Matthias Brodowy analysiert „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“
Humor mit beachtenswertem Niveau

Sendenhorst -

Intelligenz und Unterhaltungswert schließen sich nicht aus – das war den fast 100 Besuchern des kabarettistisch-musikalischen Nachmittags mit Matthias Brodowy im Haus Siekmann schon nach wenigen Worten des sympathischen Künstlers klar.

Freitag, 14.09.2018, 14:28 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.09.2018, 13:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 14.09.2018, 14:28 Uhr
Kabarettist Matthias Brodowy überzeugte bei seiner sozialkritischen Abrechnungen auf hohem sprachlichen Niveau. Das quittierte des Publikum im Haus Siekmann mit Begeisterung.
Kabarettist Matthias Brodowy überzeugte bei seiner sozialkritischen Abrechnungen auf hohem sprachlichen Niveau. Das quittierte des Publikum im Haus Siekmann mit Begeisterung. Foto: Axel Engels

Intelligenz und Unterhaltungswert schließen sich nicht aus – das war den fast 100 Besuchern des kabarettistisch-musikalischen Nachmittags mit Matthias Brodowy im Haus Siekmann schon nach wenigen Worten des sympathischen Künstlers klar. Mit seinem aktuellen Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ lud er die Zuhörer ein auf eine Reise entlang der menschlichen Entwicklung, wobei Zeit für ihn nur eine kleine Nebensächlichkeit bedeutete.

Der Mensch habe während der Evolution den aufrechten Gang für sich entdeckt, sich dadurch zur „Spitze der Schöpfung“ entwickelt. Aber mit dem Smartphone sei alles anders gekommen: Nun laufe er gebückt mit dem Handy durch die Welt, und wie damals beim Sündenfall sei auch diesmal ein angebissener Apfel an allem Schuld. Seine sozialkritischen Abrechnungen würzte Brodowy zwischendurch immer mit kleinen Prisen an Blödsinn, schließlich sollte das Niveau ja nicht in unvorstellbare Höhen abdriften. Man solle sich eben nicht so viel ärgern und aufregen, mit einem Lächeln erreiche man doch viel mehr.

Also forderte er auf, seine Mitmenschen zum Lachen zu bringen, einfach mehr Quatsch zu machen. Ob darin die Lösung aller Probleme liegt, mag vielleicht zweifelhaft sein, amüsant auch als reines Gedankenspiel zur Übertragung auf die eigene Lebenssituation ist es auf jeden Fall. Aber auch bei solchen Ausflügen in die Niederungen der Poesie wusste er virtuos mit Sprache umzugehen, schließlich hat der Kabarettist ganz seriös Geschichte, Germanistik und katholische Theologie für das Höhere Lehramt studiert.

Die Früchte seiner Ausbildung zum Kirchenmusiker kamen dem Publikum auch auf musikalischem Gebiet zugute. Denn oftmals diente der Flügel Kabarettisten wie Hagen Rether vermeintlich als „Dekoration“ oder Ablage für Bananen. Matthias Brodowy wusste das Instrument in feinster Musikantenmanier für seine kleinen, oftmals bitterbösen Lieder zu nutzen. In kleinen Nebensätzen versteckte er dabei seine süffisanten Blicke hinter die Kulissen, wusste so das Publikum zum Mitdenken zu animieren.

Ob er dabei das große Weltgeschehen aufs Korn nahm oder die kleinen Dinge des Lebens, immer machte er dies mit einem sprachlichen Niveau, das beachtenswert war. Selbst seine aus einem roten Buch vorgetragene Geschichte aus dem Himmel mit der Begegnung mit Friedrich Nietzsche als Dirigent eines imaginären Orchesters bot dabei einen poetisch-lyrischen Genuss.

Dauerberieselung durch den Fernseher, Musik in Fahrstühlen, Kaufhäusern sowie Toiletten sei ihm genauso zuwider wie die allgegenwärtige digitale Vernetzung. Der Algorithmus wisse ja mehr von jedem einzelnen als der eigene Partner.

Wenn er zwischendurch das Programm mit kleinen Anekdoten aus seinem Leben auflockerte, war dies ein willkommener Einblick in das Leben eines Mannes, der als Zivildienstleistender bei mörderischer Hitze eine Fahrt im VW-Bully mit Rentnergang überlebt hatte. Aufgewachsen in Friedenszeiten warnte er vor dem Zerfall des vereinten Europas, das für ihn eine Stätte der Freundschaft und des friedlichen Miteinanders der Menschen ist.

Die Schilderungen seiner skurrilen Träume fanden wahre Begeisterung beim Publikum. Dabei offenbarte er sich als wahrer politischer Zyniker mit Durchblick.

Wahre Haltung findet Matthias Brodowy zum Ende an der Nordsee. Wer am Deich steht und auf die raue See blickt, für den sei die Welt eben noch in Ordnung. Und so ganz nebenbei nehme man dabei auch Haltung an.

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