Frank Rüdiger ist Berufsfeuerwehrmann
In 90 Sekunden vom Bett ins Auto

Albersloh/Dortmund -

Frank Rüdiger arbeitet als Zugführer und Leitstellenverantwortlicher bei der Berufsfeuerwehr in Dortmund. Eine Schicht dauert 24 Stunden. Die Westfälischen Nachrichten haben ihn dort besucht und dem Team bei der abwechslungsreichen Arbeit über die Schulter gesehen.

Sonntag, 25.03.2018, 12:03 Uhr

Als Wachabteilungsleiter ist der Albersloher Frank Rüdiger an diesem Tag für die Leitstelle der Feuerwehr Dortmund verantwortlich.
Als Wachabteilungsleiter ist der Albersloher Frank Rüdiger an diesem Tag für die Leitstelle der Feuerwehr Dortmund verantwortlich. Foto: Josef Thesing

Hier ist das Herz. Und das Herz schlägt ruhig – trotz der großen Belastung, die es zu bewältigen hat. 145 000 Einsätze – inklusive Rettungsdienst – sind hier im Schnitt im Jahr zu koordinieren. Eines der Telefone klingelt immer. 17 Menschen arbeiten bei voller Besetzung in der Leitstelle der Berufsfeuerwehr Dortmund. Hektik ist nicht zu spüren: Jeder weiß, was er zu tun hat. Jeder sitzt vor mehreren Bildschirmen, auf denen auch der Status von Mensch und Gerät angezeigt wird.

Heute ist Frank Rüdiger ihr Vorgesetzter. „Wachabteilungsleiter“ nennt sich das. Der Albersloher arbeitet als Zugführer in der Feuerwache I an der Steinstraße mitten in der Innenstadt in direkter Nachbarschaft der „Rotlichtmeile“. „Blau“ trägt er aber nur zu 80 Prozent seiner Dienstzeit. Die übrigen 20 Prozent sind „Lagedienst“ – heute mit schwarzer Hose, weißem Hemd und Krawatte. Vielseitigkeit ist Voraussetzung bei der Berufsfeuerwehr. „Jeder muss zu jeder Zeit ersetzbar sein“, sagt Rüdiger. Das gilt für viele der 236 Menschen, die – inklusive Rettungsdienst – in der Wache arbeiten. Taucher gehören ebenso dazu wie Spezialisten für die Bergung aus besonderen Notfällen, zu denen die Höhenretter gehören.

16 Leute bilden den Löschzug von Frank Rüdiger. Vier Fahrzeuge inklusive Drehleiter stehen für den Einsatz des Zuges bereit. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Vor einigen Einsatzfahrzeugen hängen schwere Jacken und stehen Stiefel. Die Ausrüstung ist griffbereit.

90 Sekunden: Die sind hier auf den Gängen und in den vielen Räumen das Maß aller Dinge. „Egal, was jemand gerade macht oder wo er ist: In 90 Sekunden muss er im Fahrzeug sein“, erklärt Frank Rüdiger. Das gilt für die Dusche genauso wie für die Küche und die hauseigene Wäscherei.

Und für das Bett. Jede Schicht ist 24 Stunden lang. Und für die Nacht gibt es oben im Gebäude Ruheräume. „Jeder hat ein Bett“, sagt Rüdiger. Als Zugführer verfügt der 49-jährige Familienvater in seiner Schicht über ein eigenes kleines, spartanisch eingerichtetes Zimmer. Auch dort gelten nachts um drei die 90 Sekunden. Vom Bett aus sind es nur wenige Schritte bis zu den automatischen Türen, hinter denen sich die Rutschstangen befinden. Und an diesen geht es durch den Schacht direkt in die Fahrzeughalle.

Dem Besucher fällt auf, dass sich jeder, der sich während der Schicht zum ersten Mal begegnet, die Hand gibt. Das gehört zum „schönen Umgang miteinander“, meint Frank Rüdiger. Das Betriebsklima sei ausgezeichnet. „Das Schönste an der Arbeit hier ist, dass ich jedes Mal wieder gerne hierhin fahre“, sagt Rüdiger. Und das ist seit 1991 so. Damals gab es Hoesch noch. Das gute Miteinander sei für alle wichtig. „Wir gehen zusammen ins Feuer oder gemeinsam auf den Rettungswagen, ohne zu wissen, was uns erwartet.“ Er denkt immer mal wieder, sagt Rüdiger nachdenklich, dass er im Job schon alles gesehen hat. „Leider nicht“, fügt er an – und zeigt Fotos, auf denen zu sehen ist, wie eine bewohnte Gegend ausgesehen hat, nachdem sich ein Mann bei einem Suizid gleich mit dem ganzen Haus in die Luft gesprengt hat.

Die meisten Berufsfeuerwehrleute haben eine erste Ausbildung als Handwerker. Praxis ist gut – und Voraussetzung. Es gibt Kfz-Schlosser, Mechatroniker, Schornsteinfeger und auch Köche. Frank Rüdiger, der als städtischer Beamter den Titel Brandamtsrat trägt, ist gelernter Metallbauschlosser. Damit alle in ihren handwerklichen Professionen fit bleiben, gibt es im Feuerwehrgebäude eine kleine Werkstatt zur Selbstnutzung. Das ist so gewollt. „Wir sind handwerklich sehr breit aufgestellt“, sagt Rüdiger. Auch das ist gewollt. Manche haben eine zusätzliche „PSU“-Ausbildung, um die Berufsfeuerwehrleute und Rettungskräfte bei und nach Einsätzen psycho-sozial unterstützen zu können.

Berufsfeuerwehrleute – in Dortmund sind etwa 30 von ihnen Frauen – haben drei Ausbildungen. Auf ihre ursprüngliche folgen die zum Feuerwehrmann und zum Notfallsanitäter. Jeder muss Lkw fahren können.

Frank Rüdiger ist Feuerwehrmann aus Leidenschaft. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“, sagt er. Begonnen hat er in der Jugendfeuerwehr in Albersloh. Heute ist er dort – ehrenamtlich – Zugführer. „Der Beruf ist für mich auch Verpflichtung.“

In Dortmund ist der Vater zweier 15- und 18-jähriger Söhne im Schnitt acht Mal im Monat für 24 Stunden „auf Schicht“. „Wir haben eine 48-Stunden-Woche“, sagt er. Früher waren es 54, doch das wurde per EU-Verordnung geändert. Und die Bezahlung? „Ich fühle mich passend bezahlt.“

In den Dortmunder Fahrzeughallen gibt es fast nichts, was die Augen von Feuerwehrfans nicht zum Leuchten bringen würde. „Wir sind personell und materiell gut bestückt“, meint der Albersloher. Neben den „üblichen“ Einsatzfahrzeugen gibt es eine fahrende Einsatzzentrale, einen riesigen Kran, einen Bergungszug, Spezialfahrzeuge für Chemieunfälle, ein Boot für die Taucher, einen Bergungszug, einen Transporter für besonders schwere Menschen und einiges mehr. Der Hubschrauber steht am Flughafen. Die Berufsfeuerwehr unterhält eine eigene Schule, ein Außenübungsgelände und ein Brandhaus.

Und natürlich eine recht geräumige Küche. Und da macht sich eine Erstausbildung zum Koch ganz gut. Denn die Leute, die Dienst haben, kochen abends gemeinsam. Und zum Kochen gehören auch – dienstgradunabhängig – das Spülen und aufräumen. „Jeder ist mal an der Reihe“, erklärt Rüdiger.

Fast wie in einer WG. Aber es gibt einen wichtigen Unterschied: Auch in der Küche gelten die 90 Sekunden.

► Die Berufsfeuerwehr in Dortmund sucht neue Mitarbeiter. Informationen gibt es auf der Homepage feuerwehr.dortmund.de.

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