Bericht über einen jungen Mann, der es in Albanien zu Bildung gebracht hat
Der Staat bestimmt, was studiert werden kann

Sendenhorst -

Die SV der Realschule St. Martin hat mit dazu beigetragen, dass ein jungen Mann aus Albanien die Schule besuchen konnte. Andersen Voci wurde finanziell unterstützt.

Montag, 28.10.2019, 14:00 Uhr
Andersen Voci ist in einem Bergdorf aufgewachsen. Die SV der Realschule hat mit dazu beigetragen, dass er einen ausgezeichneten Schulabschluss geschafft hat und nun studieren kann.
Andersen Voci ist in einem Bergdorf aufgewachsen. Die SV der Realschule hat mit dazu beigetragen, dass er einen ausgezeichneten Schulabschluss geschafft hat und nun studieren kann. Foto: Stefan Schubert

„You are those people that make the world better.” So lauten die letzten Zeilen des Dankbriefes, den die SV der Realschule St. Martin vor einigen Wochen erhielt, berichtet Lehrer Stefan Schubert .

Hintergrund war die Patenschaft für Andersen Voci, der seit drei Jahren mit einer monatlichen Spende von 30 Euro von der Schülervertretung unterstützt wurde. „Andersen ist mittlerweile 18 Jahre alt und hat im Sommer 2019 als Jahrgangsbester das Jesuitengymnasium im nordalbanischen Shkoder mit dem Abitur verlassen“, erzählt Schubert, der den jungen Mann im Rahmen der Aktion „Kinder helfen Kindern“ kennengelernt hatte.

Bildung statt Hirten-Dasein

Dass der „sehr intelligente und fleißige“ junge Mann diese Schule besuchen konnte, sei 2016 undenkbar gewesen. Er stammt aus einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Fushë-Arrëz in Nordalbanien. Seine Familie sei sehr arm, da der Vater aufgrund einer Behinderung nicht arbeiten könne. „Nach dem Abschluss der Hauptschule war seine realistische Perspektive, dass er ,mit der Kuh geht’“. Er sollte also das Vieh der Familie tagsüber durch die karge Berglandschaft treiben. Eine weitere Ausbildung oder gar Schule sei für die Familie finanziell völlig undenkbar gewesenen. „Glücklicherweise erkannte Bruder Andreas Waltermann , der seit 13 Jahren in Fushë-Arrëz lebt und als Pfarrer für die Großgemeinde zuständig ist, das Potenzial des begabten Jungen und fand ausreichend Unterstützer, die durch regelmäßige Spenden für das Schulgeld und die Unterkunft in der 100 Kilometer entfernten Großstadt Shkodra sorgten“, erklärt Stefan Schubert.

Zu diesen Paten gehörte auch die Schülervertretung der Realschule St. Martin, die mit der Aktion „Kinder helfen Kindern“ seit Ende der Sommerferien schon drei neue Patenkinder in Fushë-Arrëz unterstütze.

Der Traum vom Medizinstudium

Für Andersen hingegen sei sein Traum, Medizin studieren zu können, nun ein kleines Stück näher gerückt. „Das zentralistische albanische Studienplatzvergabesystem sieht nicht vor, dass man sich für einen bestimmten Studiengang bewerben kann. Vielmehr musste Andersen sich allgemein für ein Studium bewerben und durfte bis zu zehn verschiedene Studienfächer angeben“, so Schubert. Sein Erstwunsch „Innere Medizin“ sei ihm nicht zugeteilt worden, aber mit dem Fach „Radiologie“ habe er nun immerhin eine Perspektive als Arzt. „Es hätte auch Bauingenieurwesen oder Landwirtschaft werden können“, meint Schubert.

Andersen sei weiterhin auf ein Stipendium angewiesen, damit er das Studium absolvieren könne. Da sich die Aktion „Kinder helfen Kindern“ vor allem der Unterstützung von Schulkindern widme, suchen die Verantwortlichen der Realschule nun Menschen aus Sendenhorst und Umgebung, die bereit sind, für die nächsten drei Jahre mit einer festen monatlichen Spende zwischen zehn und 30 Euro Andersens Studium zu unterstützen und so „einen nachhaltigen Beitrag zur Entwicklung in Albanien zu leisten“.

Die Patenschaft werde direkt über die Aktion „Kinder helfen Kindern“ an Bruder Andreas überwiesen, so dass kein Geld für administrative Zwecke verwendet werde, sondern 100 Prozent bei Andersen ankommen.

► Wer den Studenten unterstützen will oder weitere Informationen haben möchte, kann sich unter s.schubert@real-martin.de an Stefan Schubert wenden.

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