Vortrag des Pflege-Netzwerks
„Hotel Mama“ und „Residenz Tochter“

Sendenhorst -

Mit über 40 Jahren wächst das Risiko, zeitgleich in der Rolle von „Hotel Mama“ und „Residenz Tochter“ zu stecken. Die so genannte „Sandwich-Generation“ trägt Verantwortung für die Erziehung der eigenen noch minderjährigen Kinder und die pflegebedürftig gewordenen Eltern. Die Belastungsgrenze rückt gefährlich nahe.

Donnerstag, 28.09.2017, 14:09 Uhr

Auf Einladung des Pflegenetzwerks Sendenhorst referierte Silke Niewohner (Mitte) zu „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“. Begrüßt wurde sie von Angelika Reimers (Seniorenberatung Sendenhorst, l.) und Elisabeth Uhländer-Masiak (St.-Elisabeth-Stift).
Auf Einladung des Pflegenetzwerks Sendenhorst referierte Silke Niewohner (Mitte) zu „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“. Begrüßt wurde sie von Angelika Reimers (Seniorenberatung Sendenhorst, l.) und Elisabeth Uhländer-Masiak (St.-Elisabeth-Stift).

Schon gewusst? Mit über 40 Jahren wächst das Risiko, zeitgleich in der Rolle von „ Hotel Mama “ und „Residenz Tochter“ zu stecken. Die so genannte „Sandwich-Generation“ trägt Verantwortung für die Erziehung der eigenen noch minderjährigen Kinder und die pflegebedürftig gewordenen Eltern. Die Belastungsgrenze rückt gefährlich nahe. Zum Thema „Vereinbarkeit von Pflege und Beruf“ referierte die Gesundheitswissenschaftlerin Silke Niewohner auf Einladung des Pflegenetzwerks am Dienstag im St.-Josef-Stift.

Pflege wird häufig gleichgesetzt mit körperlicher Pflege. Niewohner machte aber deutlich, dass pflegende Angehörige eine Vielzahl von Tätigkeiten übernehmen wie Betreuung, Hilfe im Haushalt, Einkäufe, Kochen, Begleitung zu Arztbesuchen oder Fahrten und dafür oft viele Stunden in der Woche aufwenden. Verbunden sei das häufig mit wenig eigenem Freiraum, Vernachlässigung sozialer Kontakte und Rollenkonflikten, weil sich das Verhältnis von Eltern und Kindern häufig auf den Kopf stellt. „Darin liegt aber auch eine Chance, weil man sich noch einmal neu kennenlernt.“

Durchschnittlich dauert die Pflege eines unterstützungsbedürftigen Angehörigen acht bis neun Jahre. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, so Niewohner. Deshalb empfahl die Fachfrau, von Anfang an auf eine gute Organisation zu achten, die auch das Einplanen von Freizeit und das (Be-)Achten eigener Bedürfnisse vorsieht. Und: „Beratung ist wichtig, weil das Thema Pflege sehr komplex und die Gesetze sehr kompliziert sind.“

Zwar sieht der Gesetzgeber mit dem Pflegezeitgesetz und dem Familienpflegezeitgesetz Möglichkeiten vor, sich für die Pflege eines nahen Angehörigen Auszeiten im Berufsleben zu nehmen. Doch was auf den ersten Blick attraktiv wirkt, berge in der Praxis viele Fallstricke, führte Niewohner aus. Zum Beispiel, wenn Kostenzusagen ungewiss sind oder sehr zeitverzögert kommen.

Als Anlaufstelle für Beratung empfahl Silke Niewohner die Seniorenberatung Sendenhorst, die Pflege- und Wohnberatung des Kreises Warendorf und die Pflegekassen der Krankenversicherungen. Niewohner: „Die Gesetze zu verstehen, ist wie eine neue Sprache zu lernen.“

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