Erna Rot und ihre Band geben Konzert im Haus Siekmann
Eine Ode gegen den Weltschmerz

Sendenhorst -

Von „Angst & Weltschmerz“, dem Titel der neuen CD, war wenig zu hören. Stattdessen gestalteten Erna Rot und ihre Band im Haus Siekmann ein homorvolles Programm.

Montag, 12.11.2018, 22:00 Uhr aktualisiert: 14.11.2018, 14:56 Uhr
Erna Rot und ihre Band zeigten auf der Bühne eine breite Palette unterschiedlicher Stilrichtungen.
Erna Rot und ihre Band zeigten auf der Bühne eine breite Palette unterschiedlicher Stilrichtungen. Foto: Dierk Hartleb

Auf das kecke orangefarbene Hütchen verzichtete Erna Rot am Sonntagnachmittag bei ihrem Auftritt im Haus Siekmann. Dafür hatte die Wahl-Kölnerin, der die besten Einfälle beim Radfahren abends im Nieselregen in Köln-Lindenthal kommen – wie sie ausplauderte – viele neue Songs dabei, die so neu waren, dass sie es noch nicht einmal auf ihre erst jüngst erschienene zweite CD geschafft hätten.

Womöglich habe deren Titel „Angst & Weltschmerz“ einige Besucher abgeschreckt, unkte Fördervereinsvorsitzender Jürgen Krass bei seiner Begrüßung, weil etliche Stühle auf der Tenne leer geblieben waren. Die vermeintliche Befürchtung von zu viel Melancholie und leicht depressivem Novemberblues erwies sich jedoch als völlig unbegründet, denn Erna Rot und ihre vorzüglich besetzte Band begannen mit einer „Ode an die Freude“, Titelsong der ersten CD.

Wer Erna Rot ein bisschen kennt, weiß oder ahnt zumindest, dass „Angst und Weltschmerz“ als Inbegriff deutscher Befindlichkeit nur ironisch gemeint sein können. Immerhin hätten diese beiden Wörter Aufnahme ins Englische gefunden. Der Deutschen größte Angst gilt, wie Erna Rot verriet, derzeit US-Präsident Donald Trump, während es 2012 noch die Klimakatastrophe war.

Doch nach Politiker-Bashing steht der gebürtigen Ostberlinerin, Jahrgang 1986, beim Texten nicht der Sinn. Sie liebt es vielmehr poetisch-fantasievoll, um Alltägliches, Empathie oder Enttäuschungen auszudrücken. Letzteres kann auch schon mal „Jürgen“ treffen, der sich auch auf der neuen CD wiederfindet, wobei damit, wie die Sängerin betonte, Hausherr Jürgen Krass und alle anderen anwesenden Namensvetter ausdrücklich nicht gemeint seien. Sondern jemand, der vor allem gerne laut ist und stottert. Doch ihr bisweilen schwarzer, über ihre sanfte Ironie hinausgehender Humor bewahrt stets eine lässige Contenance, die ihre musikalische Entsprechung findet.

Zur Vertonung ihrer Texte bedient sich Erna Rot wie bei einem Baukasten des großen Vokabulars, das ein Kritiker kürzlich mit dem Begriff „Jazzpopchansonbluesgrasssswing“ treffend etikettierte. Dafür stehen ihr mit Simon Doetsch (Trompete und Akkordeon), Peter Kowal (Gitarre), Stefan Rey (Kontrabass) und Felix Günther (Schlagzeug) vier junge, veritable Musiker zur Seite, die sich ganz auf ihre Kompositionen einlassen und denen sie ihrerseits immer wieder Freiräume für Soli einräumte, die das Publikum mit spontanem Beifall quittierte.

Bei der Moderation gewährte die Singer-Songwriterin Einblick in ihre kompositorische Werkstatt und kündigte an, dass sie sich demnächst mit der amerikanischen Jazz-Sängerin Blossom Dearie beschäftigen werde, von der sie auch zwei Songs vorstellte. Darunter befand sich auch ein französisches Chanson, das die Amerikanerin während eines längeren Paris-Aufenthaltes geschrieben hatte, das die Lust beschreibt, jemanden zu umarmen. Mit unprätentiöser Offenheit plauderte Erna Rot aus, wie sehr sie die französische Sprache schätzt, um zugleich zu bedauern, dass sich ihre Kenntnisse auf das Schulfranzösisch beschränkten.

Mit dem Lied der Knef „Ich bin zu müde, um zu schlafen“ verabschiedeten sich die Sängerin und ihre Band von ihren Zuhörern, die sie mit ihrer ausdrucksstarken Stimme und einer ungekünstelten Natürlichkeit bezaubert hatte. Jürgen Krass drückte aus, was viele Besucher auch so empfanden: Dass es nicht ihr letztes Konzert in Sendenhorst war.

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