Krankheit Demenz
Wenn nirgendwo zu Hause ist

Sendenhorst -

Wie wirkt sich die Krankheit Demenz im Alltag aus? Ein bisschen konnten das die Teilnehmer des „Demenz-Parcours“ im St.-Josef-Stift nachvollziehen. Zum Beispiel beim Zuknöpfen eines Kittels: Es ist der Kopf, der es nicht mehr schafft, den Knopf zuzumachen. Der Parcours sollte helfen, noch mehr Menschen für die Krankheit „Demenz“ zu sensibilisieren – und den Umgang mit Erkrankten zu erleichtern.

Donnerstag, 28.09.2017, 07:09 Uhr

Heiner Hagemann versucht sich an einer der Aufgaben, die beim „Demenz-Parcours“ gestellt werden. Jürgen Mai von der Stadtverwaltung sieht ihm dabei zu.
Heiner Hagemann versucht sich an einer der Aufgaben, die beim „Demenz-Parcours“ gestellt werden. Jürgen Mai von der Stadtverwaltung sieht ihm dabei zu. Foto: Josef Thesing

„Ich will nach Hause.“ Das ist ein Satz, den Angehörige oft hören, die einen an Demenz Erkrankten in einer Pflegeeinrichtung untergebracht haben. „Demenz ist im Alter der häufigste Grund für eine Unterbringung in einem Pflegeheim“, sagt Angelika Reimers , Leiterin des „Demenz-Netzwerkes Sendenhorst-Albersloh“.

Doch was ist, wenn aufgrund der Krankheit nirgendwo mehr „zu Hause“ ist? Manchmal geben Angehörige dem Wunsch nach und holen Demenzkranke tatsächlich aus der Pflegeeinrichtung nach Hause, weiß Angelika Reimers. Und dann würden sie damit konfrontiert, dass die Erkrankten in den eigenen vier Wänden dieses sagen: „Hier ist nicht mein Zuhause. Ich will nach Hause.“

Es ist gar nicht so einfach, sich einen Weg zu merken.

Es ist gar nicht so einfach, sich einen Weg zu merken. Foto: Josef Thesing

Mit einem besonderen Parcours konfrontierte das „Demenz-Netz“ gestern im St.-Josef-Stift gesunde Besucher. Und die mussten schnell die Erfahrung machen, dass alles schwierig ist, wenn der Kopf nicht mehr will. „Das ist eine Tortour“, sagt eine junge Frau, die gerade probiert, spiegelverkehrt und verdeckt eine Figur nachzuzeichnen. „Das gibt es doch gar nicht“, meint der Sendenhorster Heiner Hagemann, der sich an einer ähnlichen Aufgabe versucht.

Deutlich wird dabei auch, dass es jüngeren leichter fällt als Menschen, die schon ein bisschen in die Jahre gekommen sind. „Je jünger das Gehirn ist, je besser funktionier es“, meint Angelika Reimers. „Es ist der Kopf, der es nicht mehr schafft, zum Beispiel den Knopf zuzumachen.“

Zahlreiche Mitarbeiter des „Demenz-Netzes“ nahmen teil.

Zahlreiche Mitarbeiter des „Demenz-Netzes“ nahmen teil. Foto: Josef Thesing

Der Parcours soll helfen, noch mehr Menschen für die Krankheit „Demenz“ zu sensibilisieren – und den Umgang mit Erkrankten zu erleichtern. Netzwerkkoordinator Detlef Roggenkemper schätzt, dass etwa zwei Drittel der Erkrankten in den eigenen vier Wänden versorgt werden, weil die Betroffenen und auch deren Angehörige das so wollten.

Aber das habe seine Grenzen. Zum Beispiel dann, wenn „Hin- und Weglauftendenzen“ erkennbar seien, es eine Selbstgefährdung der Erkrankten im Haushalt gebe, oder wenn Aggressionen im Spiel seien. Und auch dann, wenn sich Angehörige überfordert fühlten.

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