Ackerbohnen
Die westfälische Antwort auf den weltweiten Soja-Handel

Sendenhorst -

Um den weltweit immer weiter steigenden Bedarf an Soja decken zu können, werden in Südamerika Wälder für neue Plantagen abgeholzt. Als westfälische Antwort auf Sojaschrot bei der Nutztierfütterung gilt die Ackerbohne. Auf einem Feld im Süden von Sendenhorst wird die Hülsenfrucht angebaut.

Montag, 05.08.2019, 15:32 Uhr aktualisiert: 05.08.2019, 16:18 Uhr
Die harten und trockenen Ackerbohnen werden inklusive der Stiele mit dem Mähdrescher geerntet,
Die harten und trockenen Ackerbohnen werden inklusive der Stiele mit dem Mähdrescher geerntet, Foto: Josef Thesing

Ackerbohnen? Nie gehört. Bis jetzt hier auf dem Feld von Andreas Teiner im Süden von Sendenhorst an der Straße Am Hagen. Die Ackerbohne, sagt Teiner, sei bei der Nutztierfütterung gewissermaßen die westfälische Antwort auf Sojaschrot aus Übersee. „Man will sich von den Soja-Importen unabhängig machen.“ Das werde von der EU-gefördert, um den weltweiten Handel mit der Bohne zu regionalisieren. Gefördert deshalb, weil die Ackerbohne nicht so ertragreich und gehaltvoll für die Tierfütterung ist wie etwa der heimische Futterweizen oder auch Soja aus Südamerika. „Die EU gleicht die Differenz aus“, so Teiner.

Für die Landwirtschaft seien Hülsenfrüchte wie die Futterbohne generell gut. Für das Klima insgesamt sowie für die landwirtschaftlichen Flächen generell auch. Ackerbohnen filtern Stickstoff aus der Luft und müssen nicht zusätzlich gedüngt werden, erklärt Teiner. Die Böden könnten sich zwischen den Fruchtwechseln erholen. Und auch bei der nachfolgenden Ackerfrucht müsse weniger Dünger eingesetzt werden.

Ackerbohne mag keine Dürre

Global gesehen ist die Ackerbohne vermutlich noch wertvoller, sind sich die Experten einig. Um den weltweit immer weiter steigenden Bedarf an Soja decken zu können, werden zum Beispiel in Südamerika Wälder abgeholzt, um neue Soja-Plantagen anzulegen. Das sieht der Sendenhorster Landwirt Andreas Teiner etwa genauso. „Diese Mono-Kulturen sind in Verruf geraten.“ Auch deshalb springe die EU mit Fördermitteln ein, um einen Sinneswandel zumindest anzuschieben. „Ich denke, dass das mal eine sinnvolle Förderung ist.“ Voraussetzung sei eine Diversifizierung: Fünf verschiedene Früchte müsse der Landwirt anbauen. Und die Bohne – oder auch Erbsen – müssten dabei einen Anteil von zehn Prozent ausmachen.

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So sieht die Ackerbohne aus. Foto: Josef Thesing

Teiner baut die Hülsenfrucht auf zwei Hektar auf dieser Fläche Am Hagen an und auf einer weiteren größeren Fläche in der Nähe von Ahlen. Seit drei Jahren gehört die Bohne zu seinem  „Anbau-Sortiment“. „Der Ertrag im Ersten Jahr war gut. 2018 und auch jetzt ist er eher mäßig“, meint Teiner. Das liege vor allem an den beiden heißen Sommern. Die Ackerbohne mag keine lang andauernde Hitze ohne Wasser oder, wie 2018, gar eine Dürre.

Ernte ist aufwändig

Der Bohne lastete lange Zeit der Makel an, zu viele Bitterstoffe zu enthalten. Inzwischen sei es gelungen, die Hülsenfrucht schmackhafter zu züchten – und das in weicherer Form nicht nur für Tiere. Allerdings: Die Ackerbohne für das Tierfutter sei „wie Dicke Bohnen mit Speck – nur ausgereifter“.

Für das Gleichgewicht in der Natur biete die Ackerbohne noch einen weiteren Vorteil, sagt Teiner. Sie blüht früh und prächtig, weshalb sie ein Paradies für Insekten sei. Nicht umsonst gehört sie zu den „Schmetterlingsblütlern“.

Die Ackerbohne

Die Ackerbohne ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie „Schmetterlingsblütler“ und eine Hülsenfrucht. Die Ackerbohne wird auch Saubohne, Säubohne, Schweinsbohne, Dicke Bohne, Große Bohne, Pferdebohne, Viehbohne, Faberbohne oder Puffbohne genannt. Es ist eine Pflanzenart in der Unterfamilie „Schmetterlingsblütler“ und eine Hülsenfrucht. Diese Nutzpflanze gehört zur Gattung der Wicken – im Gegensatz zur Gartenbohne, die der Gattung „Phaseolus“ angehört. Die Ackerbohne wurde durch den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt zum „Gemüse des Jahres“ 1998/1999 gewählt. Die Ackerbohne – grün geerntet – gilt in Italien, Spanien und Frankreich als Delikatesse. Doch in Deutschland wandert sie meist in die Futtertröge von Nutztieren. Dabei sind die verwendeten Sorten mit klangvollen Namen wie Fanfare und Fuego auch für den Verzehr geeignet.

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Die Ernte für die  landwirtschaftliche Nutzung ist wenig spektakulär, aber aufwändig. Mit dem Mähdrescher werden die harten und trockenen Ackerbohnen samt der trockenen Stiele gemäht. Am Rand des Feldes werden sie vom Mähdrescher aus in eine mobile Ackermühle gefüllt, in der aus den Bohnen mit Hilfe von 650 PS ein feines Mehl gemahlen wird. Das fährt Andreas Teiner dann zum Hof, wo es in einer luftdichten Folie für den Winter siliert wird. „Das ist dann etwa so wie eingelegte Gurken“, erklärt der Landwirt.

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Vor dem abgeernteten Feld zeigt Andreas Teiner in der Sommerhitze, was aus den Bohnen geworden ist. Foto: Josef Thesing

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