Proklamation im voll besetzten Festzelt
Dorf wird zur dunkelgrünen Zone

Albersloh -

Der Montag war ereignisreich für die Bürgerschützen. Nach der Proklamation des neuen Königs Simon Schneider im voll besetzten Festzelt waren sie (fast) den ganzen Tag auf den Beinen.

Montag, 03.07.2017, 17:07 Uhr

Der Hofstaat: (v.l.) Jörg Adammer mit Kathariana Fiebig, Johanna Gries mit Michael Gries, Annika Orr mit Martin Busch, Juliane Lange mit Max Bergmann, Eva Huster mit Norbert Hoffmann, Stephanie Storkamp mit Valentin Storkamp, Anne Korfmann mit Christian Storkamp, Andrea Niebling und vorne das Königspaar Julia Naczynski und Simon Schneider.
Der Hofstaat: (v.l.) Jörg Adammer mit Kathariana Fiebig, Johanna Gries mit Michael Gries, Annika Orr mit Martin Busch, Juliane Lange mit Max Bergmann, Eva Huster mit Norbert Hoffmann, Stephanie Storkamp mit Valentin Storkamp, Anne Korfmann mit Christian Storkamp, Andrea Niebling und vorne das Königspaar Julia Naczynski und Simon Schneider. Foto: Christiane Husmann

Es ist wohl nicht übertrieben, die Kondition der Albersloher Schützenbrüder als herausragend zu bezeichnen. Nach einer kurzen Nacht rappelten sich die Männer wieder auf, um diszipliniert und gut gelaunt in den Schützenfestmontag zu starten. Diesmal waren sie sogar früher als ihr Vorsitzender Udo Borgmann startklar – den hatten sie beim traditionellen Wecken noch unter der Dusche erwischt.

Fit und frisch geduscht trafen sich die Recken zum Antreten vor der Ludgeruskirche, in der zuvor ein Festgottesdienst gefeiert worden war. Gemeinsam marschierten der alte König Hermann Stephan und sein Nachfolger Simon Schneider zum Zelt, das sich schnell mit Schützenbrüdern füllte, die bei der Königsproklamation dabei sein wollten. Unter ihnen viele Ehrengäste, die vom Vorsitzenden der Albersloher Bürgerschützen, Udo Borgmann, begrüßt wurden.

Die Männer und Frauen ließen sich zum Frühschoppen nicht nur das traditionelle Töttchen, sondern auch das erste Morgenbier schmecken, das vom neuen König und anderen Gönnern spendiert worden war. Finanziert wurden auch neue schwarze Röcke für die Damen der Fahnengarde. Entzückt von der Farbe, hatte sich neben weiteren Spendern die CDU-Ortsunion an der Finanzierung beteiligt. Nach einem dreifachen „Horrido!“ auf die Spender, startete das Programm mit Udo Borgmanns kurzer Zusammenfassung des Schützenfestsonntags, der mit einem lauten 246. Knall einen überraschten König Simon Schneider hervorgebracht hatte.

Bevor Pfarrer Wilhelm Buddenkotte die Proklamation vornahm, berichtete er vom „World-Happiness-Report“, in dem in jedem Jahr ermittelt wird, wo auf der Welt die glücklichsten Menschen leben. Diese Zonen reichen von sehr glücklich – dunkelgrün – bis zu mäßig glücklich – hellgrün. Während in Norwegen, Dänemark und der Schweiz dunklere Grüntöne vorherrschten, dominiere in Deutschland oft das hellere Grün. Mit einer Ausnahme: Das Münsterland. Genauer: Albersloh. Und zwar insbesondere, wenn Schützenfest gefeiert werde. „Dann färbt sich das Dorf regelmäßig in ein tiefes dunkelgrün“, stellte der Geistliche fest.

Ein dunkelgrünes Jahr liegt wohl auch hinter dem scheidenden König Hermann Stephan, der fragte: „Was wäre ein König ohne seine Untertanen?“ und beschied: „Er wäre ein armer Wicht.“ Aber das könne einem beim Albersloher Schützenfest nicht passieren, meinte Stephan, der sich bei den Schützenbrüdern, dem Reitverein, seinem Hofstaat und Königin Jutta Greshake bedankte: „Es ist ganz hervorragend, was meine Königin für mich geleistet hat.“ Danach wurde die Königskette an Simon Schneider übergeben, der gemeinsam mit Königin Julia Naczynski das Dorf regieren wird.

Auch Hampelmannkönigin Kathrin Röckmann musste die Kette an ihre Nachfolgerin Nadine Honerpeik abtreten. Gewürdigt wurde auch die Zielgenauigkeit der Scharfschützen, die den Vogel im Vorfeld mächtig gerupft und ihn seiner Insignien entledigt hatten: Michael Albrecht, Frederik Hellmann, Mohamed Lamhauch, Markus Hörnemann, Heinz Lütke Harmann und Christian Breul.

Die Reihe der Ehrungen riss noch lange nicht ab. Dabei wurden nicht nur die über 80 Jahre alten Schützenbrüder geehrt, sondern auch Theodor Jeiler und Willi Haubrock, die nun schon seit 50 Jahren dem Verein die Treue halten.

Dann galt es, ein langjähriges Mitglied des Vorstands zu verabschieden. „Josef Buhne, besser bekannt als ,Onkel’, wurde am 26. November 1988 von unserem ältesten noch lebenden Mitglied Ewald Rüschenschmidt in den Vorstand gewählt“, wusste Udo Borgmann zu berichten. Früher sei man nicht gefragt worden, ob man das machen wolle. „Du gehst für mich in den Vorstand“, habe Rüschenschmidt entschieden. „Eine gute Entscheidung“, wie nicht nur der Vorsitzende befand. „,Onkel’ ist ja bekanntermaßen handwerklich begabt und in diesem Bereich der Mann für alle Fälle“, wusste Borgmann zu berichten. „Unvergessen ist auch seine Rolle als Sänger von ‚Vater Abraham‘ um Mitternacht sonntags in der Sektbar“, so der Vorsitzende, der als singenden Nachfolger Matthias Wievel vorstellte. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Bürgerschützen „Onkel“ aus dem Vorstand – aber nicht aus dem Verein.

Nach einem unterhaltsamen Frühschoppen formierten sich die Musikzüge und begleiteten den neuen König zur Wiemhove, wo die Kinder der Kita St. Ludgerus mit vielen Zuschauern warteten. Dort durften der König und Männer seines Gefolges ihr Geschick beim „Überraschungseierlauf“ unter Beweis stellen, den sie nur knapp gegen die Kinder verloren. Zum Trost erhielt der König aber eine grün-weiße Girlande und eine Box mit Überraschungseiern. „Damit du aus dem Überraschen gar nicht mehr herauskommst“, erklärte Kita-Leiterin Renate Krüger.

In der Folge marschierten die Schützenbrüder zum Ehrenmal, wo Martin Pälmke mit einer emotionalen Ansprache der Gefallenen der beiden Weltkriege gedachte. Danach durfte sich Ortsvorsteher Sebastian Sievers über einen Besuch mit Fahnenschlags freuen. Nach einem unterhaltsamen Vormittag trafen sich die Bürgerschützen erneut im Zelt.

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