WN-Serie: Förderverein Haus Siekmann
Der kulturelle Leuchtturm

Sendenhorst -

Nachdem die Stadt das Haus Siekmann gekauft hatte, was der Förderverein von Anfang an mit im Boot. Zunächst wurde bei Umbau und Sanierung kräftig mit angepackt. Heute stellen Vorsitzender Jürgen Krass und sein Team ein hochwertiges Kulturprogramm auf die Beine.

Freitag, 17.08.2018, 14:02 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 15.08.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 17.08.2018, 14:02 Uhr
Jürgen Krass ist der Vorsitzende des Fördervereins Haus Siekmann, zuweilen auch „Herr Siekmann“ genannt. Gemeinsam mit dem Team organisiert er das Programm.
Jürgen Krass ist der Vorsitzende des Fördervereins Haus Siekmann, zuweilen auch „Herr Siekmann“ genannt. Gemeinsam mit dem Team organisiert er das Programm. Foto: Benedikt Stasch

Als die Stadt Sendenhorst im Jahr 1992 das Haus Siekmann erwarb, war die Erfolgsgeschichte, die die Einrichtung für kulturelle, soziale und berufliche Bildung nehmen sollte, noch nicht abzusehen. Zunächst einmal gab es damals viel zu tun, denn das Anwesen war zuvor als Hotel genutzt worden und musste umgebaut und renoviert werden. Von der Entstehung bis heute mit dabei: der Förderverein Haus Siekmann, der aus dem kulturellen Angebot in der Stadt schon lange nicht mehr wegzudenken ist.

„Die ersten vier Jahre haben wir im wahrsten Sinne des Wortes Hand angelegt“, berichtet der Vorsitzende des Vereins, Jürgen Krass , aus der Anfangszeit. 18 Gründungsmitglieder hatte der Verein 1994 gefunden, die sich in mehr als 1000 ehrenamtlichen Arbeitsstunden bei der Umgestaltung der Villa, des Kaminraums, des Gartens und „dem Herzstück“ – der Tenne – einbrachten.

Nach und nach gab es schon erste kleinere Veranstaltungen, bis das Haus Siekmann mit einem bunten Kulturfest im September 1998 vollständig in Betrieb genommen und feierlich eingeweiht wurde.

„Unsere Hauptaufgabe ist die Gestaltung eines Jahresprogramms“, erklärt Jürgen Krass. Etwa 15 Veranstaltungen im Jahr organisiert der Verein – im kommenden Jahr bereits seit stolzen 25 Jahren. Dabei haben sich einige Veranstaltungen etabliert, die aus dem Kalender vieler Zuschauer nicht mehr wegzudenken sind. „Das Neujahrskonzert findet bereits seit 2001 statt und ist so beliebt, dass wir es nun zwei Mal am Tag anbieten“, erzählt Jürgen Krass. Zwischen den Jahren finde außerdem das Jazz-Festival statt, bei dem, immer wieder bekannte Künstler auftreten.

Großer Beliebtheit erfreue sich auch das Preisträgerkonzert, bei dem junge Musiker, die schon mehrere Preise gewonnen haben, vorgestellt werden. „Das findet im diesen Jahr auch mindestens das 20. Mal statt“, sagt Jürgen Krass. Ein riesiger Erfolg sei auch das Gitarrenfestival geworden, das seit drei Jahren stattfindet und mit klangvollen internationalen Namen auch viele Besucher von außerhalb anlocke. Was nicht wundert: Insgesamt falle auf, dass bei manchen Veranstaltungen mittlerweile sogar mehr auswärtige Gäste kommen als Sendenhorster.

Mindestens ein Jahr im Voraus beginnt Jürgen Krass mit den Vorbereitungen für das Jahresprogramm. „Da auch die Künstler ihre Tournee-Planung machen, ist es wichtig, frühzeitig anzufragen, um interessante Leute zu bekommen“, erklärt er.

Viele Leute würden ihn und seine Mitstreiter oftmals fragen, wie es der kleine Verein schaffe, immer wieder namhafte Künstler nach Sendenhorst zu holen, die auch auf internationalem Parkett unterwegs sind. Neben der rechtzeitigen Planung sei es vor allem der gute Ruf des Hauses.

„Für die Künstler ist es hier ein Aha-Erlebnis“, sagt Jürgen Krass. Der kleine Rahmen, mit maximal 120 Besuchern, sei ein besonderer, und die Tenne biete eine außergewöhnliche Atmosphäre mit sehr guter Akustik, vor allem Pianisten seien immer angetan. Dabei sei die Tenne früher eigentlich nur für Tiere gewesen. „Außerdem versuchen wir, die Veranstaltungen mit stimmungsvollem Licht zu gestalten“, so der Vorsitzende.

So kommen die Künstler nicht nur aus dem guten Netzwerk, das sich Jürgen Krass in all den Jahren erarbeitet hat, sondern ihre Agenten oder sie selbst bieten sich ebenfalls an. „Ich bin immer wieder erstaunt, was für Anfragen da kommen. Man könnte jeden Tag etwas machen“, sagt er.

Manchmal ist es aber auch reiner Zufall. Die Sängerin Erna Rot hörte Jürgen Krass im Radio und schaute, ob es möglich ist, diese nach Sendenhorst holen. Am 11. November tritt „Erna Rot & Band“ mit ihrem neuen Album „Angst und Weltschmerz“ bereits zum zweiten Mal auf der Tenne auf. Die Sängerin Anne Haigis sah Jürgen Krass im Urlaub, und noch in der Pause machte er den Auftritt im Rahmen ihrer „Companions Tour“ perfekt, der im April stattfand.

Gelegentlich sind es aber auch Vorschläge von Mitgliedern des Fördervereins oder Besuchern, die umgesetzt werden.

In diesem Jahr finden noch sieben weitere Veranstaltungen statt. Auch das Programm für das Frühjahr 2019 steht bereits fest. „Das Ganze ist ein Full-Time-Job, der aber auch sehr viel Spaß macht“, sagt Jürgen Krass. Kontakte pflegen, Verträge machen, die Veranstaltungen koordinieren, das Programm gestalten: Es kommen viele Aufgaben zusammen.

Ohne den starken Zusammenhalt und Einsatz des gesamten ehrenamtlichen Vorstandes wäre das Jahresprogramm in diesem Umfang nicht möglich.

„Wir sind mittlerweile ein Team von elf Vorstandsmitgliedern mit ganz unterschiedlichen Qualitäten, die sich sehr gut ergänzen“, erzählt Jürgen Krass. Seien es Bernard Erdmann und Siegfried Thier, die sich um die Technik kümmern, Klaus Harig, der den Internetauftritt pflegt, oder Franz-Josef Reuscher, der sich als Kassierer um alle Abrechnungen kümmert. Nicht zu vergessen seien die Frauen, die sich um die atmosphärische Gestaltung kümmern oder die Künstler betreuen, was diese immer sehr wertschätzen würden.

„Man muss nicht lange groß reden. Jeder setzt seine Stärken gut ein und ist mit Leidenschaft dabei“, freut sich Jürgen Krass über das gute Team. Der Gesellschaft auf diesem Wege etwas zurückzugeben, treibe die Gruppe an. Der schönste Lohn, neben dem Lob der vielen Besucher, sei, wenn nach einem Konzert der letzte Stuhl gerückt ist und es sich mit den Künstlern am Kaminfeuer gemütlich gemacht werden kann. „Der Austausch ist sehr interessant, da man sehr spannende Leute trifft, die auch international unterwegs sind. Das ist im Anschluss immer entspannend“, so Jürgen Krass.

Damit der Verein sein hochwertiges Jahresprogramm aufstellen kann, ist er auf Einnahmen angewiesen. „Alleine von den Eintrittsgeldern könnten wir nicht leben. Die Gage, Übernachtung und Verpflegung der Künstler, Gema-Gebühren und Künstlersozialkasse, Werbung und technische Erneuerungen: Es kommt viel zusammen“, sagt Jürgen Krass. Gerade die Gema sei für den Verein auch „ein undurchsichtiges Ding“, welches die Finanzierung immer schwieriger mache. Der Eintrittspreis liege im Durchschnitt bei 17 Euro pro Karte. Das wolle man beibehalten, solange es geht.

Jürgen Krass ist überzeugt, dass es sich für jeden Einzelnen lohnt, sich für das Haus Siekmann einzusetzen, um einen Mehrwert für die Gesellschaft zu haben: „Es ist mittlerweile ein fest etabliertes Kulturzentrum mit einem breiten und hochwertigen Programm, das aus der Stadt kaum noch wegzudenken ist.“ Auch künftig soll der „kulturelle Leuchtturm Sendenhorsts“ weiter strahlen, wofür sich alle im Verein weiter einsetzen wollen.  

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