Mein erstes Auto: die BMW Isetta
Eine „Knutschkugel“ in Babyblau

Sendenhorst -

Babyblau war die kleine „Knutschkugel“, wie die BMW Isetta unter anderem liebevoll genannt wurde. Und mit ihr ging Werner Dufhues nicht nur auf große Fahrt durch Euro. Sondern später nutzte er den Kleinwagen auch zum Transport von Baumaterialien für sein Einfamilienhaus.

Dienstag, 05.02.2019, 17:00 Uhr
Mein erstes Auto: die BMW Isetta: Eine „Knutschkugel“ in Babyblau
Foto: Josef Thesing

Babyblau: Diese Farbe ist heute nur noch selten bei Autos zu sehen. Doch bei der BMW Isetta gehörte sie zum Standard-Farbenprogramm. Und irgendwie passte sie auch zum ersten Auto von Werner Dufhues . Im Vergleich zu dem, was heute so auf den Straßen herumgefahren wird, war die Isetta ein echtes Baby: 13 Pferdestärken, 298 Kubikzentimeter Hubraum, 85 Stundenkilometer Spitze und eine durchgehende Sitzbank von 1,10 Meter. Eingestiegen wurde vorne, indem einfach die ganze Front zur Seite geklappt wurde.

Das alles ist natürlich lange her. Abgemeldet hat Werner Dufhues das Auto mit dem Kennzeichen BE-JN 89 vor fast 50 Jahren im September 1969. So ist es in der Bestätigung der damaligen Amtsverwaltung Sendenhorst vermerkt. Das Papier hat der ehemalige Bürgermeister der Stadt Sendenhorst ebenso bis heute aufbewahrt wie ein Modell „seiner“ Isetta, an dem er gerne die Funktionsweise des Autos zeigt, das von 1955 bis 1962 von BMW gebaut wurde und in dieser Zeit zu den meistverkauften Pkw in Deutschland gehörte.

Seinen Führerschein hat Werner Dufhues mit 19 Jahren 1962 bei der Albersloher Fahrschule Bils gemacht. „Der kostete damals 243 Mark“, erzählt Dufhues. Und dann sollte natürlich ein preiswertes Auto her. Da kam 1963 sein Onkel ins Spiel. Der brauchte nach der Geburt des ersten Kindes etwas Größeres, und so ging die Isetta für 1100 Mark – der Neupreis lag bei 2650 Mark plus 45 Mark zusätzlich für eine Heizung – in den Besitz von Werner Dufhues über. Das erste Kind war übrigens auch der Grund, warum Dufhues das Auto von 50 Jahren abgemeldet hat. „Am Anfang fuhr unsere Tochter noch auf der hinteren Ablage mit. Doch das ging dann nicht mehr“, erzählt er.

Sechs Jahre lang hat Werner Dufhues die „Knutschkugel“, bei der der Einzylinder-Viertakter rechts quer hinter der Sitzbank eingebaut war, gefahren. „Ohne jede Panne“, blickt er zurück. Und das längst nicht nur zur Verwaltungsschule in Münster. Sondern trotz der nur 13 PS mit seinem damaligen Freund August Kötter und dem Zelt auch auf große Urlaubsfahrten. 1964 ging es zwei Wochen lang und 1800 Kilometer weit durch die Benelux-Länder, Amsterdam, Antwerpen, Brüssel und Luxemburg inklusive. Ein Jahr später fuhr das Team – ebenfalls in zwei Wochen – mit der kleinen Isetta an die Nord- und Ostsee.

Natürlich brauchten die beiden jungen Männer dafür auch ein wenig Gepäck, das nicht nur auf dem Gepäckträger hinten, sondern auch auf der Innenablage Platz finden musste. Und bei der Tour nach Norden war das ein bisschen üppig ausgefallen, was die Polizei auf der Autobahn zwischen Hamburg und Lübeck auf den Plan rief. Der Blick durch den Innenspiegel – neben diesem gab es nur noch einen linken Außenspiegel – war verbaut. „Ich musste fünf Mark Strafe bezahlen“, erzählt Dufhues.

Das Auto war klein – und auch leicht. Das hatte auch seine Vorteile. Zum Beispiel, als Werner Dufhues und sein damaliger Rathauskollege Rudolf Bartmann 1964 bei nasser Straße auf den Weg zur Schule nach Münster waren. Beim kleinen Anstieg in der Bauerschaft Alst drehten die Räder durch. „Da sind wir durch die Fronttür ausgestiegen und haben die Isetta kurzerhand bis zum Scheitelpunkt geschoben“, erzählt Dufhues.

Selbst als Baufahrzeug leistete die Isetta gute Dienste, erzählt Werner Dufhues. Beim Bau des Hauses am Teigelkamp im Jahr 1968 wurde Material gefahren. Der Baum für den Garten ragte halt durch das geöffnete Faltdach in die Höhe.

Dann war die Zeit der Isetta im Hause Dufhues vorbei, und aus Kostengründen – Hausbau – gab’s erstmal kein Auto. Heute fährt Werner Dufhues wieder einen BMW. „Die Parkplatzsuche war damals aber wesentlich einfacher“, blickt er zurück.

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