel im Norden der Nordinsel. Dort wurde übrigens auch eine Szene aus den Narnia-Filmen gedreht.

Dieser Sommer sei so nass und kalt wie seit Jahren nicht mehr, sagen die Leute hier an der Westküste. Sie sind genervt vom Wetter, und ich auch so langsam. Täglich verursacht der Blick aus dem Fenster nur Kopfschütteln, und ich laufe immer noch mit meinem Schal durch die Gegend. Dafür lacht meine Gastmutter mich schon aus.

Lachen ist wahrscheinlich die beste Idee, um mit diesem grauen Wetter umzugehen. Lachen, und sich nicht unterkriegen lassen.

Also musste ein Regen-Sommerferien-Programm her, und so bauten wir Höhlen aus Tüchern und Laken, lasen, umgeben von Kissen und Kuscheltieren, Geschichten, spielten Karten, malten Mandalas aus, bauten Lego-Städte und machten einen „Bergfest-Kuchen“ für mich, denn die Hälfte meiner Zeit hier ist bereits um. Eine alte Weisheit besagt, dass es nach dem Bergfest nur noch ein Fingerschnipsen ist, bis meine Reise zu Ende ist. Ob ich traurig oder glücklich darüber bin, kann ich nicht sagen. Ich bin einfach froh, hier zu sein, genieße jeden vereinzelten warmen Sommertag und mache das Beste aus den grauen Tagen. Und so war ich in der letzten Zeit viel unterwegs.

In der „coolsten kleinen Hauptstadt der Welt“, wie Wellington genannt wird, habe ich mit einer Freundin viele kleine und große „Marmeladenglasmomente“ gesammelt: Die Fahrt mit den „Cable Cars“ – einer alten Straßenbahn und Symbol Wellingtons –, der Spaziergang durch den botanischen Garten und der Besuch des Planetariums, vom Mount Victoria die Stadt von oben sehen, das Nationalmuseum „Te Papa“ und die „Weta Cave“-Tour, bei der wir hinter die Kulissen von vielen Filmen, wie „Herr der Ringe“ und „Narnia“, schauen konnten, Cocktails trinken umgeben von Büchern in der Bar „The Libary“, endlich mal wieder feiern gehen, der Abend, an dem wir uns mit einer Weinflasche auf einem Spielplatz vor dem Regen versteckten, und das „Passenger“-Konzert in dem kleinen, alten Opernhaus. Wellington ist eine lebendige, niedliche Großstadt und eine Abwechslung für mich zu all der Natur und den abends scheinbar verlassenden Städten der Westküste.

Natur und Abgelegenheit hatte ich dann wieder bei meinem Familienurlaub, was auch unglaublich viel Spaß gemacht hat. Mit meiner Gastfamilie und deren Freunden war ich ein paar Tage in dem keinen Dorf Otematata am Benmore-See campen. Das war für die Kinder und ihre vielen Spielgefährten ziemlich aufregend. Meistens fuhren wir mit Booten auf den See und suchten uns eine schöne Bucht, wo wir picknickten, die Erwachsenen Bier tranken, alle die Sonne genossen, im See schwammen, auf Wasserskiern und großen Luftkissen hinter’m Boot hergezogen wurden, und abends nach einem gemeinsamen Barbecue den Tag gemütlich mit dem einen oder anderem Trinkspiel ausklingen ließen.

Zurück aus dem Urlaub, fingen die Schule und der Regen wieder an. Um dem miesen Sommerwetter zu entkommen, habe ich ein Flugticket für die Nordinsel gebucht, meine Koffer gepackt und mich für eine Woche von der Westküste verabschiedet. Im Norden der Nordinsel angekommen, wurde ich von meinen beiden Coffee-Group-Freunden und von grauen Wolken und Regen begrüßt. Währenddessen war an der Westküste bestes Wetter. So fuhren wir, die Scheibenwischer im Takt der Musik, immer weiter nördlich, immer mit der Hoffnung, dass die Sonne doch noch durchkommt. Und das tat sie dann auch, ab und zu. Wir fuhren von einem Strand zum Nächsten, gingen unter Wasserfällen schwimmen, wanderten durch den Regenwald und zwischen Kauri-Bäumen, den Urwaldriesen Neuseelands, und campten jede Nacht auf einem anderen Campingplatz. Auf einem dieser Plätze im Nirgendwo habe ich dann überraschenderweise noch ein bekanntes Gesicht aus Sendenhorst getroffen: Lutz Vogel-Lackenberg ist mir quasi beim Zähneputzen über den Weg gelaufen. Er sei gerade für drei Monate in Neuseeland unterwegs, erzählte er mir. Klein ist die Welt.

Jetzt bin ich wieder zu Hause auf meiner Farm. Die Sonne scheint. Vielleicht wird der Herbst ja sonnig und trocken. Das würde mir reichen. Ich klettere durch mein Fenster in den Garten, genieße das Wetter, habe meine Kopfhörer im Ohr, und „Kraftclub“ singt: „Trotz all den Wolken und Regen vielleicht doch der Sommer des Lebens.“

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4672593?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F190%2F
Nachrichten-Ticker