Buchautor Bruno Plaschke feiert seinen 90. Geburtstag
Ein Leben ohne Jugend

Sendenhorst -

Als Junge hat Bruno Plaschke viel erlebt, unter anderem zehn Jahre Arbeitslager. Das hat er auch in einem Buch aufgeschrieben. Heute wird der Sendenhorster 90 Jahre alt.

Donnerstag, 27.06.2019, 06:00 Uhr
Bruno Plaschke, der ein Buch über seine Jugend im Straflager geschrieben hat, feiert heute seinen 90. Geburtstag.
Bruno Plaschke, der ein Buch über seine Jugend im Straflager geschrieben hat, feiert heute seinen 90. Geburtstag. Foto: Anke Weiland

Bruno Plaschke ist ein fröhlicher Mensch. Das ist in den vergangenen Jahren vor allem immer dann deutlich geworden, wenn er aus seinem Leben erzählt und vorgelesen hat. Und da ist, mit Blick auf seine Jugend, die Fröhlichkeit ganz gewiss nicht selbstverständlich. Unter Hitler noch als „Werwolf“ gedrillt, 1945 als 15-Jähriger von den Sowjets zu zehn Jahren Straflager verurteilt und häufig dem Tode nah: Das ist der selbst erlebte Stoff seines Buches „Pazan. Geraubte Jugend im Gulag 1945-1954“. Heute wird der Sendenhorster Buchautor 90 Jahre alt.

Mit 15 Jahren verhaftet

Bruno Plaschke wurde 1929 in Schlesien geboren, mit 15 Jahren in seiner Heimatstadt Mittelwalde verhaftet und anschließend zu zehn Jahren Zwangsarbeitslager verurteilt.

Aufgewachsen in der Zeit des Nationalsozialismus, war Bruno Plaschke zunächst ein begeisterter Hitlerjunge, der damals noch nicht wusste, wozu dies führen würde. Er ließ sich zu einem „Werwolf“ ausbilden. „Werwölfe“ sollten durch Untergrundkampf auf deutschem Boden und gezielte Sabotageakte in den rückwärtigen Gebieten der Alliierten die Wehrmachtsverbände an der Front entlasten und Kollaboration mit dem Feind durch Anschläge verhindern. Bruno Plaschke war aber nie im Einsatz.

Zehn Jahre Arbeitslager in Sibirien

Doch nach Kriegsende, am 3. Juni 1945, änderte sich sein Leben komplett. An einem ganz normalen Arbeitstag kam er nach Hause und fand in seinem Zimmer vier sowjetische Offiziere vor, die zu ihm sagen: „Komm!“. Ihm blieben fünf Minuten, um sich von seinen Eltern zu verabschieden und seine Tasche zu packen. Anschließend wurde er von den Offizieren in einer Villa in Mittelwalde verhört.

Danach landete er am 5. Juni im Gefängnis. Er kam nach Sosnowitz und wurde dort an seinem 16. Geburtstag zu zehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt.

Begründung: Seine Zugehörigkeit zur Hitlerjugend und zum Volkssturm. Im August 1945 wurde er in einem zehntägigen Transport mit 1500 weiteren Verurteilten nach Lemberg ins ehemalige Judenghetto gebracht.

Temperaturen von bis zu minus 63 Grad

Ein Jahr später folgte die große Etappe von Lemberg über Moskau nach Kansk, eine Wegstrecke von 7000 Kilometern. Kansk war für Bruno Plaschke fast noch „eine Art Insel und Erholungsort“ im Vergleich zu den darauffolgenden Zwangslagern des Gulag auf der Taischeter Eisenbahntrasse, hat er bei Lesungen und Erzählungen immer wieder gesagt. Diese Lager in Sibirien waren für Plaschke die Hölle. Bei Temperaturen von bis zu minus 63 Grad war er verpflichtet, Schwerstarbeit zu leisten, unter anderem Erdarbeiten, Arbeit im Steinbruch, Holzfällen und verladen.

Hinzu kamen der immerwährende Hunger, die Hoffnungslosigkeit und die Angst vor dem Tod: Nur ein falscher Schritt und man wurde erschossen.

„Aufgrund dieser schrecklichen Bedingungen“, sagt er, „ist man als Gefangener kein richtiger Mensch mehr, weil man der Freiheit völlig beraubt ist“.

Ein Großteil seiner Kameraden starb bereits in Lemberg oder später in Sibirien. Bruno Plaschke hatte viel Glück im Unglück, denn am 27. Juni 1953 begann für ihn die große Reise nach Deutschland – zurück in die Freiheit. Dort sah er im Januar 1954 endlich seinen Vater und seine Geschwister wieder. Danach begann der glückliche Teil seines Lebens.

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