Auftakt des Albersloher Schützenfestes
Klappstuhl und Melkschemel

Albersloh -

Beim Antreten der Bürgerschützen auf der Wiemhove ging es auch diesmal wieder um (schlechte) Manieren. Eine dicke Rüge kassierten von Oberst Wolfgang Franke einige altgediente Schützenbrüder: Heinrich Schütte, Reinhard Stertmann, Toto Haubrock, Karl Schulze Zuralst, Michael Huster und Walter Klein wurde vorgeworfen, sich während der Auftritte der Garden zu verdünnisieren, um es sich in Sitzmöbeln gemütlich zu machen.

Sonntag, 02.07.2017, 17:07 Uhr

Antreten auf der Wiemhove: 343 Bürgerschützen fanden sich zum Appell ein und mussten sich den strengen Blicken der Offiziere stellen.
Antreten auf der Wiemhove: 343 Bürgerschützen fanden sich zum Appell ein und mussten sich den strengen Blicken der Offiziere stellen. Foto: Christiane Husmann

Linientreu formierten sich auch in diesem Jahr die Albersloher Bürgerschützen entlang der Markierung auf der Wiemhove. Pünktlich zum traditionellen Antreten zeigte Petrus ein Einsehen und schloss die Schleusen, damit sich die 243 Mannen mit geschulterten Handstöcken den kritischen Argusaugen der Offiziere stellen konnten. Klar gab’s wieder einiges zu meckern, bevor sich die Schützenbrüder auf den Weg zum Königsschießen machen durften.

Ganz modern, mit Headset ausgerüstet, marschierte Oberfeldwebel Wolfgang Franke entlang der Linie, hinter der sich die Schützenkompanie gut gelaunt präsentierte. „Das Lachen wird euch gleich noch vergehen“, drohte Franke, der bereits im vorangegangenen Jahr angekündigt hatte, die Verfehlungen einiger Störenfriede genau zu notieren und diese zum Singen auf der Wiemhove zu verdonnern. „Mein Büchlein war schnell voll“, monierte der Uniformierte. „Deshalb müsst ihr jetzt alle singen.“

Als Lied böte sich „Bruder Jacob“ an. Aufgeteilt in zwei Gruppen, schmetterten die Schützenbrüder den Kanon vor begeistertem Publikum, das die „Chorknaben“ für ihre unerwartete Leistung mit frenetischem Applaus gelohnte.

Eine dicke Rüge kassierten einige altgediente Schützenbrüder: Heinrich Schütte , Reinhard Stertmann, Toto Haubrock, Karl Schulze Zuralst, Michael Huster und Walter Klein wurde vorgeworfen, sich während der Auftritte der Garden zu verdünnisieren, um es sich in Sitzmöbeln gemütlich zu machen. „Vielleicht ist das dem Alter oder der körperlichen Konstitution der Herren geschuldet“, mutmaßte Franke, der für Heinrich Schütte einen mobilen Klappstuhl mitgebracht hatte. Reinhard Stertmann wurde ein Melkschemel umgeschnallt. „Du hast zwei neue Hüften bekommen. Mich wundert nur, dass das mit deiner Jagd und deiner jungen Freundin gut funktioniert – klappt das alles im sitzen?“

Dem Rest der versammelten Mannschaft wurde vom Oberfeldwebel auferlegt, die verordneten Sitzmöbel ihren Schützenbrüdern während des Fests hinterherzutragen.

Für Kasperaden und ungebührliches Verhalten während des Antretens wurden Philipp Geschermann und Johannes Drepper nach vorne zitiert. Auch die Tatsache, dass letzterer seinen 25. Geburtstag feierte, konnte Franke nicht milde stimmen. Für alle sichtbar, mussten die beiden die Spitze der Schützenbrüder anführen.

Nachdem Grundsätzliches zum Thema „Manieren“ geklärt worden war, richteten Leutnant Manni Röckmann, Hauptmann Norbert Wessel und Oberst Theo Hoenhorst einige Grußworte an die versammelte Mannschaft, zu der sich auch Bürgermeister Berthold Streffing, Ortsvorsteher Sebastian Sievers und Landtagsabgeordneter Henning Rehbau aus der Politik und Pater Babu als Vertreter der Geistlichkeit gesellt hatten. Gemeinsam mit den Ehrengästen machten sich die Schützenbrüder in Begleitung der beiden Musikzüge und Garden auf den Weg, um das noch amtierenden Königspaar Hermann Stephan und Jutta Greshacke abzuholen. Das Noch-Königspaar begrüßte die Schützengesellschaft und durfte sich über eine Vorführung der Fahnengarde freuen, die sich in neuen Röcken präsentierte. Nach einem kurzen Aufenthalt nahm das Königspaar in der geschmückten Kutsche Platz, die sie zum Telges Busch brachte.

Am Nachmittag füllte sich bei doch noch gutem Wetter der Schützenbusch, und zahlreiche Gäste verfolgten die Schießversuche der Königsanwärter. Dabei genossen sie auch in diesem Jahr ein Rahmenprogramm mit Musik, Spiel und kulinarischen Köstlichkeiten. Bis der neue König das Federvieh mit dem finalen Schuss aus seiner misslichen Lage befreien konnte, herrschte im Busch beste Laune.

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