Zirkusleben der Familie Trumpf
Zu Hause ist im Wohnwagen

Sendenhorst -

Das Zuhause sind bei Familie Trumpf die Wohnwagen, denn sechs Erwachsene und sechs Kinder sind mit dem „Original Circus Trumpf“ ständig auf Achse. Eine fahrende Schule gibt es für die Kinder im Alter von zwei bis 15 Jahren auch. Ab Donnerstag, 21. September, finden vier Tage lang Vorstellungen auf dem Lambertiplatz statt.

Donnerstag, 21.09.2017, 09:09 Uhr

Wohnzimmer, Küche und Aufenthaltsraum in einem: Sabrina Trumpf genießt mit Ehemann und Clown „Manfredo“ sowie Sohnemann Emilio die kurze Pause nach dem Aufbau des Zeltes.
Wohnzimmer, Küche und Aufenthaltsraum in einem: Sabrina Trumpf genießt mit Ehemann und Clown „Manfredo“ sowie Sohnemann Emilio die kurze Pause nach dem Aufbau des Zeltes. Foto: Josef Thesing

Ein Zuhause im herkömmlichen Sinn gibt es nicht. „Zu Hause ist da, wo die Wohnwagen stehen“, sagt Sabrina Trumpf . Und das ist seit Dienstag dieser Woche der Lambertiplatz in Sendenhorst. Vor einigen der neun Wohnwagen hängt am Mittwochmorgen unter Vordächern bei leichtem Regen Wäsche zum Trocknen. In der Zirkusschule hat der Unterricht begonnen, und im „Mannschaftswagen“, in dem auch eine komfortable Küche untergebracht ist, wird Kaffee gekocht, während auf dem Flachbildschirm Nachrichten laufen.

Emilio, sechs Jahre alt, ist ein bisschen nörgelig. Für ihn beginnt gleich der Unterricht, aber er hat keine Lust. Also: alles fast wie Zuhause.

Regen ist nicht gut, dann kommen weniger Leute zu den Vorstellungen, weiß Sabrina Trumpf. Deshalb ist sie froh, dass die Wetteraussichten für die kommenden Tage nicht so schlecht sind, denn von heute bis Sonntag heißt es „Manege frei“ für den „Original Circus Trumpf“ auf dem Lambertiplatz.

Die 15-Jährige Darleen trainiert auf dem Hochseil.

Die 15-Jährige Darleen trainiert auf dem Hochseil. Foto: Josef Thesing

Zur Familie gehören sechs Kinder und sechs Erwachsene. Fünf Kinder hat die 34-jährige Sabrina Trumpf selbst zur Welt gebracht. Der Jüngste ist zwei Jahre alt. „Kind“ Nummer sechs ist die 15-jährige Nichte Darleen, die draußen auf dem Drahtseil bis zum nächsten dicken Schauer für ihren Auftritt in der Show trainiert. Auch sie geht noch in die „Schule für Cirkuskinder NRW“, die es seit rund 20 Jahren gibt, und in der „ganz normale“ Lehrer in einem speziell ausgestatteten Wohnwagen unterrichten. Sabina Trumpf ist froh, dass es diese Einrichtung gibt – ohne die mitreisende Schule wäre das Zirkusleben für sie und ihre Kinder unvorstellbar. „Dort haben schon viele ihren Abschluss gemacht, auch das Abitur“, erzählt sie.

In der fahrenden Zirkusschule wird unterrichtet.

In der fahrenden Zirkusschule wird unterrichtet. Foto: Josef Thesing

Fahrende Zirkusleute sind nicht überall willkommen, plaudert die Zirkus-Managerin ein wenig aus dem Alltag. Geeignete Plätze zu finden, sei nicht immer einfach. Denn Vorurteile wie „Hängt die Wäsche ’rein, die Landstreicher kommen“, gehörten durchaus nicht der Vergangenheit an. „In Sendenhorst sind wird durch Herrn Müller vom Ordnungsamt sehr gut aufgenommen worden“, freut sich Sabrina Trumpf. „Wenn alle Verwaltungen so wären wie hier, wäre es einfacher“, meint sie. „Leben und Leben lassen“, sei die Devise des Zirkus’, den es in der zehnten Generation gebe. „Und die elfte steht schon bereit.“ Dass es in der Branche durchaus auch „Schwarze Schafe“ gebe, verhehlt sie nicht. Aber: „Bei uns ist immer alles ordentlich und sauber.“ Ein Spaziergang über die Anlage bestätigt das.

Ein bisschen häusliche Idylle: Blumentöpfe und Wäschestander vor dem Wohnwagen.

Ein bisschen häusliche Idylle: Blumentöpfe und Wäschestander vor dem Wohnwagen. Foto: Josef Thesing

Gleiches gelte auch für die wenigen Tiere, die der Zirkus vor   allem für seinen Streichelzoo dabei hat. Im Programm dominieren Artistik und Clownerie. Für den Spaß in der Manege ist Clown und Ehemann „Manfredo“ verantwortlich. „Wir sind ein Zirkus zum Anfassen, vor allem für Kinder, die im Programm auch mitmachen können“, kündigt Sabrina Trumpf an.

Das Leben in den Wohnwagen funktioniert wie in einem Haus, in dem viele Familienmitglieder wohnen. Ein Wohnwagen ist das „Elternschlafzimmer“, andere fungieren als „Kinderzimmer“. „Die Großen haben ihren eigenen Wagen – so, wie andere Kinder in Häusern auch ihr eigenes Zimmer haben“, ist die Mutter stolz. Privatsphäre sei auch für Zirkusleute wichtig.

Der Zirkus spielt nur in NRW, vor allem wegen der Schule. Jede Woche geht es auf einen anderen Platz. Von Ende Oktober bis Ende März ist Winterpause. Auch die verbringt die Zirkusfamilie in ihrer Wohnwagensiedlung, und das wegen der Tiere – Ziegen, Ponys und Lamas – am liebsten auf einem leer stehenden Bauernhof. „Wir sind alle in Wohnwagen groß geworden“, findet die fünffache Mutter daran nichts Besonderes.

Die Vorstellungen im großen Zelt auf dem Lambertiplatz finden am heutigen Donnerstag, am Freitag und am Samstag jeweils um 16 Uhr statt. Am Sonntag beginnt das Programm um 11 Uhr.

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