Tagespflege – was ist das eigentlich?
Wenn’s zu Hause schwierig wird

Sendenhorst -

Die neue Tagespflege am St.-Elisabeth-Stift wird gut angenommen. Doch viele wissen gar nicht, was das ist und was das kostet. Der Schwerpunkt liegt auf Betreuungs- und Bewegungsangeboten. Diese werden von Fachkräften entwickelt und angeleitet. So werden Angehörige entlastet.

Freitag, 12.10.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 12.10.2018, 08:00 Uhr
Maria Borgmann (vorne rechts) freut sich aufs gemeinsame Frühstück in der Tagespflege St. Elisabeth und nimmt an den Bewegungsangeboten teil.
Maria Borgmann (vorne rechts) freut sich aufs gemeinsame Frühstück in der Tagespflege St. Elisabeth und nimmt an den Bewegungsangeboten teil. Foto: Bettina Goczol

Die freundliche Atmosphäre strahlt den Gästen schon im Eingangsbereich entgegen: Große gelbe Sonnenblumen wiegen ihre schweren Köpfe. Entstanden sind sie in der Kreativrunde der Tagespflege St. Elisabeth. Dort sind täglich zwischen 16 und 21 ältere Menschen zu Gast, die in gemütlich-geselliger Runde ihren Tag verbringen. Am Abend kehren sie nach Hause zurück – meistens müde, aber mit dem guten Gefühl, heute etwas erlebt zu haben.

„Wenn pflegende Angehörige sich das erste Mal melden, fragen sie oft: Was ist Tagespflege eigentlich? Mit dem Begriff können viele Menschen nichts anfangen oder verbinden damit Abläufe wie in einem Pflegeheim“, erzählt Jessica Linnemann. Sie leitet mit einem Team von Mitarbeiterinnen die Tagespflege St. Elisabeth, die Ende April als zusätzliches Angebot des St.-Elisabeth-Stifts ihre Pforten geöffnet hatte. Der wesentliche Unterschied sei eigentlich, dass Tagespflege – obwohl „Pflege“ im Wort steckt – den Schwerpunkt auf Betreuungsangebote legt.

Und diese Angebote werden von Fachkräften entwickelt und angeleitet. Und sie sollen eine breite Palette abdecken, um Fähigkeiten zu fördern oder sogar wieder zurückzugewinnen. „Wir haben den Schwerpunkt auf das Thema ,Rehabilitation und Bewegung gelegt’“, beschreibt Hausleiterin Sabina von Depka Prondzinski, weil der Verlust von Mobilität oft ein Grund für Pflegebedürftigkeit sei.

Die Tagespflege versteht sich aber auch als entlastendes Angebot für pflegende Angehörige. An sieben Tagen in der Woche für die pflegebedürftige Mutter oder den Vater zu sorgen und ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, könne für pflegende Angehörige zu einer Zerreißprobe zwischen Familie, Beruf und den eigenen Bedürfnissen werden. Oft spiele auch das schlechte Gewissen eine Rolle.

Aber die Zahlen sprechen für sich: Mit 24 Plätzen ist die Tagespflege St. Elisabeth die größte im Kreis Warendorf, und nach nur vier Monaten waren manche Tage schon mit mehr als 20 Gästen besucht.

Viele Familien nutzen die Möglichkeit, die Besuchstage individuell zu wählen. Manche kommen täglich, andere beispielsweise montags, mittwochs und freitags. Der „lange Donnerstag“ hat sich nicht bewährt, so dass seit Kurzem auch hier die täglichen Öffnungszeiten von 8 bis 16 Uhr gelten. Und auch das ist eine Besonderheit des Sendenhorster Angebots: Die Tagespflege ist auch jeden Samstag von 8 bis 16 Uhr geöffnet. „Das ist ein typischer Tag für Erledigungen und Einkäufe“, so die Verantwortlichen. Es gebe sogar Gäste, die unter der Woche in ihrem Wohnort eine Tagespflegeeinrichtung besuchen und nur am Samstag in die Sendenhorster Tagespflege kommen. „Da sind wir flexibel und machen vieles möglich.“

Viele Angehörige treibt die Frage um, was die Tagespflege kostet. Sabina von Depka Prondzinski: „Diese Frage lässt sich nur individuell beantworten. Je höher der Pflegegrad, desto höher ist der Anspruch auf Tagespflegetage. Die Kosten trägt die Pflegekasse, und zwar zusätzlich zum Anspruch auf Kurzzeitpflege.“

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