Franz Horstkötter erinnert sich an den Umbau der Ludgeruskirche
Knochenarbeit und ein Weinbrand

Albersloh/Rinkerode -

An und in der Ludgeruskirche wurde oft gebaut, renoviert und umgestaltet. So auch im Jahr 1962, in dem mit dem großen Ostanbau begonnen wurde. Daran erinnert sich der heute 92-jährige Franz Horstkötter, der die Arbeiten als damaliger Bauunternehmer gemeinsam mit Heinrich Pälmke umsetzte.

Sonntag, 15.09.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 20.09.2019, 13:35 Uhr
Im Wohnzimmer von Franz Horstkötter hören Astrid Niehues (li.) und Elke Oestermann interessiert den Ausführungen des Zeitzeugen zu, der in den 1960-er Jahren als Bauunternehmer gemeinsam mit Heinrich Pälmke mit dem Anbau der Ludgeruskirche beauftragt war.
Im Wohnzimmer von Franz Horstkötter hören Astrid Niehues (li.) und Elke Oestermann interessiert den Ausführungen des Zeitzeugen zu, der in den 1960-er Jahren als Bauunternehmer gemeinsam mit Heinrich Pälmke mit dem Anbau der Ludgeruskirche beauftragt war. Foto: Christiane Husmann

Mit einem großen Aufwand wird die Ludgeruskirche in Albersloh derzeit von innen saniert und neu gestaltet. Die Arbeiten sind auf die Zielgerade eingebogen. Doch nicht nur in diesen Monaten, sondern nahezu zu allen Zeiten wurde an der Pfarrkirche gebaut.

Um 1150 wurde die in Teilen noch heute bestehende Chorturmkirche errichtet. In der Zeit von 1250 bis 1370 wurde dann die sechs Mal so große Hallenkirche gebaut, und im Jahr 1962 wurde mit dem großen Ostanbau begonnen.

Franz Horstkötter und Heinrich Pälmke haben gebaut

Bei der Grundsteinlegung 1962 war Franz Horstkötter mit dabei. Der Bauunternehmer aus Rinkerode hatte gemeinsam mit der Albersloher Baufirma Pälmke den Auftrag zur Errichtung des Ostanbaus erhalten. „Das war eine gute Zusammenarbeit“, erinnert sich Franz Horstkötter gerne an die kollegiale Zeit mit Heinrich Pälmke. Auch wenn manche Unwegsamkeiten auf die beiden Fachmänner warten sollten und sie einige Vorgaben aus bauphysikalischen Gründen nicht umsetzen wollten – weil das nicht machbar war.

Auf einige Vorgaben aus dieser Zeit ist Elke Oestermann gestoßen, die sich intensiv mit der Kirchengeschichte befasst. Nach einem Besuch im Bistumsarchiv hat sie Unterlagen zusammengetragen, die nicht nur Antworten geben, sondern auch Fragen aufwerfen.

Mit diesen hat sich die Albersloherin auf den Weg zu Franz Horstkötter gemacht. „Im Plan der Architekten sind in der Apsis mehrere schmale Fenster eingezeichnet“, berichtet Elke Oestermann von einigen Details, die nicht umgesetzt worden sind. „Weiter sollte auf dem Altar ein großer Tabernakel stehen, so dass der Priester dort mit dem Rücken zur Gemeinde hätte zelebrieren können. Ein Hochaltar war laut Planung erst gar nicht vorgesehen.

Einige Pläne konnten nicht umgesetzt werden

Im nördlichen Seitenschiff sollte das alte Sakristeifenster eingebaut werden, und eine Treppe mit einem ansehnlichen Geländer sollte zum Glockenturm führen.“ Warum diese Planungen damals nicht umgesetzt worden sind, weiß Franz Horstkötter auch nicht. „Das war eine Entwicklung. Wir sind unseren Vorgaben gefolgt, solange sie statisch verantwortbar waren“, erklärt der erfahrene Bauunternehmer. „Entweder hier kommen lange Zuganker rein, oder wir bauen nicht weiter“, mussten die beiden Fachmänner mit Blick auf eine unzureichende Statik schon mal deutlich machen. „Das war eine besondere Baustelle“, findet Franz Horstkötter. „Mitten in der Kirche stand ein Kran“, erinnert sich der 92-jährige.

Die Steine wurden alle von Hand an der Baustelle in Form gehauen und direkt verfugt.

Franz Horstkötter

Und auch an die mühsame Arbeit, die Außenverblendung aus Sandstein herzustellen. „Die Steine wurden alle von Hand an der Baustelle in Form gehauen und direkt verfugt“, erklärt Horstkötter, der an dieser Stelle für die Bauarbeiter in die Bresche springt: „Die Leute, die vor Ort die Knochenarbeit machen, werden beim Loben häufig vergessen.“

In alten Zeiten wurde der Kirchenboden erhöht, weil es damals häufig zu Überschwemmungen kam. Beim Anbau in den 1960-er Jahren entschloss man sich dann dazu, die Erhöhung wieder zurückzubauen. Dabei wurde auch die „Basis“ der Säulen wieder freigelegt. „Als ,Basis’ bezeichnet man den unteren Teil einer Säule“, erklärt Astrid Niehues. Die Tochter von Franz Horstkötter hat Architektur studiert und verfolgt interessiert, was ihr Vater aus vergangenen Zeiten zu erzählen weiß.

So saht die Kirche vor dem Anbau aus.

So saht die Kirche vor dem Anbau aus.

Dazu gehört auch eine amüsante Geschichte, mit der damals der Bauabschluss besiegelt werden sollte: „An Aschermittwoch gingen Heinrich Pälmke und ich mit der Abschlussrechnung zum Pastor“, erzählt Franz Horstkötter. Der sei sofort mit einer Flasche Weinbrand um die Ecke gekommen. „Aber wir haben doch heute einen hohen Fasten- und Abstinenztag“, hätten die beiden Bauunternehmer eingeworfen. „Wir haben so schön zusammengearbeitet – da hat der Herrgott sicher Verständnis für“, habe die der Geistliche abgewägt – und eingegossen.

Die Innenansicht vor 1962.

Die Innenansicht vor 1962.

Elke Oestermann freut sich über die Informationen aus dem Gespräch. Sie gehört zum „Arbeitskreis Kirchenrenovierung“, der sich aktuell um die Mitfinanzierung der Umgestaltung bemüht. Auch der Umbau in den 1960-er Jahren hat viel gekostet, geht aus den Unterlagen des Bistumsarchivs hervor: „Der Kirchbau (ohne Restaurierung des alten Teils) schließt mit 690 808,95 D-Mark ab.“ Davon sollte die Gemeinde 200 000 D-Markaufbringen. „Damals gab es eine Empfehlung des Kirchenvorstands, wer wie viel zahlen sollte“, erzählt Elke Oestermann und hat den damaligen Wortlaut parat: „Landwirte zahlen pro Morgen Land 2,50 D-Mark in den Jahren 1961 und 1962. Lohnempfänger geben pro Monat zwei Stundenlöhne. Gehaltsempfänger und Gewerbetreibende zahlen nach eigenem Ermessen.“

Bitte um Spenden

„Nach eigenem Ermessen“ lautet die Devise, mit der der Kirchenvorstand heute bei allen für eine finanzielle Unterstützung wirbt. Auch wenn er vielleicht im Stillen hoffen mag, dass sich der eine oder andere Landwirt beim Blick über seine viele Morgen Land erneut großzügig zeigt . . .

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