Heimatverein Albersloh organisiert Radtour zum „Tag des offenen Denkmals“
Von Bildstock zu Bildstock

Albersloh -

Allein in Albersloh gibt es 68 Bildstöcke, die jeweils eine ganz eigene Geschichten erzählen. Der Heimatverein hatte sich am „Tag des offenen Denkmals“ acht von ihnen herausgepickt, um im Rahmen einer Radtour über sie zu informieren. Mit etwa 70 Teilnehmern startete die circa 14 Kilometer lange Tour, die zum Ausflug in die Vergangenheit werden sollte.

Dienstag, 10.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 13.09.2019, 14:20 Uhr
Auch ein Wegkreuz an der Sendenhorster Straße gehörte zu den Bildstöcken, die bei der Radtour des Albersloher Heimatvereins besucht wurden und über deren Geschichte unter anderem Willi Berheide (Mitte) informierte.
Auch ein Wegkreuz an der Sendenhorster Straße gehörte zu den Bildstöcken, die bei der Radtour des Albersloher Heimatvereins besucht wurden und über deren Geschichte unter anderem Willi Berheide (Mitte) informierte. Foto: Christiane Husmann

„Das ist ja richtig toll, dass so viele gekommen sind“, begrüßte Willi Berheide die zahlreichen Radfahrer, die bei schönem Wetter nicht nur aus Albersloh, sondern auch aus den Nachbargemeinden angereist waren. Unter ihnen auch der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Sendenhorst, Martin Mühlenhöver, und Karin Schneidereit als Vertreterin der Stadtverwaltung. Neben Willi Berheide hatten Almut Rauße, Vera Berheide und Werner Schöling den Radrundweg zusammengestellt, der einige Bauerschaften in Albersloh kreuzen sollte. „Almut zeigt uns jetzt, wo es lang geht“, lautete das Startsignal mit dem sich die Radfahrer in Bewegung setzten.

Erster Halt sollte am Wegekreuz bei Hof Averbeck sein, dessen Inschrift „Halt, bleib stehen du Wandersmann, und blicke deinen Heiland an“, von den Radfahrern gerne beherzigt wurde. Verstärkt durch Lautsprecher wusste Willi Berheide einiges über das Kreuz zu berichten. Genau wie es eine Station weiter Michael Neve über den Bildstock auf seinem Hof tat, der den heiligen Antonius beherbergt – übrigens benannt als Heiliger, der verlorene Dinge wieder zurückbringen kann.

In der Bauerschaft Storp warteten schon Marianne und Antonius Buhne auf die Radler. Während Marianne Buhne ein Gebet zitierte, das nicht nur regelmäßig in der Vergangenheit, sondern ab und zu noch heute vor dem kleinen Kapellchen gebetet wird, erzählte Antonius Buhne von schrecklichen Zeiten, in denen die Cholera im Land gewütet hatte. Aus Dankbarkeit, dass die Menschen auf dem Hof Buhne verschont geblieben waren, habe Friedrich Buhne im Jahr 1882 die heute unter Denkmalschutz stehende St.-Josef-Kapelle erbaut. „Schnaps ist auch gut gegen Cholera“, wusste Antonius Buhne zu berichten, und bot den Radlern das Getränk als Präventivmedikation an.

Nach einem Schnäpschen ging es weiter in die West II, wo Ludger Hegemann von damaligen Schwindsuchtsfällen, auch als Tuberkulose bekannt, zu berichten wusste. „Die Bildstöcke und Kreuze wurden an den Wegen aufgestellt, weil das Leid vorbeiziehen sollte“, erklärte der Hofbesitzer, der bereits mehrfach den Holzkorpus des Kreuzes erneuern ließ. Dazu wusste Karin Schneidereit von der Stadt Sendenhorst zu informieren, dass es möglich sei, Fördermittel zu beantragen, mit denen gegebenenfalls ein Großteil anstehender Restaurierungskosten abgedeckt werden könnten.

Am Bildstock der Familie Terbaum konnten sich die Teilnehmer ein Bild davon, machen, dass nicht nur Holz, sondern auch Sandstein stark unter der Witterung leidet. Trotz liebevoller Hege und Pflege sah man einigen Denkmälern an, dass der Zahn der Zeit an ihnen nagt. Einige von ihnen änderten in den Jahren auch schon ihren Standort. „Im Jahr 1910 hat dieser Bildstock die Straßenseite gewechselt“, wussten Berthold und Beate Terbaum zu berichten. Und auch der Bildstock auf dem Hof der Familie Thiemann stand vormals an anderer Stelle. „Wir haben ihn auf den Hof geholt, weil er vorher als Ablage für Dosenbier und als Hundeklo herhalten musste“, erklärte Alois Thiemann. Der hatte dann für die Radfahrer ebenfalls ein Schnäpschen im Angebot.

Auf diese Weise gut gegen Cholera, Pest, Lepra und andere fiese Krankheiten gefeit, ging es zur kleinen Kapelle der Familie Telges, die eine kunstvolle Ölbergszene präsentiert. Als letzte Station wurde der Bildstock der Familie Möllers angesteuert.

Für einen Teil der Radfahrer endete die Tour dort. Ein anderer Teil ließ den informativen wie unterhaltsamen Nachmittag in der Gaststätte Geschermann ausklingen. Dort tauschte man sich über die verschiedenen Geschichten der Bildstöcke aus, genoss ein Abendessen und noch so manches Getränk, was ja angeblich vor Cholera schützen soll.

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