Diskussionsabend über eine mögliche Verbreiterung der Kurve an der Kirche
„Jetzt ist der falsche Zeitpunkt“

Albersloh -

Überfülltes Haus in der Verwaltungsnebenstelle: Zahlreiche Albersloher nahmen an der Diskussion über die mögliche Aufweitung der Kurve an der Kirche teil. Und die, die gekommen waren, waren sich weitgehend einig: Jetzt sei der falsche Zeitpunkt für eine solche Maßnahme.

Mittwoch, 01.05.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 03.05.2019, 14:26 Uhr
Volles Haus in der Verwaltungsnebenstelle. Bürgermeister Berthold Streffing (hinten, Mi.) stellte die Sicht der Stadtverwaltung zu einer möglichen Verbreiterung der Straße dar.
Volles Haus in der Verwaltungsnebenstelle. Bürgermeister Berthold Streffing (hinten, Mi.) stellte die Sicht der Stadtverwaltung zu einer möglichen Verbreiterung der Straße dar. Foto: Christiane Husmann

Das Trauzimmer nebst Vorraum drohte am Montagabend aus allen Nähten zu platzen. Viele Bürger, Bürgermeister Berthold Streffing , Ortsvorsteher Sebastian Sievers und Wolfgang Huth von der Stadtverwaltung waren genau wie Christiane Seitz-Dahlkamp und Josef Lammerding als Vertreter der Politik der kurzfristigen Einladung der BfA gefolgt, die anlässlich der Debatte um eine Verbreiterung der Kurve am Kirchplatz Raum zum Meinungsaustausch bieten wollte.

Dass kein Vertreter des Kirchenvorstands gekommen war, um zum Thema Stellung zu nehmen, wurde indes mehrheitlich als „schade“ empfunden.

Problem nicht nur an der Kirche

„Ich war entsetzt, als ich gehört habe, dass der Landrat an die Kirche herangetreten ist, um die Straße für den Schwerlastverkehr zu verbreitern und frei zu machen“, machte Ulrich Menke als BfA-Vorsitzender deutlich. „Wir glauben nicht, dass das zu mehr Sicherheit führt, sondern im Gegenteil dazu, dass der Schwerlastverkehr nur schneller in die Kurve fährt. Wir halten das für eine Fehlentscheidung“, meinte er.

Und das Problem betreffe ja nicht nur den Bereich an der Kirche, sondern viele weitere Stellen, die zeigten, dass der Schwerlastverkehr für das Dorf untragbar und gefährlich sei. „Diese Erleichterung führt außerdem nicht dazu, dass der Druck dahingehend, eine Umgehungsstraße zu bauen, erhöht wird“, meinte Menke.

In der Resolution haben wir klar gemacht, dass wir hier weiter Quellverkehr haben werden. Wenn ich diesen Verkehr habe, muss ich mich darum kümmern, dass ich ihn sicher leite.

Bürgermeister Berthold Streffing

„In der Resolution haben wir klar gemacht, dass wir hier weiter Quellverkehr haben werden. Wenn ich diesen Verkehr habe, muss ich mich darum kümmern, dass ich ihn sicher leite“, meinte Berthold Streffing und betonte, dass eine mögliche Verbreiterung der Kurve nur „einer von vielen Bausteinen“ sei, der für mehr Verkehrssicherheit sorgen solle.

„Wie kann es denn dann sein, dass an der Sendenhorster Straße der Bau von Häusern genehmigt wird, die die Sicht nehmen und als neue Engstellen für weitere, doch eigentlich abzustellende, Gefährdungen sorgen?“ empörte sich ein Anlieger der Sendenhorster Straße, der für seine Frage Applaus erhielt.

Skepsis überwiegt

In der Folge wurde der Initiative „Stoppt den Lkw-Verkehr in Albersloh“ das Wort erteilt. „Wir sind sehr, sehr skeptisch und lehnen den Vorschlag einer Verbreiterung der Straße ab. Das würde nur mehr Begegnungsverkehr ermöglichen“, meinte Hubertus Gärtner. Gelinde gesagt „überrascht“ zeigte sich Willi Berheide von der Informationspolitik zum Thema Straßenerweiterung: „Ich werde zu einem Informationsgespräch eingeladen und bin um so überraschter, dort Mitglieder vom Kirchenvorstand mit fertigen Plänen sitzen zu sehen.“ Zum Thema drängten sich ihm weitere Fragen auf – beispielsweise zum Kirchplatz als Begräbnisstätte: „Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Toten um? Wie bewertet man das sittlich und moralisch?“ Diese Frage solle doch bitte auch Berücksichtigung finden. Gleichzeitig appellierte er an die Albersloher Bürger, weiter gemeinsam für mehr Lebensqualität im Dorf einzustehen und sich nicht spalten zu lassen, wie es beinahe durch die Verbreitung unterschiedlicher Nachrichten in den „Sozialen Medien“ geschehen sei.

Dass die Pläne zu einer Verbreiterung der Straße zu einem ungünstigen Zeitpunkt aufgetischt worden seien, war die einhellige Meinung der Versammlung. „Es ist eine Aktion zur absolut falschen Zeit“, meinte auch Christiane Seitz-Dahlkamp (SPD). „Was mich noch an dieser Situation stört, ist, dass schon fertige Pläne vorgelegt werden“, ärgerte sich Michael Thale. Solche Entscheidungen sollten bitte nicht mit nur einigen Leuten im stillen Kämmerlein getroffen werden, befand er.

„Das ist vielleicht wirklich der falsche Zeitpunkt“, befand auch Sebastian Sievers (CDU). „Man sollte erst einmal prüfen, was passiert, wenn die Lkw während der Bauphase um Albersloh herumgeführt werden“, meinte der Ortsvorsteher, der von den Plänen einer „Schleppkurve“ berichtete, die nicht für Pkw, sondern lediglich für Lkw nutzbar sein solle, um gefährliche Rangiervorgänge zu vermeiden.

„Man kann hier mit dem Lkw rum – die dürften hier nur nicht so heizen“, warf Olga Oel ein und fasste zusammen: „Wir wollen unseren schönen Ortskern erhalten.“

Mit dem Fazit: „Zum jetzigen Zeitpunkt Fakten zu schaffen, halten wir für falsch“, läutete Ulrich Menke das Ende einer lebhaften und sachlichen Diskussion ein, bei der viele Meinungen dargelegt werden konnten. „Ich nehme dieses Meinungsbild mit“, versprach Bürgermeister Berthold Streffing. Weiter machte er deutlich: „Ich unterstütze die Stadt und die Politik bei der Voranbringung der verkehrsverbessernden Maßnahmen“, und befand mit Blick auf die Kirchenvorstandssitzung am 8. Mai: „Es ist keine Eile, Gelände abzugeben.“

Mehr Verkehrssicherheit

Die Stadtverwaltung ist der Auffassung, dass eine Verbreiterung der Kurve die Verkehrssicherheit für alle erhöht, Rangieren vermeidet und lange Staus verhindert, erklärte Berthold Streffing am Dienstagmorgen im Gespräch mit den WN. „Der Ziel- und Quellverkehr sowie die Landwirte müssen dorther.“ Dabei gehe es nicht darum, den Druck für ein Lkw-Durchfahrtsverbot zu mindern. „Im Gegenteil“, erklärte Streffing. 

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