Textilmoden Mersmann schließt nach 70 Jahren
Die „Ladenfrauen“ schließen ab

Albersloh -

Für die Mitte des Dorfes ist es sicher ein großer Verlust: Das Textil- und Modehaus Mersmann schließt zum Jahresende. Und das nach 70 Jahren. 1949 war das Geschäft von Friedel und Otto Mersmann eröffnet worden. Seit 1986 wird es von Claudia Mersmann geführt.

Freitag, 12.10.2018, 15:04 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 11.10.2018, 09:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 12.10.2018, 15:04 Uhr
Das „Tschüss“-Sagen fällt Claudia Mersmann (5.v.l.) und ihren Kolleginnen Maria Schulte-Bisping, Wiltrud „Willu“ Rengshausen, Andrea Gnegel, Nadine Hebben, Kirsten Spangenberg, Hildegard Schonnebeck und Julia Mersmann (v.l.i) mit Kurt Mersmann nicht leicht.
Das „Tschüss“-Sagen fällt Claudia Mersmann (5.v.l.) und ihren Kolleginnen Maria Schulte-Bisping, Wiltrud „Willu“ Rengshausen, Andrea Gnegel, Nadine Hebben, Kirsten Spangenberg, Hildegard Schonnebeck und Julia Mersmann (v.l.i) mit Kurt Mersmann nicht leicht. Foto: Christiane Husmann

Es ist wohl nicht übertrieben, wenn man sagt, dass eine Ära zu Ende geht. Nach 70 Jahren ist bald Schluss mit dem Albersloher Traditionshaus Textilmoden Mersmann, das 1949 von Friedel und Otto Mersmann eröffnet und seit 1986 von Claudia Mersmann über weitere 30 Jahre erfolgreich geführt wird. „Das ist keine leichte Entscheidung“, sagt die Geschäftsführerin, die nicht nur im Dorf dafür bekannt ist, gemeinsam mit dem Mitarbeiterinnenteam engagiert, kompetent und ideenreich der Kundschaft zur Seite zu stehen und die sich auch sonst stets um das Wohl der Kaufmannschaft kümmert.

In den Geschäftsräumen am Kirchplatz halten „die Ladenfrauen“ Sekt in den Händen. Doch in Feierlaune sind sie nicht. Auch wenn Claudia Mersmann sagt: „Wir hatten rückblickend eine sehr schöne Zeit zusammen.“ Damit spricht sie neben ihren Mitarbeiterinnen auch die Kunden an, die „Textilmoden Mersmann“ über die Jahre die Treue gehalten hatten.

Gleichwohl räumt die Geschäftsführerin ein: „Es fehlt die Laufkundschaft.“ Außerdem setze der Onlineboom dem stationären Handel stark zu. Als Erfa-Mitglied – „Erfahrungsaustauschgruppe der Textilbranche“ – weiß Claudia Mersmann, dass es den meisten Bekleidungsläden in kleineren Orten ganz ähnlich geht. „Von anfänglich 20 der Erfa-Gruppe zugehörigen Betrieben sind nur noch drei geblieben“, sagt sie.

Insbesondere für ihre Stammkundschaft, bei der sich Claudia Mersmann für die langjährige Treue ausdrücklich bedankt, täte es ihr leid. „Uns hat der persönliche Kontakt zu unseren Kunden immer sehr viel Freude gemacht.“ Dem stimmen die Mitarbeiterinnen zu, die mit ihrer Chefin im Dorf den Spitznamen „die Ladenfrauen“ tragen. „Wir sind wie eine kleine Familie“, sagt Nadine Hebben, die gemeinsam mit Claudia Mersmann im Modehaus gestartet war. „Es tut schon weh, nach so langer Zeit aufzuhören“, sagt die langjährige Mitarbeiterin, die in Zukunft bei „Mersmann Design“ in Münster arbeiten wird.

Auch für die übrigen Kolleginnen kommt die Schließung nicht unerwartet. „Wir hatten hier immer eine gute Stimmung und viel persönlichen Kontakt zu den Kunden“, blickt Andrea Gnegel wehmütig zurück.

Dass niemand gefunden werden konnte, der das Geschäft weiterführen will, finden Claudia Mersmann und ihre Mitarbeiterinnen natürlich schade – mit Sicht auf die Probleme im stationären Handel aber auch verständlich.

Und ganz persönlich möchte Claudia Mersmann nach 30 Jahren im Textilgeschäft wieder mehr für die Familie da sein – insbesondere in Erwartung des vierten Enkelkinds. Außerdem erledigt sie „nebenbei“ die Buchhaltung der Firma „Mersmann-Design“ am Roggenmarkt.

Mit viel Ideenreichtum hatten Claudia Mersmann und ihr Mitarbeiterinnenteam immer wieder tolle Events auf die Beine gestellt. Insbesondere die Modenschauen lockten die Kunden ins Haus. Eines der letzten Events wird wohl nun der Räumungsverkauf bei „Textilmoden Mersmann“ sein. Attraktive Angebote und stark reduzierte Markenware warten auf die Kunden. Und bis zum Jahresende werden „die Ladenfrauen“ auch weiterhin die Kundschaft kompetent beraten, so wie es seit 70 Jahren bei „Textilmoden Mersmann“ immer üblich war, versprechen die Mitarbeiterinnen.

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