Peter Müller gehörte zum DLV-Team bei der WM in Doha
Mit Daunenjacke durch Doha

Sendenhorst -

Stellen Sie sich vor, Sie packen den Koffer für einen Aufenthalt in Katar. Und neben T-Shirts und Badezeug liegen Mütze und Daunenjacke. Nie im Leben? Aber ganz bestimmt, hat Peter Müller, Leitender Physiotherapeut am St.-Josef-Stift, jetzt erfahren.

Dienstag, 15.10.2019, 06:05 Uhr aktualisiert: 15.10.2019, 06:10 Uhr
Peter Müller, Leitender Physiotherapeut im St.-Josef-Stift (hinten re.), gehörte zum Betreuerteam des DLV bei der Leichtathletik-WM in Doha 2019.
Peter Müller, Leitender Physiotherapeut im St.-Josef-Stift (hinten re.), gehörte zum Betreuerteam des DLV bei der Leichtathletik-WM in Doha 2019. Foto: privat

Stellen Sie sich vor, Sie packen den Koffer für einen Aufenthalt in Katar. Und neben T-Shirts und Badezeug liegen Mütze und Daunenjacke. Nie im Leben? Aber ganz bestimmt, hat Peter Müller , Leitender Physiotherapeut am St.-Josef-Stift, jetzt erfahren, als er mit dem Deutschen Leichtathletikverband in Katar war. „Die Athleten haben mit Mütze und Daunenjacke in den bis auf 16 Grad herunter gekühlten Bussen gesessen“, blickt er zurück. Da habe man sich schon warm halten müssen, während außerhalb der klimatisierten Zonen hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit herrschten.

Sportlich hätten sich seine Schützlinge ordentlich geschlagen. „Die Männer haben das gut gemacht. Tatjana Pinto musste nach einer Verletzung im Einzelrennen für die Staffel passen, und Gina Lückenkemper ist unter Form gelaufen“, fällt Müllers sportliche Bilanz aber zufriedenstellend aus.

„Klimatisch war es für die meisten Sportler gar nicht so schlimm wie gedacht“, meint Müller, als er auf die zahlreichen Ausfälle vor allem bei den mitternächtlichen Marathon-Läufen angesprochen wird. Man habe sich gut vorbereitet. Kühlwesten und Kältehosen hätten zur Ausrüstung gehört. „Die haben wir aber kaum gebraucht, weil wir mit den Bedingungen draußen fast nichts zu tun hatten.“ Vom klimatisierten Hotel ging es in den schon erwähnten Bus, von dort in die Aufwärmhalle und dann ins Stadion. Selbst das war klimatisiert. Außerdem hätten die Sportler im Vorfeld Erkältungsprophylaxe betrieben, und wegen der trockenen Luft durch die Klimaanlagen seien sogar Nasenduschen verteilt worden, berichtet Peter Müller.

Den Läufern und Springern, die Peter Müller vornehmlich betreut, hätten die Umstände weniger Probleme bereitet. Die schweren Athleten beispielsweise aus den Wurfdisziplinen seien da schon eher betroffen gewesen.

Seit vielen Jahren sammelt Müller nun schon Erfahrungen mit sportlichen Wettkämpfen auf höchstem Niveau. Es gibt kaum einen Kontinent, den er im Rahmen von Welt- oder Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen – zumeist sogar mehrfach – nicht besucht hat. Im Vergleich seien die Bedingungen in Katar vielleicht nicht optimal gewesen, aber „in Berlin im vergangenen Jahr war es schlimmer“, meint Müller. Über den energetischen Sinn oder Unsinn, in dieser Klimazone für den Sport gute Bedingungen zu schaffen, möchte er kein Urteil fällen. Das sei unter den Sportlern sicher ein Thema gewesen. Es sei aber eher in kleinen Runden diskutiert worden.

Im Jahr 2022 werden sich als nächstes nun die Fußballer mit diesem Thema auseinander setzen müssen, dann findet dort die Weltmeisterschaft statt. Auf die Frage, ob die Leichtathleten dem DFB denn Erfahrungswerte mit auf den Weg geben könnten, überlegt Müller zunächst ein wenig. „Die besten Voraussetzungen sind das sicher nicht“, meint er. Doch vor allem fallen ihm organisatorische Gründe dazu ein. Allein schon, dass man die WM nach hinten in die Adventszeit verschieben müsse, bringe sicher große Umstände für die Spielpläne aller Ligen mit sich. Das Eröffnungsspiel ist am 21. November geplant und das Finale am 18. Dezember. Aber auch das Umfeld für die Fans könnte seiner Meinung nach nicht einfach werden. „In Katar kostet ein Bier 15 Dollar“, berichtet Müller und fragt sich, ob Fußballfans sich damit anfreunden können.

Und in diesem Zusammenhang fällt ihm auch der große kulturelle Unterschied ein, der zwar den männlichen Fußball vielleicht nicht so sehr betrifft, für die Leichtathletik aber augenfällig war. Trotz zahlreicher Sportsender im Land sei in Katar nicht eine Minute über die Leichtathletik-WM berichtet worden. Schließlich gebe es dort die jungen Frauen in sportlichem Outfit zu sehen.

Wie das allerdings mit den viel diskutierten Kameraeinstellungen in den Startblöcken zu vereinbaren sei, kann sich Peter Müller auch nicht erklären.

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