Dorfgeschichte: Familienunternehmen Bäckerei Lömke schließt die Ladentüren
Nach 70 Jahren ist der Ofen aus

Albersloh -

Nach 70 Jahren haben Gisela und Egon Lömke ihre Bäckerei am Teckelschlaut geschlossen. Theodor Lömke hatte das Bäckerei- und Konditoreigeschäft im Jahr 1949 eröffnet. Das war zu der Zeit, als Brötchen noch für fünf Pfennige über die Ladentheke gingen und Spekulatius in Holzformen gefertigt wurden.

Sonntag, 03.11.2019, 10:00 Uhr
In der Backstube Lömke ist der Ofen inzwischen aus. Gisela und Egon Lömke schließen nach 70 Jahren die traditionsreiche Bäckerei am Teckelschlaut.
In der Backstube Lömke ist der Ofen inzwischen aus. Gisela und Egon Lömke schließen nach 70 Jahren die traditionsreiche Bäckerei am Teckelschlaut. Foto: Christiane Husmann

Als Brötchen noch für fünf Pfennige über die Ladentheke gingen und Spekulatius in Holzformen gefertigt wurden, eröffnete Theodor Lömke am Teckelschlaut ein Bäckerei- und Konditoreigeschäft. Das war im Jahr 1949. Seit der Zeit versorgte das Familienunternehmen das Dorf mit Backwaren und Lebensmitteln. Doch damit ist jetzt Schluss. „Wir schließen aus Altersgründen“, erklären Egon und Gisela Lömke , die zuletzt mit Sohn Mike den Laden betrieben haben.

Eine gehörige Portion Wehmut schwingt mit, wenn die Eheleute Lömke von der gut überlegten Entscheidung erzählen, das Geschäft nun zu schließen. „Es geht einfach nicht mehr“, sagen sie. Und für Mike Lömke stand fest: „In einer anderen Bäckerei möchte ich nicht beschäftigt sein.“

Kein Nachfolger für die Bäckerei

Der gelernte Bäckermeister fand einen lukrativen Arbeitsplatz bei einer Behörde. Also alles gut, möchte man meinen, wenn da nicht die Konsequenzen wären, die eine Geschäftsaufgabe so mit sich bringt. „Woher bekomme ich jetzt meine Silvesterberliner?“, sei Gisela Lömke schon mehrfach gefragt worden. „Backt ihr mir noch ein paar Hummelgauer, die kann ich dann einfrieren“, sei ein anderer Wunsch gewesen. „Der Kontakt zu den Kunden wird mir natürlich fehlen“, sagt Gisela Lömke, die mehr als 50 Jahre hinter der Ladentheke stand. „Und fehlen wird mir auch Monika Neuhaus. Sie hat uns 45 Jahre lang als zuverlässige Mitarbeiterin die Treue gehalten.“ Das alles schwinge bei dem Gedanken an die Schließung mit.

Von Mönchengladbach nach Albersloh

Ein Blick zurück: Während des Krieges hatte Theodor Lömke in Mönchengladbach in der Bäckerei Stappmanns gearbeitet. Dort lernte er seine Frau Elisabeth Stappmanns kennen. „Eigentlich hätte mein Vater die Bäckerei übernehmen sollen, doch im Krieg wurde Mönchengladbach stark bombardiert, und mein Vater zog mit uns zurück nach Albersloh“, erzählt Egon Lömke. Wieder in der Heimat, baute der Bäckereimeister ein Haus am Teckelschlaut, in dem er am 3. Dezember 1949 sein Bäckerei- und Konditoreigeschäft eröffnete. „Damals gab es im Dorf neben uns noch die Bäckereien Wermelt, Niehoff und Hölscher“, erinnert sich der Albersloher und berichtet: „Man hat sich nie als Konkurrenz verstanden. Ein Mal im Jahr setzten wir uns zusammen und überlegten, wann wer die 14 Tage Betriebsferien machen konnte.“

1957 wurde ich jeden Samstag von der Schule befreit, um in der Backstube helfen zu können.

Egon Lömke

Viel freie Zeit gab es nicht: „1957 wurde ich jeden Samstag von der Schule befreit, um in der Backstube helfen zu können“, lacht Egon Lömke heute. Er erinnert sich aber auch an das frühe Aufstehen der Bäcker samstags um 1 Uhr und in der Woche um 3.30 Uhr. „Der Tag begann damit, den Steinofen mit den Briketts von Geschermann zu befeuern.“ Erst 1974 habe ein sogenannter Umwälzer den Steinofen ersetzt. „Und seit 25 Jahren backen wir im Elektroofen.“

Die Dose Erbsen und Möhren kostete 98 Pfennige

Die Eheleute Lömke haben ein paar alte Fotos gefunden, die an die Anfänge der Bäckerei erinnern. Auf einem ist das Haus von 1949 zu sehen. Auf einem weiteren sieht man es mit dem Anbau von 1958, der es ermöglichte, ein größeres Angebot an Lebensmitteln vorzuhalten. „Damals gab es noch keine Selbstbedienung. Da stand ich noch mit meiner Schwiegermutter hinter der Theke“, erinnert sich Gisela Lömke. Erst am 10. Oktober 1969 stellte das Geschäft auf Selbstbedienung um. „Jeder Preis ein Paukenschlag“, hieß es in der Anzeige, mit der das Geschäft anlässlich der Umstellung warb: „Ausländischer Rotwein, die Flasche für 0,98 D-Mark“, „Herbort-Aufschnitt 100 Gramm für nur 0,64 D-Mark“ oder „Erbsen und Möhren, mittelfein, die Dose für 0,98 D-Mark“, lauteten seinerzeit einige der Angebote. „Heute gibt es Supermärkte, mit denen können wir nicht konkurrieren“, wissen Egon und Gisela Lömke, die vor dem sich veränderten und sich weiter ändernden Kaufverhalten nicht die Augen schließen wollen. „Jetzt möchten wir unseren Ruhestand genießen“, sagen sie und hoffen, dass sie das Ladenlokal vermieten können.

„Nach all den Jahren ist es uns besonders wichtig, uns bei den Kunden zu bedanken, die uns immer die Treue gehalten haben“, betonen die Eheleute Lömke. Die Kunden werden sich die legendären Silvesterberliner, den beliebten Hummelgauer und andere Leckereien nun wohl woanders suchen müssen.

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