Nach 20 Jahren endet „Tschernobyl-Aktion“
„Aber die Freundschaft bleibt bestehen“

Albersloh -

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl liegt 33 Jahre zurück. „Die Kinder kommen in unsere Gemeinde, um ihr Immunsystem innerhalb von nur drei Wochen nachweislich zu stärken und einige unbeschwerte und sicher unvergessliche Wochen zu verbringen“, erklärt Ludger Breul von der Tschernobyl-Aktion. Doch damit ist jetzt Schluss.

Sonntag, 21.07.2019, 18:43 Uhr aktualisiert: 24.07.2019, 12:32 Uhr
Zum Gruppenfoto mit den Kindern aus Weißrussland stellten sich viele der Leute auf, die die Tschernobyl-Aktion auch in diesem Jahr unterstützten.
Zum Gruppenfoto mit den Kindern aus Weißrussland stellten sich viele der Leute auf, die die Tschernobyl-Aktion auch in diesem Jahr unterstützten. Foto: Ludger Breul

Die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl liegt 33 Jahre zurück. „Die Kinder aus Weißrussland leiden noch immer unter der Katastrophe von 1986“, erläuterte Ludger Breul von der Tschernobyl-Aktion anlässlich des traditionellen Bergfests auf dem Hof Budde . „Die Kinder kommen in unsere Gemeinde, um ihr Immunsystem innerhalb von nur drei Wochen nachweislich zu stärken und einige unbeschwerte und sicher unvergessliche Wochen zu verbringen“, ergänzte er. Doch damit ist jetzt Schluss.

Mit einer gehörigen Portion Wehmut hatte die Initiative beschlossen, die Aktion aufgrund fehlender Nachfolger in diesem Jahr ein letztes Mal anzubieten. „Wir haben leider niemanden gefunden, der übernehmen will“, erklärte Teamsprecherin Barbara Jeiler, die zum Freundeskreis gehört, der sich vor fünf Jahren bereit erklärt hatte, die Aktion „Kinder aus Weißrussland“ weiterzuführen. Zuvor hatten sich Christa Budde, Maria Naber, Elisabeth Watermann, Josef Osterkamp und Maria Lütke Harmann engagiert. „Josef Osterkamp ist damals auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich nicht übernehmen könnte“, erinnert sich Barbara Jeiler, die damals gesagt habe: „Ich mache das nur, wenn ich das nicht alleine machen muss.“ Agnes Hennenberg-Schütte, Bernhard Hennenberg, Elfriede und Karl Witte, Marianne Fittkau-Breul und Ludger Breul, Maria Naber, Angelika Westerwaldesloh sowie Theo Jeiler mussten sich nicht lange bitten lassen und gründeten mit Barbara Jeiler ein neues Team, das die Aktion am Leben hielt.

„Über 240 Kinder haben über die Jahre bei uns ihre Ferien verbringen können“, wusste Ludger Breul zu berichten. Von großer Bedeutung sei für die Initiatoren auch der völkerverbindende und Frieden bewahrende Ansatz des Projekts, das viele historisch gewachsene Ressentiments der Menschen in Weißrussland gegenüber Deutschland zumindest relativiert habe. „Viele Freundschaften sind zwischen den Menschen der weißrussischen Orte und den Menschen hier vor Ort entstanden und werden weiter gepflegt“, konnte Ludger Breul berichten.

Von Freundschaft wusste auch Tamara Prykhodzka zu berichten: „Durch Besuche der Albersloher in Belarus ist die Fahrt nach Deutschland für die Kinder nicht wie die Fahrt in ein anderes Land, sondern in das Land, in dem sie einige Menschen schon kennen.“ Das habe eine Atmosphäre des Vertrauens und der Freundschaft geschaffen und geholfen, Sprachbarrieren zu überwinden. „Die Kinder haben eine unvergessliche Zeit in Deutschland“, meinte die Dolmetscherin, die die Jungen und Mädchen seit mehreren Jahren nach Albersloh begleitet. In diesem Jahr wird sie von Ema Schulowa unterstützt. „Es wäre natürlich ohne erfahrenes Organisationsteam, zahlreiche Sponsoren und Unterstützung der Gemeinde nicht möglich, immer wieder ein tolles Programm für die Kinder auf die Beine zu stellen“, befand Tamara Prykhodzka und bedankte sich im Namen der Eltern der Kinder und der Tschernobyl-Aktion in Belarus: „Die Kinder vergessen nie den schönen Aufenthalt im Münsterland – das bleibt ein Leben lang als helle Spur im Gedächtnis der Kinder.“

Im Verlauf des Abends durften sich noch viele Gäste, die sich für die Tschernobyl-Aktion stark machten, über Blumen und Präsente freuen. Auch die Gastgeber. Auf dem Hof der Familie Budde fand zum 20. Mal das Bergfest statt. Ein großes Dankeschön sprach Finanzwart Karl Witte verschiedenen Gönnern der Aktion aus. In diesem Jahr finanziert der Sportverein GW Albersloh Fußbälle. „Nach meinen Hochrechnungen komme ich auf eine Summe von rund 200 000 Euro an Geld- und Sachspenden, die in den 20 Jahren zusammengekommen sind.“ Dabei seien noch nicht einmal die Ausgaben der Gasteltern enthalten, die die Kinder in all den Jahren gastfreundlich aufgenommen und fürsorglich beköstigt hätten.

Zum 20. Mal wurde dann auf dem Hof Budde in freundschaftlicher Runde gefeiert. Die Kinder gaben ein kleines Konzert mit ausgesuchten Liedern und genossen im Anschluss mit den Gästen ein reichhaltiges Buffet.

So dürfte das Bergfest wohl allen Beteiligten, wie es Tamara Prykhodzka ausdrücken würde, als „helle Spur“ im Gedächtnis bleiben.

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