Landwirt Walter Niestert über Düngeverordnung, Wildblumen und Kiebitze
So einfach ist das alles nicht

Sendenhorst -

Walter Niestert hat eine Blühwiese für Insekten angelegt. Davon profitieren auch die Kiebitze, die in der Nähe ihre Nester angelegt hatten. Es gab viel Futter für den Nachwuchs. Der Landwirt ist aber auch sauer auf „die Politik“, weil bei der Düngeverordnung nicht differenziert werde.

Mittwoch, 04.09.2019, 12:00 Uhr
Walter Niestert stellt seine Blühwiese am Mittelweg vor, von der auch die Kiebitze profitiert haben.
Walter Niestert stellt seine Blühwiese am Mittelweg vor, von der auch die Kiebitze profitiert haben. Foto: Josef Thesing

Es ist ein Bild fast wie gemalt an diesem sonnigen frühen Montagabend. Am Himmel zeigen sich neben der Sonne nur wenige Wolken. Es ist warm. Die Sonnenblumen auf der Blühwiese stehen in voller Pracht, und die Hummeln haben ihre Freude daran. Und dennoch ist Landwirt Walter Niestert sauer – und zwar „auf die Politik“, wie er sagt.

Da passt es gut, dass „die Politik“ gerade zu Gast ist und Niestert seinen Ärger direkt loswerden kann. „Die Politik hat lange geschlafen. Und jetzt wird mit dem Hammer draufgehauen“, meint der Sendenhorster.

Kritik an der Düngeverordnung

Zu Gast ist die SPD-Fraktion im Rat der Stadt Sendenhorst. Und der gehört auch Annette Watermann-Krass an, die dazu im Düsseldorfer Landtag für die SPD Politik macht und sich dort unter anderem um die Belange der Landwirtschaft kümmert. Die Fraktion war eigentlich gekommen, um Walter Niestert für die Anlage der 5600 Quadratmeter großen Blühwiese am Mittelweg zu loben, der Teil der sogenannten „Westhoff-Runde“ ist. Das tut die SPD auch, aber es kommen eben noch andere Themen auf den viel zitierten Tisch – wie etwa das Baumsterben. „In der Landwirtschaft geht nicht immer alles geradeaus“, sagt Niestert.

Er findet die neue Düngeverordnung ungerecht, weil sie zu wenig differenziert sei und alle Betriebe über einen Kamm geschert würden. „Das ganze Gebiet zwischen Beckum und hinter Münster ist rot“, erklärt der Landwirt. „Rot“ bedeutet, dass der Nitratgehalt im Grundwasser zu hoch ist. Doch das habe der VSR-Gewässerschutz nur in einigen wenigen Brunnen festgestellt. „Ist auch nur ein Brunnen in einem Referenzgebiet rot, ist alles rot“, erklärt Niestert, der auf seinem etwa einen Kilometer entfernt gelegenen Hof ebenfalls einen Brunnen unterhält. Niestert fordert unter anderem, dass sich die Bewertung an den geologischen Gegebenheiten orientiere, die überall anders seien. „Ich will auch kein Nitrat im Wasser. Wir brauchen das doch jeden Tag.“

Die Hummel besucht die Sonnenblume.

Die Hummel besucht die Sonnenblume. Foto: Josef Thesing

Das Problem der verschärften Verordnung aus Sicht des Landwirtes: Er müsse 20 Prozent unter dem „Soll-Wert“ düngen. „Das geht ein, zwei Jahre gut. Aber dann habe ich Ertragseinbußen.“ Da heutzutage jeder Quadratmeter im Land kartiert sei, dürfte es nach seiner Meinung kein Problem sein, „feingliedriger“ festzulegen, wie viel Dünger wo ausgebracht werden darf.

Insekten sind auch gut für die Kiebitze

Doch zurück zur Blühwiese. Diese musste Walter Niestert zwei Mal anlegen, weil der April und der Mai zu trocken waren und die Saat nicht aufgegangen ist. „Man braucht eine Woche richtig feuchten Boden“, sagt der Landwirt. Er hat sich nicht am Blühstreifen-Programm der landwirtschaftlichen Verbände beteiligt, sondern einen anderen Weg gewählt: Er hat 56 Anteilseigner mit ins Boot genommen, um das Vorhaben zu finanzieren.

Viele der Menschen, die sich beteiligt haben, hätten inzwischen auch seinen Hof besichtigt und sich über die Produktion informiert. „Ein durchaus kritisches Publikum“, blickt Niestert zurück.

Ein Paradies für Insekten.

Ein Paradies für Insekten. Foto: Josef Thesing

Bis etwa Mitte Oktober wird die Wiese den Insekten noch zur Verfügung stehen. Dann falle sie von allein zusammen und wird gemulcht. Walter Niestert hat noch nicht entschieden, ob er im kommenden Jahr wieder eine Blühwiese anlegen will.

Dass diese ein großer Gewinn für die Natur sei, bezweifelt er nicht. „Viele der Insekten sieht man ja gar nicht“, erklärt er. Und von diesen profitieren auch andere Lebewesen, hat er beim Ackern festgestellt. Kiebitze zum Beispiel: Der Landwirt hat in der Region fünf Nester mit Nachwuchs gezählt, der mit Insekten von der Wiese gefüttert werde. Mindestens zwei „Familien“ seien durchgekommen, vermutet er.

Wir arbeiten eng mit dem Naturschutzbund zusammen.

Walter Niestert

Die Kiebitze haben aber ein Problem: „Sie werden von den Krähen regelrecht drangsaliert.“ Dabei machten es die geschützten Kiebitze den „schwarzen Vögeln“ leider relativ einfach. Sie „verstecken“ sich nicht in der hohen Blühwiese oder im Getreide, sondern auf Freiflächen mit nur kurzem Bewuchs. Deshalb hat der Landwirt für die Brütezeit im Mais Flächen freigehalten. Die Nester habe er gekennzeichnet, sagt Niestert. „Wir arbeiten hierbei eng mit dem Naturschutzbund zusammen.“ Die Nabu-Leute hätten sich fortlaufend informiert. „Die meisten Paare haben hier in der Umgebung genistet“, freut sich Walter Niestert.

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