Landwirt Wolfgang Franke liebt seinen Beruf
„Ich wollte immer Bauer sein“

Albersloh -

Wolfgang Franke ist Bauer aus Überzeugung. Er liebt seinen Beruf, auch wenn dieser nur wenig Zeit für Freizeit und Urlaub lässt. In der Bauerschaft Sunger liegt der Hof der Familie Franke in schöner Natur. Hier ist Wolfgang Franke aufgewachsen. Schon als Kind liebte er das Landleben. Während seine Brüder andere Berufe wählten, ließ er sich als Jüngster zum Landwirt ausbilden.

Montag, 08.05.2017, 06:05 Uhr

In der „Kinderstube“ zieht Bauer Wolfgang Franke junge Kälber auf. Der vielschichtige Beruf bringt neben sehr vielen Arbeitsstunden auch viel Abwechslung mit sich. Der Landwirt sagt: „Der Beruf ist meine Berufung.“
In der „Kinderstube“ zieht Bauer Wolfgang Franke junge Kälber auf. Der vielschichtige Beruf bringt neben sehr vielen Arbeitsstunden auch viel Abwechslung mit sich. Der Landwirt sagt: „Der Beruf ist meine Berufung.“ Foto: Christiane Husmann

Jeden Morgen geht er um sechs in den Stall. Schweine Füttern, Kälber tränken. Dann aufs Feld. Bis in den Abend arbeitet Bauer Wolfgang Franke auf seinem Hof. Urlaub gönnt er sich nur ganz selten. Und trotzdem sagt er: „Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“ Der Albersloher liebt und lebt seinen Beruf – und das trotz einer 70-Stunden-Woche.

In der Bauerschaft Sunger liegt der Hof der Familie Franke in schöner Natur. Hier ist Wolfgang Franke aufgewachsen. Schon als Kind liebte er das Landleben. „Mit zehn Jahren bekam ich Zwerghühner“, erinnert sich der Landwirt, der sich selbst viel lieber als Bauer bezeichnet.

Der Umgang mit Tieren war für ihn selbstverständlich. Auch, dass deren Aufzucht gewinnbringend sein kann. „Den Hühnern schoben wir Fasaneneier unter, die sie ausbrüteten.“ Mit „wir“ meint der Albersloher sich und seinen Nachbarn Markus Uhlenbrock . Später kamen Kaninchen dazu, die sich naturgemäß gut züchten lassen. „An die 200 waren das zwischendurch, die an Selbstvermarkter verkauft wurden.“

Für Wolfgang Franke war früh klar: „Ich werde Bauer.“ Während seine Brüder andere Berufe wählten, ließ er sich als Jüngster zum Landwirt ausbilden. Nach der zweijährigen Ausbildung entschloss er sich dazu, weitere zwei Jahre die Schulbank zu drücken, um sich zum staatlich geprüften Landwirt, was mit einem Meistertitel gleichzusetzen ist, fortbilden zu lassen.

Bei allem Fachwissen rund um die moderne Landwirtschaft lässt Wolfgang Franke auch alte Bauernregeln gelten. Eine altgediente zitiert er: „Mai kühl und nass füllt des Bauern Scheun‘ und Fass“, und erklärt: „Dann wächst das Getreide nicht so schnell. So bilden sich mehr Nebentriebe mit Ähren und Rispen.“ Schaut man sich das aktuelle Wetter an, wird es für die Landwirtschaft wohl ein gutes Jahr.

Sowieso ist Bauer Franke optimistisch. Steigende Fleisch- und Milchpreise lassen die Landwirte aufatmen, deren Umsätze ständigen Schwankungen unterworfen sind. Dazu gehört auch die Natur. „Dem Obstbauern sind in diesem Jahr die Früchte kaputtgefroren“, beschreibt Franke das Berufsrisiko. Was den Bauern aus Leidenschaft nervt, ist die wachsende Bürokratie in seinem Beruf: „Jede Karre Mist muss dokumentiert werden.“ Was er liebt: „Ich bin mein eigener Herr. Als Selbstständiger kann ich mir meine Arbeit selber einteilen.“ Aber die muss so oder so getan werden. An jedem Tag müssen die Tiere versorgt werden. 70- bis 80-Stunden-Wochen sind normal.

Umso mehr genießt der Bauer seine freien Zeiten. „Die schönste halbe Stunde am Tag, ist die, wenn ich mit meiner Frau frühstücke.“ Petra und Wolfgang Franke arbeiten Hand in Hand. Während er hauptsächlich für die Bewirtschaftung des Hofes zuständig ist, kümmert sie sich um die vier Kinder und den Haushalt. So, wie das Ehepaar sagt, funktioniert die Teamarbeit gut. Sogar, wenn im Dorf Schützenfest ist. Dann feiert die gesamte Familie und Wolfgang Franke tauscht die Gummistiefel gegen Offiziersgalloschen und wird zum Hauptfeldwebel. Getreu dem Motto: „Wer feiern kann, kann auch arbeiten“, steht einer der Ehegatten morgens wieder tapfer im Stall. Wenn Not am Mann ist, ist auch noch Rudolf Franke oft zur Stelle. Trotz seiner 88 Lebensjahre packt der Seniorbauer noch gerne mit an. Sonst genießt er mit seiner Frau Elisabeth den Ruhestand auf dem Mehrgenerationenhof.

Ein besonderes Faible hat Wolfgang Franke für die Kälberaufzucht. Er kauft junge Kälber, die er in der selbst gebauten „Kinderstube“ zu stattlichen Rindviechern großzieht. Aus den niedlichen Kälbchen werden respektable Bullen, die ehrfurchterregend im Stall stehen. In einem anderen Stall stehen Schweine. Auf die Frage, ob er Schwierigkeiten damit habe, Tiere zu schlachten oder zum Schlachter zu bringen, sagt der Bauer ganz pragmatisch: „Nein. Wer ein Schnitzel essen will, muss wissen, dass man dafür vorher ein Schwein schlachten muss.“

Die Kälber in der „Kinderstube“ begrüßen „ihren“ Bauern mit Geblöke. Sie stehen draußen und scheinen ihr junges Dasein zu genießen. Das sind dann wohl die Momente, in denen Wolfgang Franke seinen Beruf besonders liebt. Auch wenn er aktuell nur ein Mal im Jahr für eine Woche in den Urlaub fahren kann.

Doch das könnte sich irgendwann in den nächsten Jahren ein wenig ändern. Sohn Christoph macht zur Zeit eine Ausbildung zum Landwirt. Genau wie dem Vater und Großvater, und zuvor dem Urgroß- und Ururgroßvater liegt dem jungen Mann die Landwirtschaft am Herzen. So wird wohl auch in Zukunft auf dem Hof Franke der Trecker rollen.

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