Sendenhorsterin steht wegen eines Unfalls und Stalkings vor Gericht
Von „Abneigung“ über diffamierende Plakate bis zum Auto-Abdrängen

Sendenhorst -

Seit Montag steht eine 30-jährige Sendenhorsterin vor dem Landgericht in Münster. Ihr werden unter anderem Stalking, Diffamierung und das Abdrängen des Autos eines Bekannten vorgeworfen.

Dienstag, 16.01.2018, 04:01 Uhr

Vor dem Landgericht in Münster muss sich eine 30-jährige Sendenhorsterin Verantworten.
Vor dem Landgericht in Münster muss sich eine 30-jährige Sendenhorsterin Verantworten. Foto: dpa

Vom gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr über das Entfernen vom Unfallort bis hin zum ausufernden Stalking hat sich eine 30-jährige Sendenhorsterin derzeit vor dem Landgericht zu verantworten. In dem Prozess, der vom Amtsgericht in Ahlen an das Landgericht verwiesen worden war, gilt es, neben der Schuldfähigkeit zu klären, ob die Voraussetzungen für eine Unterbringung der Angeklagten in einer psychiatrische Klinik gegeben sind.

Der Staatsanwalt führte aus, dass die Frau im September 2016 auf der Landesstraße 586 zwischen Sendenhorst und Albersloh absichtlich das Auto eines guten Bekannten gerammt habe. Der Mann sei dadurch auf den Seitenstreifen geraten und im Straßengraben gelandet. Ein Schock und Schmerzen über eine längere Zeit seien die Folgen gewesen. Ohne sich um das Unfallgeschehen zu kümmern, haben sich die Unfallverursacherin davongemacht, so die Anklage.

Beide waren sich nicht fremd. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit aus Urlaubstagen. Später zog die 30-Jährige von Heide nach Sendenhorst. Anfangs lief alles gut, bis sie 2016 „eine Abneigung“ gegen den späteren Geschädigten entwickelt habe, die in Stalking gegipfelt sei. Ständig habe sie den Mann. Sie habe Plakate gedruckt, auf der sie den Sendenhorster öffentlich als Kinderschänder darstellte. Sie habe ihn zudem der körperlichen Annäherung bezichtigt und nachts auf vielfältige Weise sein Grundstück mit Farbe beschmiert. Ferner stellte sie die Behauptung auf, der Mann habe sie gemeinsam mit ihrem Bruder entführt, um sie zur Heirat zu zwingen. Um das Stalking zu beweisen, installierte der Sendenhorster eine Überwachungskamera und erwirkte eine Anordnung zum Schutz vor der Frau.

Ruhig und im sachlichen Ton machte die ehemalige Altenpflegerin, die in einer Unterkunft für Frauen lebt, Angaben zu ihrer Biografie. Demnach brach sie 2016 ihre Ausbildung zur Altenpflegerin ab. „Mir wurde psychisch alles zu viel“, erklärte sie. Schon zwei Mal war sie in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Heute gehe es ihr gut.

Zu den Tatvorwürfen und auf Fragen des Vorsitzenden Richters antwortete die Angeklagte bisweilen abweichend. Zum Unfallhergang und zum Stalking sagte sie: „Er drängte mich ab, als ich ihn überholen wollte. Er wurde immer schneller und schneller.“ Dass sie das Auto berührt habe, das habe sie nicht gemerkt.

Aus Angst, weil sie gesehen habe, dass der Mann ein Messer in ihre Richtung gehalten haben soll, habe sie nicht angehalten. Und gestalkt habe ihr Bekannter. Sie habe sich beeinträchtigt gefühlt, als er häufig vor ihrer Wohnung gestanden und sie beobachtet habe. Es sei ihr immer schlechter ergangen „Ich hatte Angst, dass es schlimmer werden würde“, erklärte die Angeklagte.

Alle Beschuldigungen wies der 29-Jährige vehement zurück. Er habe nie eine Beziehung mit der Angeklagten gewollt und habe auch keine gehabt. Die Probleme der Frau seien nach der Trennung von ihrem Freund aufgetreten. 

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