Der geborene Berliner Herbert Dominitzki erzählt vom Mauerfall
Eine Zeitung für den Enkel

Albersloh -

Vor 30 Jahren ist der Albersloher Herbert Dominitzki nach Berlin gefahren, um zu erleben, wie die Menschen mit dem Mauerfall umgehen. Dominitzki ist gebürtiger Berliner, der seit 40 Jahren in Albersloh lebt. Um 14.10 Uhr erreichte er den Bahnhof Zoo. Ein Vorankommen war wegen der großen Menschenmenge kaum möglich, blickt er zurück.

Samstag, 09.11.2019, 09:04 Uhr aktualisiert: 09.11.2019, 09:10 Uhr
So sah es vor 30 Jahren am 9. November und an den Tagen danach in Berlin aus.
So sah es vor 30 Jahren am 9. November und an den Tagen danach in Berlin aus. Foto: -

Seit 30 Jahren bewahrt Herbert Dominitzki die WN-Ausgabe auf. Der Albersloher hebt sie in einer Plastikhülle für seinen Enkel auf. Das hat er sich fest vorgenommen. Warum, das lässt sich schnell erklären. „Die Mauer hat ihren Schrecken verloren“ steht in großen Buchstaben auf der ersten Lokalseite. Ein paar Tage zuvor, also am heutigen 9. November vor genau 30 Jahren, war die Mauer auf Druck der Menschen gefallen.

 

Herbert Dominitzki, heute 74 Jahre alt, ist gebürtiger Berliner. Er hatte der Lokalredaktion damals erzählt, was er Unglaubliches und für heutige deutsche Verhältnisse Unfassbares erlebt hat. Und er schämte sich, in Kreuzberg geboren, dabei auch seiner Tränen nicht.

Mit dem Zug war Dominitzki, der seit 40 Jahren in Albersloh lebt, über Hamm nach Berlin gereist. „Erst in Helmstedt füllte sich der Zug mit DDR-Bürgern. Die Kontrolle in Marienborn verlief durchweg freundlich. An der Grenzstation Griebnitzsee, wo sonst die Grenzer mit Schäferhunden auf- und abmarschierten, spielte sich nichts mehr ab“, berichtet der Albersloher, dessen Herz von jeher für Berlin schlägt, von einer ungewöhnlichen und für ihn auch aufregenden Reise.

Um 14.10 Uhr erreichte er den Bahnhof Zoo. Ein Vorankommen ist wegen der großen Menschenmenge kaum möglich. Trabis, wohin das Auge blickt – selbst vor einem Kino, in dem der Kassenschlager „Batman“ läuft.

Am Brandenburger Tor, auf das in diesen Tagen die ganze Welt blickt, ist es friedlich, berichtet der Albersloher. Fernsehteams drehen jede Minute mit. Dominitzki spricht mit einem Polizisten, der im sagt: „Ich möchte hier keinen Dienst haben, wenn die Mauer geöffnet wird.“

Im mit DDR-Bürgern völlig überfüllten Bus fährt der Albersloher zur Bernauer Straße. Er spricht mit Menschen, die das alles noch gar nicht glauben können und die sagen: „Schön habt ihr das hier.“

Am Potsdamer Platz erinnert sich Dominitzki daran, wie er als 15-Jähriger den Mauerbau miterlebt hat. Die Hoffnung, dass sie eines Tages fallen würde, habe er nie aufgegeben, erzählt er. In der dunklen Mauer ist ein Loch, und Herbert Dominitzki trinkt mit einem Vopo – wie die DDR-Volkspolizisten kurz genannt wurden – einen Glühwein.

Schlangen vor den Geschäften und vor den Banken in Kreuzberg. Menschentrauben vor den Imbissbuden: So sieht es in den Tagen nach dem 9. November 1989 in Berlin aus. „Ich habe 15 Minuten auf meine Currywurst gewartet.“

Und heute? „Ich bin oft in Berlin“, erzählt Herbert Dominitzki, auch wenn er in Albersloh „hängengeblieben“ sei. „Auch heute ändert sich in Berlin noch jeden Tag irgendwo etwas.“ Und natürlich fährt er weiter – so oft es – geht in die Bundeshauptstadt.

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