Theater zum Thema „Demenz“
Zwischen Aufbegehren und Ohnmacht

Sendenhorst -

Der Schauspieler Thomas Borggrefe brachte das Thema „Demenz“ in seinem Ein-Mann-Theaterstück „HellerMann“ eindrucksvoll auf die Bühne des Hauses Siekmann. Er spielt einen Orchestermusiker – keine 70 Jahre alt –, der sich in seinem Leben verliert.

Mittwoch, 19.09.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.09.2018, 06:00 Uhr
Glücksmomente beim Tanz mit Anna: Thomas Borggrefe spielt einen demenzkranken Musiker, der sich im unberechenbaren Wechsel von klaren und verwirrten Phasen zunehmend verheddert.
Glücksmomente beim Tanz mit Anna: Thomas Borggrefe spielt einen demenzkranken Musiker, der sich im unberechenbaren Wechsel von klaren und verwirrten Phasen zunehmend verheddert.

Demenz, das ist wie ein großes Durcheinander im Kopf. Nichts ist mehr an seinem Platz. Worte, Personen, Namen, Orte und Zeitebenen verschwimmen. Und doch: Inmitten von diesem Chaos bleibt der Mensch mit Demenz doch der Mensch, der er immer war. „Es ist noch alles in seinem Kopf, aber es ist nicht mehr abrufbar.“

Ein Zuschauer brachte das auf den Punkt, was der Schauspieler Thomas Borggrefe in seinem Ein-Mann-Theaterstück „HellerMann“ am Montagabend so eindrucksvoll auf die Bühne des Hauses Siekmann brachte. Er spielt einen Orchestermusiker – keine 70 Jahre alt –, der sich in seinem Leben verliert: Mal ist er Kind, mal Liebhaber, mal Ehemann – dann wieder im Hier und Jetzt. Ständig ist er auf der Suche nach irgendwas. Findet er es nicht, bezichtigt er seine Umgebung des Diebstahls. „Manchmal weiß ich nicht, wer ich bin“, sagt er resigniert.

Er schwankt zwischen Aufbegehren gegen seine Alzheimererkrankung, zwischen Ohnmacht und Hilflosigkeit und dem Wunsch, so angenommen zu werden, wie er ist: ein Mensch, der nicht mehr alles kann, der Nachsicht und Geduld verdient. Seine Gefühlswelt ist intakt. Sie hat keine Demenz.

Für seine einfühlsame Darstellung erhielt Borggrefe langen Applaus von den rund 120 Zuschauern, darunter Interessierte, professionell Pflegende und sogar einige Altenpflegeschüler vom Fachseminar in Warendorf.

Die fiktive Handlung erleichterte offenbar den Zugang zu dem in weiten Teilen immer noch tabubehafteten Thema „Demenz“, denn im Anschluss der Aufführung entwickelte sich ein angeregtes Gespräch über den Umgang mit Demenz. Thomas Borggrefe, der in seiner niederländischen Heimat selbst mit demenziell erkrankten Menschen arbeitet, warb für mehr Offenheit: „Wir können viel von Menschen mit Demenz lernen.“ Oder wie es im Theaterstück heißt: „Das Gedächtnis der Weisen ist wie ein Sieb, das die schönen Stunden zurückhält.“

Die Aufführung anlässlich des Welt-Alzheimertages war eine Kooperationsveranstaltung des Demenz-Servicezentrums Münsterland, der „Heinrich-und-Rita-Laumann-Stiftung“ und des Demenz-Netzes Sendenhorst Albersloh.

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