Mit Lohnunternehmer Olaf Hattrup bei der Weizenernte
Bei fast 40 Grad herrscht Hochbetrieb

Sendenhorst -

Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel. Es ist mit knapp 40 Grad der bisher heißeste Tag in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen. Hitzefrei gibt es für Olaf Hattrup aber nicht. Der Weizen ist reif und völlig trocken. Er muss vom Feld. Und so hat der Lohnunternehmer bei der Ernte viel Arbeit.

Montag, 29.07.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 29.07.2019, 11:52 Uhr
Die Übergabe des gemähten und gedroschenen Weizens findet während der Fahrt statt.
Die Übergabe des gemähten und gedroschenen Weizens findet während der Fahrt statt. Foto: Josef Thesing

Es ist der heißeste Tag, seit es amtliche Wetteraufzeichnungen gibt. Das Thermometer zeigt an diesem Donnerstagnachmittag knapp 40 Grad. Die Luft steht hier auf dem Weizenfeld am Elmster Berg unweit von Sendenhorst. Die Sonne knallt erbarmungslos vom Himmel.

Hitzefrei gibt es für den Lohnunternehmer nicht

Hitzefrei wäre hier das probate Mittel, um Körper und Geist zu schonen. Doch auf dem Feld herrscht Hochbetrieb. „Der Weizen muss runter“, sagt Olaf Hattrup . Das Getreide ist trocken wie selten in den Jahren zuvor. Und es ist zwei Wochen eher für den Arbeitseinsatz von Hattrup fällig als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Es staubt mächtig, wenn der Lohnunternehmer mit seinem Lexion 770 der Firma Claas die exakten Bahnen zieht. Doch auf dem bequemen „Einweisersessel“ – so heißt der Beifahrersitz wirklich – neben dem „Cockpit“ des Fahrers in der Kabine des modernen Mähdreschers stört das nicht, wenn die Türen geschlossen sind. Und die erbarmungslose Hitze draußen auch nicht. Die Klimaanlage zeigt 23 Grad an. „Sonst ginge das gar nicht“, sagt Olaf Hattrup, ein ruhiger Mensch, der die Arbeit mit viel Routine und Gelassenheit angeht.

Es staubt mächtig am Schneidwerk.

Es staubt mächtig am Schneidwerk. Foto: Josef Thesing

Der 43-jährige Sendenhorster ist selbst Landwirt. Sein Hof liegt unweit der Landesstraße 520 in der Nähe der Gaststätte Strohbücker. Doch in diesen Tagen muss die Arbeit auf der eigenen Scholle zurückstehen, erzählt Hattrup. Die Kunden haben Vorrang. Und der Lohnunternehmer muss Geld verdienen, auch, damit sich sein Maschinenpark, zu dem unter anderem drei Mähdrescher gehören, rechnet. Und er will seine Stammkunden gut bedienen. „Es wäre nicht zu vermitteln, wenn ich zuerst auf meinem Hof arbeiten würde“, sagt der Ackerbauer und Schweinemäster.

Morgens um 10 Uhr geht’s los

Morgens gegen 10 Uhr geht’s in der Regel mit der Weizenernte los. Dann ist der Tau aus dem Getreide verschwunden. Der Lexion 770 gehört von der Leistung her zur westfälischen Oberklasse. 48 Hektar hat Olaf Hattrup am Tag zuvor mit dem Drescher geschafft, erzählt der Profi. „Das hängt vom Zuschnitt und der Lage der Flächen ab.“

Fast ohne Unterbrechung wühlt sich das 10,80 Meter breite Schneidwerk durch das Getreide. 63 bis 65 Tonnen werden pro Stunde gemäht und gedroschen. Die Übergabe auf die Anhänger hinter den Schleppern findet während des Mähens statt. So gibt es keinen Leerlauf, aber das muss präzise erfolgen. Auch den Transport vom Feld zum Hof, wo der Weizen als Tierfutter gelagert wird, bietet Hattrup an, aber manche Landwirte machen das selbst.

Olaf Hattrup hat alles im Blick.

Olaf Hattrup hat alles im Blick. Foto: Josef Thesing

Die Anschaffung eines Mähdreschers aus dieser Kategorie ist eine große Investition. „Zehn Jahre muss er mindestens laufen“, sagt Hattrup – damit sich die Maschine amortisiert.

Der Konkurrenzkampf ist groß.

Olaf Hattrup

Für seine Arbeit bekommt der Lohnunternehmer eine sogenannte Hektar-Pauschale. Hinzu kommen die Kosten für den Diesel, die davon abhängig sind, wie weit die Flächen vom Hof entfernt liegen. „Der Konkurrenzkampf ist groß“, meint der Unternehmer.

Seinen Lexion 770 setzt er mit einem anderen Schneidwerk auch in der Maisernte ein. Ob diese in diesem Jahr überhaupt erfolgreich wird, ist derzeit schwer zu sagen. Denn jetzt müssen sich die Kolben bilden, aber dafür braucht es dringend jede Menge Regen.

Beim Wetterumschwung wird es hektisch

Hektisch ist der Job, wenn zum Beispiel ein Unwetter vorausgesagt wird. „Wann kommst Du?“, sei dann die Frage, die von vielen Kunden – verständlicherweise – gleichzeitig gestellt werde. „Alle wollen auf einmal. Das ist dann manchmal auch ein bisschen Nervensache“, erzählt der Lohnunternehmer. Und dann geht’s mächtig rund, denn für sein Geschäft sei es gut, dass er sich auf eine „stabile Stammkundschaft“ verlassen könne.

Die wird er nicht enttäuschen. Und so wird dann bis in die späte Nacht hinein gearbeitet. Die natürliche Grenze der Ernte bei Dunkelheit steht allerdings fest: der Beginn der Taubildung. Dann ist Feierabend.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6813327?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F190%2F
Polizei Münster erteilt Auskunft
Polizeipräsidium Münster
Nachrichten-Ticker