Plattdeutsche Theatergruppe begeistert bei Premiere
Mit Pumps und viel Profil

Albersloh -

Die „ganzen Kerle“ meinen es gut mit den Menschen. Dem gleichnamigen Titel des neuen Theaterstücks machten die Schauspieler der plattdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins jedenfalls alle Ehre. Und Pumps, so wurde bei der Premiere deutlich, gibt es auch in Schuhgröße 47.

Dienstag, 04.12.2018, 06:00 Uhr aktualisiert: 07.12.2018, 17:04 Uhr
Um ein neues Gemeindehaus zu finanzieren, zeigen sich Heiner (Andreas Möllenkamp), Georg (Manni Röckmann), Manuel (Jens Bruland) und Paul (Konni Rauße, v.li.) von ihrer weiblichen Seite. Lore (Elke Große Perdekamp) unterstützt sie dabei.
Um ein neues Gemeindehaus zu finanzieren, zeigen sich Heiner (Andreas Möllenkamp), Georg (Manni Röckmann), Manuel (Jens Bruland) und Paul (Konni Rauße, v.li.) von ihrer weiblichen Seite. Lore (Elke Große Perdekamp) unterstützt sie dabei. Foto: Christiane Husmann

Dem Titel des Theaterstücks „Ganze Kerle“ machten die Schauspieler der plattdeutschen Theatergruppe des Heimatvereins alle Ehre. Dass sie dabei auch ihre weibliche Seite entdeckten, freute besonders die Zuschauer, denen bei der Premiere in der voll besetzten Wersehalle Unterhaltung vom Feinsten geboten wurde.

„Guoden Dag laiwe Lüe“, begrüßte Regisseurin Anne Vorderderfler das Publikum, das erwartungsvoll vor der Bühne Platz genommen hatte. Unter ihnen waren auch einige Ehrengäste, die sich das Schauspiel nicht entgehen lassen wollten. Dass sich das Kommen als kluge Entscheidung erweisen sollte, dafür sorgten auch die „Kinner ut Abschlau“, die mit ihrem Stück „Up’n Schoolhoff“ ein aktuelles Thema aufgriffen. Karla wird von ihren neuen Mitschülern gemoppt. Das sorgt für großen Frust. Nicht nur bei Karla, die auf Unterstützung hofft. Die Kinder hatten das Stück mit Hildegard Vierhaus eingeübt, die sich in der Folge bei Anne Vorderderfler für die Auswahl des brisanten Themas bedankte. Mit viel Applaus honorierten die Zuschauer die überzeugende Leistung der jungen Schauspieler.

Dann sollte sich der Vorhang für die „ganzen Kerle“ heben, die ihren Arbeitsalltag beim Paketlieferservice PLS fristen. Bei Georg, Heiner, Paul und Manuel handelt es sich um ganz „normale“ Typen, die auch in schwierigen Zeiten zusammenhalten und sich nebenbei für das Gemeinwohl stark machen.

So wollen sie 20 000 Euro für ein neues Gemeindehaus zusammenbringen. An diesem edlen Vorsatz ändert sich auch nichts, als Georg gekündigt wird. Statt Frust zu schieben, überlegen sie, wie das Geld aufgebracht werden kann. Basar oder Bankraub scheiden aus. Bleibt die Idee des smarten Manuel, der mit seinem zweiten Standbein tanzend unterwegs ist: „Wie maakt fö den Heimatvöein kin Basar, sünnern ne Wohltätigkeits-Travestie-Schau: PLS-Dääns“.

Die Kollegen haut es aus den Socken direkt in die Pumps. Nach kurzer Schockstarre besinnen sich die Männer und schreiten zur Tat. Dass es gar nicht so leicht ist, sich in Pumps – Größe 47 – elegant zu bewegen, muss besonders der nicht als zierlich zu bezeichnende Georg erfahren. „Wi wullen up kinnen Fall diene Schwangerschaftsgymnastik verpassen“, forzelt deshalb Paul, der sich noch in der Rolle von André Cavalier wähnt.

Heiner hingegen hat sich nicht nur optisch auf Helene Fischer eingeschossen und präsentiert sich „atemlos“ und ambitioniert. Doch wie aus Paketboten Showstars machen? Diese Frage ruft Heiners Schwester Lore auf den Plan, die versucht, den ungelenken Haufen zu disziplinieren.

 

Ein ehrgeiziges Ziel, das besonders den Männern viel abverlangt. So schmückt sich Heiner mit blondem Haar und Georg – alias Trude Herr – versucht, mit Äpfeln ein appetitliches Dekolleté zu zaubern. Dabei erweist sich insbesondere die Präsentation der blanken Beine als haarige Angelegenheit.

 

Immer die gute Sache im Blick, laufen die Männer mit Unterstützung von Lore zur Höchstform auf. Ob sie ihr Ziel erreichen? Finden die Männer ihr Glück? Verraten wird das hier nicht. Denn: „The Show must go on“, weiß auch Versandleiter Kording, der von seinen Mitarbeitern viel lernt.

Nach einem großen Finale wurde die Leistung der Schauspieler mit viel Applaus belohnt. Die Darsteller räumten dabei ein, dass sie sich kurz hatten überwinden müssen, in Frauenkleidern die Bühne zu betreten. Das Ergebnis und die gute Stimmung bei Ensemble und Publikum belohnten ihren Mut aber.

 

Ein großes Dankeschön richtete Anne Vorderderfler an Tina Hiller, Christiane Vorderderfler und Petra Leissner-Sager, die sich mit viel Kreativität an die Maske und Kostümierung der Schauspieler gemacht hatten.

„Und nicht zu vergessen ist der unermüdliche Einsatz der Choreografin Jana Pohl-Rengers“, meinte Anne Vorderderfler. Sie habe das Tanztalent der Schauspieler an die Oberfläche gebracht. Sebastian Sievers – alias Versandleiter Frank Korting – bedankte sich bei Anne Vorderderfler, die nicht nur die Stücke ins Plattdeutsche übersetzt, sondern auch die Gesamtleitung der Veranstaltung übernommen hatte.

► Weitere Vorstellungen finden am Mittwoch, 5. Dezember, um 15 Uhr, am Freitag, 7. Dezember, um 19.30 Uhr, am Samstag, 8. Dezember, um 19.30 Uhr und am Sonntag, 9. Dezember, um 15 Uhr statt.

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