Fehlender Durchfahrtsverkehr beschert einigen Geschäften deutlich weniger Kunden
Baustelle lässt Umsatz schrumpfen

Albersloh -

Die Großbaustelle im Dorf macht den Albersloher Geschäftsleuten zu schaffen. Denn es fehlen viele Kunden, die mal eben auf der Durchfahrt vorbeischauen. Auch das An- und Ausliefern ist bei dem einen oder anderen schwierig geworden. Nun hoffen alle, dass es auf der Baustelle möglichst zügig vorangeht.

Samstag, 01.06.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 07.06.2019, 15:12 Uhr
An der Kasse im Supermarkt (u. li.) findet Carina Strauß: „Es ist tendenziell weniger los.“
An der Kasse im Supermarkt (u. li.) findet Carina Strauß: „Es ist tendenziell weniger los.“ Foto: Christiane Husmann

Das Resümee, das die Albersloher Kaufleute drei Wochen nach Beginn der Bauarbeiten im Dorf ziehen, kann man wohl nicht über einen Kamm scheren. Während einige unter massiven Umsatzeinbußen leiden, haben sich andere einigermaßen mit den aktuellen Bauarbeiten arrangieren können. Worin sie sich aber alle einig sind: „Hoffentlich wird die Baustelle schnell fertiggestellt.“

Ich bin gleich von zwei Baustellen eingeschlossen.

Halil Cemenci

Beim „Friesör“ an der Bergstraße kümmert sich Sandra D’Ambros gerade darum, der Kundschaft einen schicken Haarputz zu verpassen. Sie sagt: „Die meisten Kunden finden mittlerweile wieder den Weg hierher.“ So auch Barbara und Manfred Winde, die regelmäßig aus Rinkerode zum Haareschneiden kommen. „Wir kennen uns hier gut aus. Wir haben vorher in Albersloh gewohnt“, sagen sie, während Friseurin Elena Levin die Wegweisung zum Salon als „ungünstig“ bezeichnet.

Im „Dorfgrill“ nimmt Nurhan Cimenci (o.li.) Bestellungen auf und hofft auf das Verständnis der Kundschaft.

Im „Dorfgrill“ nimmt Nurhan Cimenci (o.li.) Bestellungen auf und hofft auf das Verständnis der Kundschaft. Foto: Christiane Husmann

Sie moniert, dass laut Beschilderung der Salon am besten fußläufig zu erreichen sei, während die Tischlerei und der benachbarte Bäcker mit dem Auto angefahren werden könnten. In einem Punkt scheint sich die Belegschaft im Salon einig: „Schön, dass die Lkw nicht mehr durchs Dorf fahren.“ Ihr Vorschlag: „Es wäre doch gut, wenn die Umleitung für Lkw bleibt und nur die Busse und Pkw durchs Dorf fahren.“

Der Durchgangsverkehr fehlt

Beim Bäcker gegenüber ist die Stimmung deutlich gedämpfter. Hannelore Abelmann und Monika Hölscher sagen: „Es kommen wesentlich weniger Kunden ins Geschäft – der Durchgangsverkehr fehlt.“ Zwar käme die Stammkundschaft nach wie vor, „doch die, die zur Arbeit fahren und sich schnell ein Brötchen kaufen, fehlen.“ Ausnahme sei ein Kunde mit MS-Kennzeichen am Auto, der sogar den Umweg in Kauf nähme, um bei seinem Stammbäcker einzukaufen. Das freut Monika Hölscher zwar, sie sagt aber: „Wir merken deutlich, dass wir hier eine Einbahnstraßensituation haben.“

Der Bäckerei Abelmann (o.re.) fehlt der Durchgangsverkehr. Das merken Monika Hölscher (l.) und Hannelore Abelmann.

Der Bäckerei Abelmann (o.re.) fehlt der Durchgangsverkehr. Das merken Monika Hölscher (l.) und Hannelore Abelmann. Foto: Christiane Husmann

Drastische Worte findet Halil Cemenci vom „Dorfgrill“: „Das ist Mist.“ Der Imbissbetreiber an der Sendenhorster Straße ärgert sich: „Ich bin gleich von zwei Baustellen eingeschlossen.“ Die Laufkundschaft käme kaum bis in sein Geschäft, und die Anlieferung funktioniere nur mäßig. Auf die Geschäftssituation angesprochen sagt seine Frau Nurhan Cemenci: „Frag nicht! Auch die Auslieferung ist schwierig.“

Auch in der Fleischerei Meier ist die Großbaustelle ständig ein Thema.

Auch in der Fleischerei Meier ist die Großbaustelle ständig ein Thema. Foto: Christiane Husmann

An verschiedenen Stellen im Dorf haben die Imbissbetreiber Autos geparkt, um möglichst schnell die Kundschaft erreichen zu können. „Die Kunden wundern sich, dass sie aktuell etwas länger auf ihr Essen warten müssen. Das versuchen wir ihnen immer zu erklären“, sagt Halil Cemenci und hofft auf das Verständnis der bestellenden Kundschaft.

Fast wie immer ist in der Fleischerei Meier. Während Lea Rüdiger und Elke Bövingloh Ware abwiegen, findet Kundin Margarete Sidon, dass auf dem Teckelschlaut der Verkehr nicht nur mehr, sondern auch schneller und rücksichtsloser geworden ist. „Wenn ich meinen Sohn Theo aus der Kita hole, fahren hier die Autos gefühlt oft viel zu schnell.“ Dass auf dem Teckelschlaut derzeit „geheizt“ wird, finden auch die Verkäuferinnen beim täglichen Blick durchs Schaufenster.

Weniger Kundschaft im Geschäft

Im Supermarkt jobbt Carina Strauß an der Kasse. „Ich bin ja nicht immer hier, aber man merkt schon an der Menge der Bestellungen, dass weniger Kundschaft kommt.“ Als „tendenziell weniger“ beschreibt sie das Kundenaufkommen. „Ich habe da keine Zahlenmacht, aber man merkt, dass der Berufsverkehr fehlt.“

Während die Stadt darum bemüht ist, dass die notwendige Baustelle möglichst schnell und reibungslos abgewickelt wird, ächzen einige Geschäftsleute augenscheinlich unter ihr. Für alle Beteiligten ist das wohl eine schwierige Zeit, die es irgendwie zu überbrücken gilt. Das ist auch den zuständigen Ansprechpartnern der Stadt Sendenhorst bewusst. Während sich Annette Görlich von der Wirtschaftsförderung darum bemüht, den Kaufleuten zur Seite zu stehen, ist Klaus Neuhaus damit befasst, die Baustelle zu betreuen.

► Wer Fragen zum Baustellenverlauf hat, kann sich zudem immer donnerstags von 9 bis 10 Uhr im „Baustellenbüro“ im ehemaligen Gasthaus „Kramer“ an der Bergstraße 2 ausführlich informieren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6654812?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F190%2F
Priester wehrt sich gegen Ausbeutung in der Fleischindustrie
 Fleischfabriken in der Kritik: Die Arbeitsbedingungen sind dort nicht immer menschenwürdig. Fleischfabriken in der Kritik:Die Arbeitsbedingungen sind dort nicht immer menschenwürdig. imagoimages
Nachrichten-Ticker