Paten für geflüchtete Menschen erzählen von ihren Erfahrungen
Aus Fremden werden Freunde

Sendenhorst/Albersloh -

Ulrike Woelky, Gerd Trottier, Angelika Anhalt und Josef Brandherm berichteten im „Sozial-Zentrum Fels“ von ihren Erfahrungen als Flüchtlingspaten. Mit dabei waren auch einige der Menschen, die sie als Paten begleiten. Im Tenor sind sie sich einig: „Aus Fremden sind gute Freunde geworden.“ Die Paten hoffen, auch andere für diese Aufgabe gewinnen zu können.

Montag, 19.02.2018, 12:02 Uhr

Im Einsatz für andere: Einige der Paten, die geflüchtete Menschen unterstützen, geben Einblick in ihre Erfahrungen. Zu den Initiatoren, die für neue Patenschaften werben, gehören Kerstin Eibrink und Eva Rüschenschmidt (3.u.4.v.re.).
Im Einsatz für andere: Einige der Paten, die geflüchtete Menschen unterstützen, geben Einblick in ihre Erfahrungen. Zu den Initiatoren, die für neue Patenschaften werben, gehören Kerstin Eibrink und Eva Rüschenschmidt (3.u.4.v.re.). Foto: Christiane Husmann

Das „Lokale Bündnis für Familien“ (FIZ), der Deutsch-Ausländische Freundeskreis ( DAF ), die Stadt Sendenhorst und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) suchen gemeinsam Paten, die ehrenamtlich geflüchtete Menschen begleiten beziehungsweise unterstützen wollen. „Haben sie Lust und Zeit sich um Menschen mit Fluchterfahrung zu kümmern? Sind sie offen für andere Kulturen und möchten intensiver mit Menschen anderer Herkunft in Kontakt kommen? Möchten sie Verantwortung für andere übernehmen und wollen sich zuverlässig und längerfristig für eine Familie oder eine Einzelperson engagieren?“ Diese Fragen stellen die Initiatoren in einem Flyer, mit dem sie für Patenschaften werben.

„Der Bedarf ist ungebrochen“, weiß Kerstin Eibrink. Die Ehrenamtskoordinatorin der Stadt sagt: „Es ist wichtig, dass die Menschen jemanden an der Seite haben, der sie begleitet.“ Sicher sei: „Man gibt viel, aber man bekommt auch sehr viel zurück.“

Ulrike Woelky, Gerd Trottier, Angelika Anhalt und Josef Brandherm sind ins „Sozial-Zentrum Fels“ gekommen, um von ihren Erfahrungen als Paten zu berichten. Mit dabei sind auch einige der Menschen, die sie als Paten begleiten. Im Tenor sind sie sich einig: „Aus Fremden sind gute Freunde geworden.“ Anfängliche Verständigungsprobleme konnten überwunden und Vorbehalte oder Bedenken mit der Zeit über Bord geworfen werden. „Was wird von mir als Pate erwartet? Wie intensiv ist das?“, hatte sich Angelika Anhalt gefragt, als sie sich bereiterklärte, eine Patenschaft zu übernehmen. Bei einem Frauenabend im Sozial-Zentrum habe sie sich sehr nett mit einer Frau unterhalten.

Dass das Aisha Afyouni war, für deren Familie sie eine Patenschaft übernehmen sollte, wusste sie da noch nicht. „Seitdem sehen wir uns jeden Sonntag“, sagt Angelika Anhalt. „Es wird gemeinsam gekocht, und wir kümmern uns um solche Sachen wie Schule, Fußballtraining und das Ausfüllen von Formularen“, ergänzt die Sendenhorsterin, die die Patenschaft als „absolut unkompliziert“ bezeichnet.

Ähnliche Erfahrungen hat Gerd Trottier gemacht. Anfängliche Verständigungsprobleme seien mit Händen und Füßen überbrückt worden. Ausflüge ins Sauerland oder an den Möhnesee, die Beschaffung eines Weihnachtsbaumes oder Besuche an den Festtagen: Die Liste der Aktivitäten, die bereits gemeinsam unternommen wurden, ist lang.

Auch Ulrike Woelky hat sich seit Beginn des Flüchtlingszustroms als Patin stark gemacht. Bei Behördengängen, Wohnungssuche und anderen Hürden stehen sie und ihr Mann geflohenen Menschen zur Seite. Aktuell unterstützen sie Alshahoud Almouhammad Mouuhammad – kurz Shahoud genannt.

Der junge Mann war bis vor Kurzem in der Unterkunft am Mergelberg untergebracht, in der aktuell noch 22 junge Männer leben. Das Albersloher Ehepaar verhalf ihm zu einer Wohnung. „Heute hat er bei Haverkamp eine Praktikumsstelle als Anlagenmechaniker unterschrieben“, freut sich Ulrike Woekly für den sympathischen jungen Mann aus Syrien. Sie hofft, dass sich auch die Situation für die anderen jungen Männer am Mergelberg bald verbessern wird und glaubt: „Patenschaften sind da sehr hilfreich.“

Auch Josef Brandherm hat Erfahrungen als Pate gemacht. Der Sendenhorster räumt ganz ehrlich ein, dass er anfänglich Vorurteile gegenüber einigen Asylsuchenden gehabt habe. Erst als er durch seine Frau, die sich mit Strickkursen in der Flüchtlingshilfe engagiert, eine albanische Familie kennenlernte, habe er den Mut gefasst, sich auf die Menschen einzulassen. Von der Herzlichkeit und Gastfreundschaft der albanischen Familie berührt, entstand eine enge Freundschaft, die bis heute hält. Inzwischen trennen viele Kilometer die neuen Freunde – die Familie wurde nach Albanien „zurückgeführt“, wie es offiziell heißt. „Daran wären wir fast zerbrochen“, sagt Josef Brandherm.

Insbesondere die Art und Weise der Abschiebung und der Umgang mit der Familie mit Kindern habe ihn schockiert. „Das war hammerhart“, sagt der Sendenhorster.

Das Versprechen: „Wir besuchen euch“, hielten die Eheleute Brandherm und waren schier entsetzt von den Lebensumständen in Albanien. Heute sagt Josef Brantherm: „Das sind Menschen wie du und ich, die nur das Pech hatten, nicht in Deutschland geboren worden zu sein.“ Vom Schicksal der befreundeten Familie zeigt sich Brandherm nachhaltig berührt.

„Sie gestalten die Patenschaft eigenständig und setzen gemeinsam mit Ihrer Patenfamilie oder Ihrem ‚Patenkind‘ Schwerpunkte in der Begleitung – von gemeinsamen Ausflügen oder Kochen über Unterstützung bei Behördengängen bis zur Kindergartenanmeldung“, steht im Flyer. „Neben der Übernahme einer Patenschaft sind auch andere Beteiligungsmöglichkeiten denkbar – beispielsweise in der Ausbildungsbegleitung von Jugendlichen oder der Entwicklung neuer Ideen für Projekte für Gruppen“, heißt es weiter. „Wir beraten sie gern und schauen mit ihnen gemeinsam, welche Möglichkeiten des Engagements zu Ihren Wünschen, Ideen und zeitlichen Voraussetzungen passen“, werben die Initiatoren.

Ansprechpartnerin ist die Ehrenamtskoordinatorin Kerstin Eibrink, ✆ 01 72/2 52 44 72. Ihre Sprechzeiten im Rathaus sind montags von 15 bis 16.30 Uhr. Weitere Kontaktstellen: tagespflege-dreinsteinfurt@awo-hamm-warendorf.de sowie die FiZ-Kontaktstellen im „Forum Schleiten“, ✆ 0 25 26/ 9 38 22 68, (montags von 15 bis 17 Uhr und freitags von 9 bis 11 Uhr) und im „Sozial-Zentrum Fels“, (mittwochs von 15 bis 17 Uhr).

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