„GUGL“-Prozess geht mit Bürgerwerkstätten weiter
Wie kann Altern in der Stadt gelingen?

Sendenhorst -

Der „GUGL“-Prozess geht in die nächste Runde. Nachdem die Wissenschaftler 2000 Fragebögen ausgewertet haben, starten nun die sogenannten Bürgerwerkstätten.

Sonntag, 28.04.2019, 06:00 Uhr
Auf Initiative der „Heinrich-und-Rita-Laumann-Stiftung“ führte Prof. Dr. Mirko Sporket (4.v.r.) mit Studierenden in Sendenhorst und Albersloh und mit Unterstützung der Stadt eine Bürgerbefragung durch. Jetzt liegen die ersten Daten daraus vor, die in Bürgerwerkstätten als Diskussionsgrundlage dienen sollen.  
Auf Initiative der „Heinrich-und-Rita-Laumann-Stiftung“ führte Prof. Dr. Mirko Sporket (4.v.r.) mit Studierenden in Sendenhorst und Albersloh und mit Unterstützung der Stadt eine Bürgerbefragung durch. Jetzt liegen die ersten Daten daraus vor, die in Bürgerwerkstätten als Diskussionsgrundlage dienen sollen.   Foto: Annette Metz

Die ersten Ergebnisse der „GUGL“-Bürgerbefragung liegen auf dem Tisch und sollen nun die Grundlage bilden für vier Bürgerwerkstätten, in denen darüber diskutiert werden soll, wie es gelingen kann, „gut und gemeinsam zu leben in Sendenhorst“ (GUGL).

Den Auftrag zu dieser Bürgerbefragung hatte die Heinrich-und-Rita-Laumann-Stiftung an die FH Münster vergeben. Professor Dr. Mirko Sporket hatte gemeinsam mit einer Gruppe Studierender und in Kooperation mit der Stadt Sendenhorst einen umfangreichen Fragebogen mit 50 Fragen erarbeitet, der von Ende Januar bis Ende Februar an alle etwa 6500 Haushalte in Sendenhorst und Albersloh in doppelter Ausführung verschickt worden war.

Bis Ende Februar lagen schließlich rund 2000 Fragebögen zur Auswertung vor, von denen schließlich 1600 nach einer Fehlerbereinigung verwendet werden konnten, berichtet Prof. Dr. Mirko Sporket.

Altersspanne zwischen 18 und 97 Jahren

Die Altersspanne der Teilnehmer umfasst 18 bis 97-Jährige, wobei die Gruppe der Teilnehmer, die 85 Jahre und älter ist, mit 3,1 Prozent zwar klein ausfalle, aber doch den Erfahrungswerten entspreche. 34,8 Prozent der Teilnehmer entstammen der Altersgruppe 50 bis 65 Jahre, 31 Prozent der Gruppe der 65 bis 85-Jährigen, 23,7 Prozent seien zwischen 30 und 50 Jahren alt und 7,4 Prozent unter 30 Jahren alt gewesen.

Es gibt hier offenbar gute Nachbarschaften und eine gute Unterstützungskultur.

Professor Dr. Mirko Sporket

Aus der Auswertung heraus haben sich für die bevorstehenden Bürgerwerkstätten (siehe Infokästen) sechs Themenbereiche ergeben, die nun mit Bürgern weiter durchdacht und entwickelt werden sollen. Interessante Details habe die Befragung hervorgebracht, erläuterte Mirko Sporket. So sei beispielsweise aufgefallen, dass im Vergleich mit anderen Untersuchungen der Wunsch, bei Pflegebedürftigkeit in der eigenen Wohnung bleiben zu können (43 Prozent), in Sendenhorst und Albersloh geringer als erwartet ausfalle. „Das lässt wohl auch darauf schließen, dass andere Wohnformen vor Ort gut angenommen werden“, zog er einen möglichen Schluss. Außerdem hätten 21 Prozent angegeben, dass sie sich vorstellen können, sich von Nachbarn helfen zu lassen. „Es gibt hier offenbar gute Nachbarschaften und eine gute Unterstützungskultur“, fasste Sporket die Erkenntnisse zusammen. Dennoch sei es wichtig, zu überlegen, welche Strukturen noch weiter entwickelt werden können.

Viel freiwilliges Engagement

Im Bereich „Freiwilliges Engagement“ sei ebenfalls schon ein positives Bild entstanden, führte der Fachmann aus. 30 Prozent der Befragten hätten angegeben, ehrenamtlich aktiv zu sein, viele in den Bereichen Kirche, Sport oder Feuerwehr. „Das bürgerschaftliche Engagement ist eine große Ressource für eine Kommune“, meinte Sporket, doch gebe es sicher auch in diesem Bereich noch Potenzial.

Beachtung sollte nach Meinung von Professor Dr. Sporket auch ein latent vorhandenes sogenanntes Einsamkeitsrisiko finden. Immerhin acht Prozent beantworteten die Frage, ob sie sich häufig einsam fühlen, positiv. „Das ist beachtlich“, so der Soziologe. Hinzu kämen 17 Prozent, die diese Frage unentschlossen beantwortet hätten. „Einsamkeit kann auch zu einem gesundheitlichen Problem werden. Es sollte überlegt werden, wie diese Menschen integriert werden können“, meinte Sporket.

Verschiedene Themenschwerpunkte

Diese und weitere Details liegen nun also auf dem Tisch. „Die nun folgenden Bürgerwerkstätten mit den verschiedenen Themenschwerpunkten werden sehr wichtig sein“, blickte auch Bürgermeister Berthold Streffing auf den weiteren Prozess. Auch die Stadt beschäftige sich mit vielen Fragen der Demografie, so Streffing und betonte, dass sich die Verwaltung nun weitere Vertiefungen durch die und auch nach den Bürgerwerkstätten erhoffe.

Die Werkstätten werden nach der Workshop-Methode „World-Café“ organisiert werden. Es werden Thementische eingerichtet, an denen jeweils ein Moderator als „Gastgeber“ fungiert und die Diskussion leitet. So könnten alle Themen gleichzeitig diskutiert werden, und in konstruktiven Gesprächen könnten Ideen und Ansätze entwickelt werden, die übrigens auf einer vorhandenen „Tischdecke“ notiert werden können, führte Sporket aus.

Mit der Begleitung der Werkstätten und der Dokumentation der Ergebnisse ist das Projekt für die Fachhochschule nun zunächst abgeschlossen, erklärte Professor Sporket. „Unser Angebot ist aber, dass wir mit dem Wintersemester, also ab Oktober, das Projekt wieder aufnehmen und die Organisation von überschaubaren Teilprojekten begleiten“, so der Wissenschaftler.

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