Psychologin bescheinigt „paranoides Verfolgungserleben“
Tiefer Blick in menschliche Abgründe

Sendenhorst -

Wegen „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ stand eine Sendenhorsterin vor dem Amtsgericht in Ahlen. Die Psychologin beschenigte der Angeklagten eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Sie habe ein „paranoides Verfolgungserleben mit wahnhaften und schizophrenen Störungen“.

Mittwoch, 10.05.2017, 14:05 Uhr

 
 

„Als ich überholte, habe ich sein grinsendes Gesicht gesehen und etwas Schwarzes und Gefährliches in seiner Hand. Da bin ich in Panik rechts herüber gezogen.“ Mit diesen Worten räumte die 30-jährige Angeklagte den ihr zu Last gelegten „gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr“ vor dem Amtsgericht in Ahlen ein. Es ging um einen Unfall am 16. September auf der Landesstraße 586. Die Angeklagte touchierte mit ihrem Ford den Opel eines 28-jährigen Sendenhorsters. Dieser wurde leicht verletzt, und das Auto war Schrott.

Das und einige weitere Straftaten wurden vom Schöffengericht verhandelt. Schließlich verwies die Richterin den Fall an das Landgericht in Münster. Denn der gebürtigen Schleswig-Holsteinerin wurden noch weitere Taten wie Unfallflucht und Sachbeschädigung zur Last gelegt, was die Frau auch umfänglich einräumte. „Ich sah den Unfall im Rückspiegel, aber traute mich nicht, anzuhalten. Aus Angst um mein Leben“, erklärte die Angeklagte.

Sie führte aus, dass der geschädigte Zeuge gemeinsam mit ihrem Bruder und ihrer Mutter nicht nur ein Entführungskomplott geschmiedet habe, um eine Heirat zu erzwingen. Obendrein habe er auch ein Verhältnis mit der Haushälterin und deren minderjähriger Tochter gehabt. Schließlich wollte sie das zerbrochene Verhältnis zur Haushälterin wieder kitten, doch dann sei ihr die ganze Angelegenheit über den Kopf gewachsen. „Das führte am Ende zu den Sachbeschädigungen. Ich wusste mir nicht mehr zu helfen, weil niemand mit glaubte“, sagte die Frau. Sie hatte mehrfach Haustür, Mülltonnen und einiges mehr des 28-Jährigen mit Farbe beschmiert. Zusätzlich hatte sie Plakate mit dem Hinweis „Kinderschänder“ im Umfeld des Mannes verteilt.

Dieser schilderte sein Verhältnis aus früher Jugend zu der Familie der Angeklagten als „sehr gut“. Aus einer Urlaubsbekanntschaft habe sich eine Familienfreundschaft über viele Jahre entwickelt. Schließlich seien die Angeklagte und ihr Bruder gar ins Münsterland gekommen. „Hier muss irgendetwas passiert sein, denn sie machte eine auffällige Wesensveränderung durch“, erklärte der Sendenhorster. Und das sei nach vielen Verfolgungen und Anschuldigungen schließlich in dem von der Frau herbeigeführten Unfall gegipfelt.

Nach diesem Unfall floh die Angeklagte nach Büsum. „Ich suchte Abstand und musste zur Ruhe kommen“, erklärte sie. Bei ihrer Rückkehr begab sie sich in Behandlung ins Telgter St.-Rochus-Hospital. Dort wurde sie auch von der Gutachterin des Gerichts aufgesucht. Deren Expertisen nahmen den größten Teil der Verhandlung ein. Schließlich bescheinigte die Psychologin der Angeklagten eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit. Sie habe ein „paranoides Verfolgungserleben mit wahnhaften und schizophrenen Störungen“. „Das heißt, dass die Angeklagte aus ihrer Sicht die Dinge so erlebt hat, wie sie sie schildert“, erklärte die Gutachterin.

Sie wollte eine Wiederholung der Taten nicht ausschließen. „Medikamentös ist die Angeklagte gut eingestellt, doch kann sich jederzeit so ein Verhalten auch gegen andere Menschen richten.“ Mit dem weiteren Verfahren wird sich nun das Landgericht beschäftigen.

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