Initiative der Bürger gegen den Lkw-Durchgangsverkehr
„Wem gehört das Dorf?“

Albersloh -

Hubertus Gärtner, Willi Berheide, Thomas Tombrink und Klaus Heumannskämper starten mit anderen eine große Unterschriftenaktion und weitere Initiativen gegen den Lkw-Durchgangsverkehr in Albersloh. Das Quartett will eine Antwort auf eine zentrale Frage erzwingen: „Wem gehört das Dorf? Den Lkw oder den Bürgern?

Freitag, 25.01.2019, 06:00 Uhr
Hubertus Gärtner, Willi Berheide und Klaus Heumannskämper starten mit anderen eine große Unterschriftenaktion und weitere Initiativen gegen den Lkw-Durchgangsverkehr in Albersloh.
Hubertus Gärtner, Willi Berheide und Klaus Heumannskämper starten mit anderen eine große Unterschriftenaktion und weitere Initiativen gegen den Lkw-Durchgangsverkehr in Albersloh. Foto: Josef Thesing

Vom Küchentisch aus geht der Blick in Richtung Bahnhofstraße und Alverskirchener Straße. Unter dem Fenster verläuft die Wolbecker Straße. Ein großer Bus fährt um die Kurve, und weil es so eng ist, muss der Baggerfahrer auf den Bürgersteig ausweichen, auf dem an diesem kalten Morgen kein Fußgänger unterwegs ist. Für Hubertus Gärtner , der an seinem Küchentisch sitzt, ist diese besondere Art des Albersloher Gegenverkehrs Alltag. „Wir erleben das hier jeden Tag am eigenen Leib.“

Mit am Tisch sitzen Willi Berheide , Thomas Tombrink und Klaus Heumannskämper. Den meisten Alberslohern sitzt, bildlich gesprochen, der Kragen wegen der Verkehrssituation im Dorf bereits seit vielen Jahren ziemlich eng. Den vier Männern und weiteren Mitstreitern wie Kurt Mersmann sowie Tobias Malsbender ist er nun geplatzt. „Wir haben uns gefragt, was wir machen müssen und was wir machen können, um endlich den überörtlichen Lkw-Durchgangsverkehr aus dem Dorf herauszubekommen“, erklärt Hubertus Gärtner.

Das Quartett will, „unabhängig von politischen Vorstößen und Betrachtungsweisen“, wie die Männer sagen, mit verschiedenen Initiativen eine Antwort auf die ihrer Meinung nach zentrale Frage erzwingen, die Klaus Heumannskämper für alle formuliert: „Wem gehört das Dorf – den durchfahrenden Lkw oder den Bürgern?“. Es gehe, sagt Hubertus Gärtner, um nichts weniger als um die Steigerung der Lebensqualität der Menschen in Albersloh.

Eine Reihe von Alberslohern, zu denen auch die vier Männer gehören, hat inzwischen bei der zuständigen Straßenverkehrsbehörde des Kreises Warendorf einen sogenannten „Antrag auf Schutzmaßnahmen“ nach Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung gestellt.

Die Antragsteller beziehen sich dabei unter anderem auf diesen Passus der Verordnung: „Die Straßenverkehrsbehörden können die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus Gründen der Sicherheit oder Ordnung des Verkehrs beschränken oder verbieten und den Verkehr umleiten.“ Außer Eingangsbestätigungen habe der Kreis aber noch nichts von sich hören lassen, erklären die Männer.

An diesem Wochenende startet zudem eine große Unterschriftenaktion. Dort wird gefordert, dass Albersloh für den Lkw-Durchfahrtsverkehr gesperrt wird. „Die Leute haben das jetzt endgültig satt“, sagt Thomas Tombrink.

Die Unterschriftenlisten liegen in allen Geschäften aus. „Alle machen mit“, freut sich Willi Berheide, der bereist spontan 80 Unterschriften eingesammelt habe. Auch in den Kitas können die Eltern unterschreiben. Zu dieser Aktion wird derzeit ein Flyer erstellt, der an alle Haushalte verteilt werden soll. Zudem wird – vor allem für jüngere Menschen – die Möglichkeit eingerichtet, sich online zu beteiligen.

Willi Berheide kennt die Sicht auf den Lkw-Verkehr im Dorf auch noch aus einer anderen Warte: als Kiepenkerl. „Wenn ich Besuchergruppen durch das Dorf führe, müssen wir uns immer irgendwohin verkriechen, damit wir uns überhaupt verstehen können. Für Menschen von außerhalb ist das hier fürchterlich.“

Es gab mal Zeiten, da saßen vor allem ältere Menschen vor den Häusern, um dem Treiben auf der Straße zuzusehen. „Das geht in Albersloh schon lange nicht mehr“, meint Klaus Heumannskämper. „Die Menschen hier brauchen wieder mehr öffentlichen Raum für sich.“

Dass das Dorf – wie gestern berichtet – demnächst wegen der Bauarbeiten für Lkw gesperrt wird, sieht Willi Berheide als große Chance zu beweisen, dass es für die Brummifahrer gute Alternativen zum Ortskern von Albersloh gibt. „Natürlich richtet sich unsere Initiative nicht gegen den Anlieferverkehr“, fügt er an.

► Am übernächsten Samstag, 2. Februar, sind die Initiatoren mit einem Infostand vor dem Lebensmittelmarkt präsent. Dort wollen sie Fragen beantworten, diskutieren – und natürlich Unterschriften sammeln.

►Auch online kann die Unterschriftensammlung unterstützt werden unter dem Link: www.openpetition.de/!albersloh 

 

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