Wirtschaftswege-Konzept interessiert viele Landwirte
Kleine Straßen für viele Nutzer

Sendenhorst/Albersloh -

Ein wenig gereizt war die Stimmung in Teilen der Zuhörerschaft, als die ersten Arbeiten für das neue Wirtschaftswegekonzept vorgestellt wurden. Die betroffenen Landwirte befürchten vor allem, dass sie künftig bei Sanierungs- oder Ausbaumaßnahmen finanziell mit in die Pflicht genommen werden könnten.

Donnerstag, 04.05.2017, 16:05 Uhr

Dieser Weg in der Bauerschaft Sunger wird viel befahren und ist in einem schlechten Zustand. Bernd Mende stellte in der Informationsveranstaltung ein Konzept vor, mit dem künftig andere Wege für eine mögliche Sanierung gefunden werden könnten.
Dieser Weg in der Bauerschaft Sunger wird viel befahren und ist in einem schlechten Zustand. Bernd Mende stellte in der Informationsveranstaltung ein Konzept vor, mit dem künftig andere Wege für eine mögliche Sanierung gefunden werden könnten. Foto: Josef Thesing

Er hatte es nicht leicht, doch Bernd Mende blieb bis zum Schluss ruhig und sachlich. Denn die Frage danach, wer am Ende die Zeche – oder mindestens einen Teil davon – zahlt, stelle sich derzeit nicht, erklärte der Geschäftsführer der „Gesellschaft für kommunale Infrastruktur“ (Ge-Komm) den zahlreichen Anwesenden. Unter ihnen waren am Mittwochabend im Kommunalforum vor allem die am meisten von den Wirtschaftswegen im Außenbereich Betroffenen: die Landwirte. „Wir wollen natürlich möglichst wenig zahlen“, machte ein Landbesitzer aus Albersloh deutlich.

Bernd Mende.

Bernd Mende. Foto: Josef Thesing

Doch darum geht es (noch) nicht. Eine mögliche finanzielle Beteiligung der Bauern „kommt erst ganz am Ende“ – wenn überhaupt, erklärte Mende. Und dennoch sei klar, dass künftig der Gedanke, dass das „ja schon immer so war“, nicht mehr zähle. Es wird, und davon sind sowohl die Stadtverwaltung als auch das von ihr beauftragte Gutachterbüro „Ge-Komm“ überzeugt, zu Veränderungen kommen – auch wenn am Mittwochabend der eine oder andere im Publikum durchblicken ließ, dass vieles ja eigentlich so bleiben könne, wie es derzeit ist. „Wir sind nicht die Besitzer“, erklärte ein Bauer.

Vieles wird aber wohl nicht so bleiben, weil sich die Anforderungen an die insgesamt 129 Kilometer Wirtschaftswege, die seit Jahrzehnten zum Teil unverändert ihren Dienst tun, drastisch gewandelt haben. Von „Nutzergruppen“ ist deshalb heute die Rede. Und zur Nutzergruppe gehören neben den Landwirten und den Lieferanten, die mit schweren Lkw kommen, Pkw-Fahrer, Radler, Jogger, Skater, Wanderer oder Eltern, die einen Kinderwagen schieben. „Es geht um alle.“

Zahlreiche Zuhörer interessierten sich für das Konzept.

Zahlreiche Zuhörer interessierten sich für das Konzept. Foto: Josef Thesing

Die Wege sind laut Mende „multifunktional“. Und sie werden, weil alt und in den Dimensionen und Abmessungen unverändert, „den heutigen Anforderungen nur noch selten gerecht“.

Letztere Aussage bezieht sich auf die immer größer, breiter und schwerer gewordenen landwirtschaftlichen Fahrzeuge und Maschinen – während die Wege gleich geblieben sind, was aber aufgrund ihres speziellen Charakters auch so sein sollte. Dass dabei zum Beispiel die Banketten kaputtgefahren werden, sei eine der unabdingbaren Folgen.

Klar ist, dass der Landwirt eine andere Erwartung an den Wirtschaftsweg hat als der Radler auf der „100-Schlösser-Route“. Für Bernd Mende ist aber auch klar, dass beide zu ihrem Recht kommen müssen. „Unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen sind dabei ganz normal“, sagte er.

Deshalb soll das, was in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren passiert, nämlich die Erarbeitung eines neuen Wirtschaftswegekonzepts , unter Beteiligung aller und, so Bürgermeister Berthold Streffing , „mit größter Transparenz und Offenheit“ erfolgen. Dabei sei die ehrliche Einschätzung der Landwirte sehr wichtig.

Die Wirtschaftswege haben verschiedene Aufgaben.

Die Wirtschaftswege haben verschiedene Aufgaben. Foto: Josef Thesing

Auslöser der Aktivitäten, die Mitte Mai mit einer fünftägigen Befahrung der Wege durch Fachleute öffentlich sichtbar werden, war, dass das bisherige Vorgehen bei der Instandhaltung der Wege nicht mehr zum Ziel führt. Im Gegenteil: Viele der Wege sind immer schlechter geworden. „Das Geld reicht nicht. An wesentliche Verbesserungen oder gar an Neuerungen ist gar nicht zu denken“, erklärte der Bürgermeister.

Die Bereisung der Wege mit einem Spezialfahrzeug, das mit Kameras ausgestattet ist, dient auch dazu, festzustellen, welche Bedeutung die einzelnen Wege tatsächlich für die Allgemeinheit haben. Dabei wird unter anderem herauskommen, welche Verbindungen „wichtig und vordringlich“ sind, und welche künftig vielleicht privatisiert oder gar ganz von der Karte gestrichen werden können.

Dazu wird es im Laufe der Zeit eine Fülle von Gesprächen – auch in kleineren Gruppen – und verschiedene Informationsveranstaltungen geben. Und tatsächlich „geht es am Ende auch ums Geld“, so Bernd Mende. Doch bis dahin soll vieles andere geklärt sein. Zum Beispiel die Frage, welche Brücken erneuert oder vielleicht sogar für die Landwirtschaft geschlossen werden könnten – nachdem der Standard für die Belastung gesenkt wurde. Auch das ist sicher eine spannende Angelegenheit. „Die Konflikte sind erkennbar“, erklärte Mende sachlich. Aber auch: „Alle sollen möglichst zu ihrem Recht kommen.“

Auch das stieß am Mittwochabend nicht auf generelles Wohlwollen. „Sie können nicht einen Weg für Radfahrer gut machen, für andere Nutzer aber nicht“, sagte ein Landwirt.

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