20 Jahre Sendenhorster Erzählnacht
Wertvolle Geschichten

Sendenhorst -

Zum nunmehr 20. Mal hatte der Verein „Theomobil“ zur Sendenhorster Erzählnacht eingeladen. Die 140 Karten waren schnell ausverkauft – genauso schnell füllte sich am Freitagabend die Tenne im Haus Siekmann. Im Laufe der Jahre ist die Erzählnacht zu einer festen Größe im Kulturleben der Stadt Sendenhorst geworden.

Montag, 19.11.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 23.11.2018, 14:14 Uhr
Markus Hoffmeister und Michael Hellrung vom Vorstand des Vereins „Theomobil“ nutzten zunächst die Gelegenheit, sich bei ihren zahlreichen Helfern und bei Thomas Hoffmeister-Höfener zu bedanken.
Markus Hoffmeister und Michael Hellrung vom Vorstand des Vereins „Theomobil“ nutzten zunächst die Gelegenheit, sich bei ihren zahlreichen Helfern und bei Thomas Hoffmeister-Höfener zu bedanken. Foto: Anke Weiland

Die 140 Karten waren schnell ausverkauft – genauso schnell füllte sich am Freitagabend die Tenne im Haus Siekmann. Susanne Tiggemann sammelte vor Beginn bereits Wörter aus dem Publikum für ihren Auftritt: „Wörter für eine Geschichte, die es noch nicht gibt.“ Zum nunmehr 20. Mal hatte der Verein „Theomobil“ zur Sendenhorster Erzählnacht eingeladen.

Neben Susanne Tiggemann waren Ragnhild Mörch aus Norwegen, Tormenta Jobarteh aus Afrika, Markus Hoffmeister und Thomas Hoffmeister-Höfener da, um die Gäste zum 20-Jährigen mit besonderen Geschichten zu unterhalten. Doch zunächst nutzten Markus Hoffmeister und Michael Hellrung vom Vorstand des Vereins „Theomobil“ die Gelegenheit, sich bei ihren zahlreichen Helfern zu bedanken. Ein besonderer Dank ging zudem an Thomas Hoffmeister-Höfener, der die Erzählnacht ins Leben gerufen hat.

Der erinnerte sich noch gut an den ersten Abend am 20. November 1998: „Wir waren so nervös, ob jemand kommt.“ Aber es seien dann doch „ein paar“ Gäste da gewesen. Im Laufe der Jahre hat sich die Erzählnacht etabliert. Die Veranstaltungen sind meistens ausverkauft. „Ihr habt die Sendenhorster Erzählnacht zu dem gemacht, was sie heute ist“, meinte der Erzählkünstler in Richtung Publikum, bevor das Programm begann. Gespickt mit Musik und Gesang erzählte Tormenta Jobarteh mit seiner Kora, einer westafrikanischen Harfenlaute, eine Geschichte über Geschenke, die von Herzen kommen oder auch mit Berechnung gemacht werden.

Susanne Tiggemann erzählte ein Märchen, das Thomas Hoffmeister-Höfener sich gewünscht hatte. „Ich liebe Märchen“, so die Erzählerin. „Und dieses hat alles, was ein Märchen braucht: ein ‚es war einmal‘, einen König oder Kaiser, eine Prinzessin und natürlich die Liebe.“ Noch ein bisschen Zauberei, und ein „Und wenn sie nicht gestorben sind“, und schon sei es ein Märchen. Gestenreich folgte eine Geschichte von der Tochter des chinesischen Kaisers, die nicht heiraten wollte. „Ich heirate den, der mir eine blaue Rose schenkt“, hatte sie sich eine schier unlösbare Aufgabe für ihre Verehrer ausgedacht – bis dann doch der „Richtige“ kam, und die Aufgabe plötzlich kein Problem mehr war.

Thomas Hoffmeister-Höfener selbst hatte eine Geschichte von dem etwas naiven Johannes, der in jungen Jahren sein Elternhaus verlässt, im Gepäck. Als er nach Jahren beschließt, wieder zurückzukehren, bekommt er als Dank für seine Lehrjahre einen Klumpen Gold von seinem Lehrmeister. Sein langer Weg zurück nach Hause, den Hoffmeister-Höfener detailliert, wortreich und mit einer unvergleichlichen Mimik beschrieb „... in einem Zeitloch gefangen“, ist voller Tauschgeschäfte. Am Ende des Wegs kehrt Johannes dann mit nichts, aber „mit leichtem Herzen“ nach Hause zurück. Weniger ist manchmal eben doch mehr.

Mit norwegischem Temperament und ausladenden Gesten erzählte Ragnhild Mörch die aberwitzige Geschichte von einem Königssohn, der eine schwierige Aufgabe bewältigen muss, damit seine Liebste ihn erhört. Und ebenso unterhaltsam ging es weiter. Gemeinsam mit Markus Hoffmeister ging das Publikum auf eine rhythmische Trommelreise „in den Busch“, fragte sich mit Tormenta Jobarteh, wie es sein kann, dass böse Menschen an die Macht kommen – „da braucht es schon mehr als eine geile Frisur“, und amüsierte sich köstlich über die schöne Jasmina, die es geschickt abwendete, geschändet zu werden.

Urkomisch gestaltete sich dann die neue Geschichte, die Susanne Tiggemann und Thomas Hoffmeister-Höfener spontan mit Hilfe der Wörter des Publikums erzählten. Die Gäste hatte riesigen Spaß dabei, zu hören, wie Worte wie Pfefferminztee, Liebesalarm, Duschhaube, Bart oder auch Sitzheizung zu einer etwas anderen Weihnachtsgeschichte verwoben wurden. Und auch den Erzählern selbst machte es sichtlich Vergnügen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen und zu sehen, wohin die Geschichte sie führt.

„Was ist eine Geschichte wert?“, war eine Frage, die im Laufe des Abends gestellt wurde. Und die Zuhörer spürten, dass Geschichten, wenn sie so kunstvoll erzählt werden, ein sehr wertvolles Geschenk sein können. So wurde im Laufe des Abend zahlreichen Wörtern Leben eingehaucht, die Gäste in verschiedene Welten entführt und ein ums andere Mal zum Schmunzeln gebracht.

Ein wahrlich unterhaltsamer 20. Geburtstag, an dem fünf Persönlichkeiten einen ungewöhnlichen, kurzweiligen Abend voller Lachen, Staunen und Poesie gestalteten.

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