„Tag des offenen Denkmals“: die Promenade
Geschichte und Geschichten

Sendenhorst -

Die Promenade stand in diesem Jahr im Mittelpunkt des „Tages des offenen Denkmals“ in Sendenhorst. „Was bietet sich bei dem Motto ,Was uns verbindet‘ besser an, als der Rundweg um unsere Stadt, von dem man in alle Richtungen in die Altstadt hinein und hinaus gelangen kann?“, begründet der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Hölscher, die Wahl.

Freitag, 14.09.2018, 14:28 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.09.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 14.09.2018, 14:28 Uhr
In der Promenade gibt es viel zu sehen, es gibt viel über sie zu erzählen. Das erfuhren die Sendenhorster, die am Sonntag an dem Rundgang teilnahmen, den Mitglieder des Heimatvereins organisiert hatten.
In der Promenade gibt es viel zu sehen, es gibt viel über sie zu erzählen. Das erfuhren die Sendenhorster, die am Sonntag an dem Rundgang teilnahmen, den Mitglieder des Heimatvereins organisiert hatten. Foto: Benedikt Stasch

Zum 25. Mal fand am Sonntag der „ Tag des offenen Denkmals“ statt. Unter dem Motto „Entdecken, was uns verbindet“ wurden in 20 europäischen Ländern und kreisweit in zwölf Städten etliche Denkmäler geöffnet. Auch in Sendenhorst hatte sich die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Heimatverein Gedanken gemacht, welches Denkmal in diesem Jahr im Mittelpunkt stehen könnte. Schnell sei man sich einig gewesen, dass es eines ist, das jedem Sendenhorster ein Begriff ist und jederzeit zur Verfügung steht: die Promenade.

„Was bietet sich bei diesem Motto besser an, als der Rundweg um unsere Stadt, von dem man in alle Richtungen in die Altstadt hinein und hinaus gelangen kann?“, begründet der Vorsitzende des Heimatvereins, Christian Hölscher, die Wahl. Die Promenade sei einer der schönsten und ältesten Wege in Sendenhorst und ein Alleinstellungsmerkmal für die Stadt. „Vier Abschnitte, die nicht immer ganz einfach in ihrer Weiterführung zu erkennen und daher historisch sehr spannend zu beleuchten sind“, sagte Bürgermeister Berthold Streffing, der Christian Hölscher und seinem Team für die Organisation der Führung dankte.

25 Sendenhorster trafen sich am Nachmittag am Haus Siekmann, um von dort die Promenade im Uhrzeigersinn abzugehen, den Worten der Heimatvereinsmitglieder Christian Hölscher, Ludwig Schmülling und Max Linnemann-Bonse zu lauschen und so den Weg historisch und künstlerisch zu entdecken. Aber auch persönliche Erinnerungen sollten Platz finden. „Ich freue mich auf viele neue Dönekes, denn jeder hat eine Verbindung zu ihr und sie bietet über all die vielen Jahrzehnte viel Stoff“, so Christian Hölscher.

Eines der Kunstwerke in der Promenade sind die „Spiegel der Erkenntnis“ von Marnie Moldenhauer. Sie gewann im Jahr 1998 im Rahmen des Wettbewerbes „Künstlerische Ausgestaltung des Promenadenringes seinerzeit den zweiten Preis. „Wir können das Wort Denkmal hier auch wörtlich nehmen: Halt an und denk mal nach – die Botschaft der Spiegel auf sich wirken lassen“, sagte Christian Hölscher. Solidarität, Frieden, Freiheit, Gewaltlosigkeit, Toleranz, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Schöpfung sind die Worte, die die Spiegel schmücken. „Diese Begriffe sind gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig und Aufruf und Mahnung zugleich. Diese Werte machen unser Gemeinschaftsleben lebens- und liebenswert“, so Christian Hölscher. Angesichts jüngster Ereignisse, sowohl im In- als auch im Ausland gelte es, diese Werte zu verteidigen.

Eine besondere Wirkung hat auf Christian Hölscher auch der jüdische Friedhof, der der einzig verbliebene Teil des Schutzwalles ist: „Es ist ein wunderbar stiller Ort, der emotional sehr berührt.“

An frühere Zeiten erinnerte Ludwig Schmülling, der viele „Dönekes“ zu Gebäuden und Personen parat hatte. Ein Haltepunkt war eine alte Gartenlaube an der Ecke Neustraße/Gartenstraße. „Der erste Laden, ein Kiosk von Willi Blechschmidt, einem bekannten Einzelhändler aus Sendenhorst. Dort gab es Tabakwaren, Zeitschriften und Kinderspielzeug“, erzählte er. Auch einige andere der Gruppe erinnerten sich. „Es gibt nichts, was es bei Willi nicht gab“, erinnerte sich jemand. „Und wenn doch mal was nicht da war, sagte er: Komm morgen wieder, dann hab ich es“, blickte eine andere Teilnehmerin zurück.

Am Spielplatz an der Feuerwehr zeichnete Max Linnemann-Bonse den Anwesenden die Promenade auf und erklärte, warum diese von dieser Stelle nicht mehr rundlich, sondern gerade verläuft: Es fehlte schlicht das Geld. Die Häuser aus dem Stadtgebiet, die nicht mit eingeschlossen wurden, hießen „Alte Stadt“. Die gerade Strecke verläuft bis zur großen roten Kugel an der Schluse. „Die wurde mal bis in die Stadt gerollt“, wusste Christian Hölscher zu berichten, der jedoch nicht herausfinden konnte, wer sich damals die Mühe gemacht hatte. „Es hat keiner die Gruppe verlassen“, bescheinigte er den Anwesenden Schuldfreiheit.

Den letzten Halt der Führung gab es am einzig noch verbliebenen Brennereischornstein, wo sich die Teilnehmer bei einem „Sendenhorster Kloaren“ noch das eine oder andere „Döneken“ über die Promenade erzählten.

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