Frauen suchen Hilfe in der Caritas-Kleiderkammer
Langweilig ist es nie

Sendenhorst -

Die Älteste von ihnen ist 86 Jahre alt, die Jüngste 73 – und dennoch engagieren sich die Frauen immer noch ehrenamtlich in der Caritas-Kleiderkammer. Doch nun brauchen sie Unterstützung, damit der „Laden“ auch in Zukunft reibungslos weiterlaufen kann. Langweilig ist es nie, denn an der Südstraße herrscht ein Kommen und Gehen.

Mittwoch, 26.07.2017, 06:07 Uhr

Ein Gespräch bei der ehrenamtlichen Arbeit: Ursula Bartylla (li.) und Ilse Sobczyk (re.) unterhalten sich mit einer Besucherin, die Kleidung für die Kleiderkammer gebracht hat.
Ein Gespräch bei der ehrenamtlichen Arbeit: Ursula Bartylla (li.) und Ilse Sobczyk (re.) unterhalten sich mit einer Besucherin, die Kleidung für die Kleiderkammer gebracht hat. Foto: Josef Thesing

Die Frauen, die im weißen Kittel mit Namensschild ihren Dienst tun, sind nicht mehr die Jüngsten. Die Älteste von ihnen ist 86 Jahre alt, die Jüngste 73 – also längst in einem Alter, in dem frau nicht mehr alles machen muss. Und sie machen die ehrenamtliche Arbeit in der Kleiderkammer der kirchlichen Caritas an der Südstraße 10 zum Teil schon sehr lange. Ursula Bartylla , die die Verantwortung trägt und fast immer da ist, schon seit 30 Jahren. Und das gerne, wie sie sagt.

Die Kleiderkammer an der Südstraße.

Die Kleiderkammer an der Südstraße. Foto: Josef Thesing

Lange Zeit klappte das gut mit dem Team aus sieben Frauen, die montags von 16 bis 18 Uhr die Kleidung annehmen und sortieren und dienstags von 9 bis 11 Uhr an die Kundschaft herausgeben. Und das gegen einen kleinen Obolus für Miete und Heizung – ein gutes Oberhemd kostet etwa einen und eine Jeans 1,50 Euro.

Doch das Team hat ein Problem und ruft deshalb – natürlich leise – um Hilfe. Es braucht Verstärkung. „Eine ist schon seit einem Jahr krank, eine ist jetzt im Urlaub, und eine hat sich die Hand verstaucht“, erzählt Ilse Sobczyk , die an diesem Montag gemeinsam mit Ursula Bartylla Dienst tut. Und solche „Ausfälle“ können – auch altersbedingt – natürlich immer wieder vorkommen.

Ursula Bartylla (li.) und Ilse Sobczyk sortieren die Kleidung.

Ursula Bartylla (li.) und Ilse Sobczyk sortieren die Kleidung. Foto: Josef Thesing

In der Kleiderkammer herrscht meistens ein Kommen und Gehen. „Guten Tag. Na, ich habe doch gesagt, dass beide Tanten da sind“, begrüßt eine Stammbesucherin, die Kleidung bringt, die beiden Frauen flapsig. Und die beiden Damen wissen das durchaus zu kontern, als sich die Besucherin ein nettes Kleid ansieht. „Ich glaube nicht, dass du da ’reinkommst. Das ist Größe 38.“ Der Ton und das „Betriebsklima“ sind herzlich, und die Frauen sind gut drauf.

An der Wand hängen Kreuze, ein überdimensionaler Rosenkranz, einige Hüte und allerlei Krimskrams. Im Schrank steht Nippes, doch der wird nicht abgegeben, sondern soll den Raum etwas wohnlich machen. „Das ist unsere Aussteuer“, erklärt Ursula Bartylla, die viele nur Ursel nennen.

Die Kundschaft ist vielschichtig, seit einiger Zeit gehören auch junge Flüchtlinge dazu, sagt Ursula Bartylla. „Die achten auf Mode und wollen manchmal handeln“, berichtet sie aus dem Alltag in der Einrichtung, in der es immer etwas Neues zu erzählen gibt. Handeln bedeute „Arbeit“, weil die Mentalitäten halt unterschiedlich sind. Spielzeug und Bücher – auch für Kinder – gibt es übrigens auch.

Nicht jede Frau muss in jeder Woche ’ran. Sie wechseln sich ab, wenn sie komplett sind. Eine kommt zum Beispiel nur jede zweite Woche am Dienstagmorgen. „Das ist gut zu schaffen“, sagt Ursula Bartylla, die in einem weiteren Ehrenamt ein Mal in der Woche Dienst im Café des St.-Elisabeth-Stifts tut. „Das macht mir beides Spaß“, sagt sie, die inzwischen bereits Uroma ist.

Die Ständer sind gut gefüllt.

Die Ständer sind gut gefüllt. Foto: Josef Thesing

Nicht alles, was gebracht wird, kommt auch auf die Ständer oder in die abgenutzten Schränke. Was nicht mehr geht, kommt in den Sack. Und darüber freut sich die Kolpingsfamilie, die die Klamotten weiterverwerten lässt. „Wir sind sehr froh darüber. Wo sollten wir denn sonst damit hin?“, meint die „Chefin“. „Die Kolpingsfamilie ist immer hilfsbereit.“

Langeweile kommt nicht auf, auch wenn gerade mal keine Kundschaft da ist. Es gibt immer etwas aus der Stadt zu erzählen, was andere, die lieber zu Hause sitzen, vielleicht nicht so mitbekommen. Manchem könnte das sicher gut tun, meint Ursula Bartylla. „Es gibt immer etwas zu tun und zu erleben.“ 

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