WN-Serie „Mein Beruf“: Gastwirt Andreas Kordt
An der Theke gilt das Beichtgeheimnis

Albersloh -

Eigentlich ist er gelernter Tischler und gelernter Veranstaltungstechniker. Dennoch entschied sich Andreas Kordt dazu, als selbstständiger Gastwirt ein Restaurant mit Hotel zu führen.

Sonntag, 20.08.2017, 20:08 Uhr

Der Arbeitsplatz von Andreas Kordt  ist nicht nur an der Theke. Vielfältige Aufgaben warten auf den Wirt, dessen selbstständige Tätigkeit besonders zu Stoßzeiten stressig sein kann. Bei Bedarf greifen Rainer Glorius (l.) und Maria Kordt auch Mal zur Grillzange, um den Wirt zu unterstützen. In der Küche des Gasthofs Zur Post  bereitet Koch Hans-Werner Petzhold die Speisen vor.
Der Arbeitsplatz von Andreas Kordt  ist nicht nur an der Theke. Vielfältige Aufgaben warten auf den Wirt, dessen selbstständige Tätigkeit besonders zu Stoßzeiten stressig sein kann. Bei Bedarf greifen Rainer Glorius (l.) und Maria Kordt auch Mal zur Grillzange, um den Wirt zu unterstützen. In der Küche des Gasthofs Zur Post  bereitet Koch Hans-Werner Petzhold die Speisen vor. Foto: Christiane Husmann

Ob Holländer, Japaner, Norweger oder Albersloher – Andreas Kordt bewirtet sie alle unter seinem Dach. Während die einen auf ein Feierabendbier oder ein Schnitzel beim Gastwirt um die Ecke reinschauen, nutzen die anderen sein Hotelangebot. Egal, woher die Gäste kommen – Andreas Kordt ist tagtäglich damit beschäftigt, dass sich in der „Post“ alle heimisch fühlen.

Eigentlich ist er gelernter Tischler und gelernter Veranstaltungstechniker. Dennoch entschied sich Andreas Kordt dazu, als selbstständiger Gastwirt ein Restaurant mit Hotel zu führen. „Einige Jahre nachdem Papa starb, habe ich den Betrieb übernommen“, erzählt der Albersloher, der von seiner Mutter Maria Kordt unterstützt wird. „Wenn Not am Mann ist, ist Mama immer zur Stelle“, freut sich der Gastwirt, der in seinen Beruf hineingewachsen ist. „Einigermaßen stressfest muss man schon sein“, sagt der Albersloher, der deutlich mehr als eine 40-Stundenwoche zu bewältigen hat. Die Arbeitstage des Wirtes beginnen mit einem Frühstart: „Ab 6 Uhr gibt‘s das Frühstück für die Hotelgäste.“ Später wird mit Hans-Werner Petzhold, dem Koch des Hauses, die Speisekarte besprochen. Dann geht‘s zum Einkaufen in den Großmarkt nach Münster. „Danach habe ich eigentlich ein paar Stunden frei“, sagt der 36-Jährige, schränkt aber ein, dass eben auch viele Bürotätigkeiten erledigt werden müssen. Dazu gehört nicht nur das Verbuchen der Kundenrechnungen, die unterschiedlich besteuert werden. „Auf Übernachtungen kommen sieben Prozent Mehrwertsteuer, aufs Frühstück 19 Prozent.“ Besonderen Wert legt der Wirt auf die Präsentation seiner Homepage: „Die meisten Buchungen erfolgen online.“ Mittlerweile seien es nicht nur die Jüngeren, sondern auch Senioren, die ihren Urlaub im Internet planten. Zu seinen Gästen gehören Geschäftsleute, Monteure, aber vor allem Touristen. Neben dem Wersewanderweg, der viele Radtouristen lockt, zahle sich auch die Nähe zu Münster aus. „Die Kunden zahlen für ein Zimmer in Albersloh die Hälfte, wenn nicht sogar nur ein Drittel dessen, was sie in der Stadt zahlen müssten“, nennt Andreas Kordt einen der Gründe, weshalb es die Kundschaft ins Dorf zieht. Derzeit profitieren er und seine Albersloher Geschäftskollegen Hendrik Geschermann, Elke Große Perdekamp und Stefan Winkenhoff vom Skulpturprojekt in Münster. „Wir schieben uns die Gäste je nach Bedarf und Belegung zu“, beschreibt Andreas Kordt das kollegiale und gute Verhältnis der örtlichen Mitbewerber untereinander.

Dann, wenn viele ihren Feierabend einläuten, beginnt für den Wirt vom „Hotel zur Post“ die Abendschicht. Auch für Koch Hans-Werner Petzhold, der in der Küche die Regie führt. Besonders häufig landen Schnitzel in seiner Pfanne. „Die sind besonders beliebt“, weiß Andreas Kordt, der derweil hinter der Theke die ersten Biere zapft. Heute sind die Bewohner des Josef-Hauses zu Gast. Maria Kordt und ihr Lebensgefährte Rainer Glorius haben sich hinterm großen Grill im Biergarten postiert, auf dem Würstchen und Fleischstücke brutzeln. Wieder ein Abend, an dem das Modell Familie wie selbstverständlich zu greifen scheint.

Zu fortgeschrittener Stunde sind es meist die Stammkunden, die es auf ein Pläuschchen und ein gemütliches Feierabendbier an die Theke zieht. Am Tresen wird unter anderem besprochen, was im Dorf passiert. „Ich kann nicht alles glauben und will auch nicht alles wissen“, sagt der Wirt augenzwinkernd. Natürlich kommt nebenbei viel Privates an seine Ohren. „Was man mir anvertraut, das bleibt bei mir – da halte ich mich an mein selbst auferlegtes Beichtgeheimnis.“

Selbst auferlegt hat er sich auch, während der Arbeit nicht mitzutrinken. Natürlich käme es häufiger vor, dass ein Gast besonders viel Sitzfleisch habe. „Irgendwann möchte man dann doch mal Feierabend machen“, räumt Andreas Kord ein. Nach dem Ausschank eines Freibiers, verstünden selbst die geselligsten Kunden, dass das der Scheidebecher sein sollte.

Ab November wird die wenige Freizeit des Gastwirts weiter eingekürzt: Andreas Kordt und Ehefrau Yvonne erwarten Nachwuchs. „Ich freue mich riesig“, sagt der Papa in spe, der fest auf die Unterstützung seiner Mitarbeiter vertraut. „Mit einem guten Team ist alles machbar“, glaubt der Wirt und zapft das nächste Bier.

Mit einem guten Team ist alles machbar.

Andreas Kort
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