Stadt und Feuerwehrkapelle sagt „Goodbye Britain“
Very british – indeed

Sendenhorst -

Wenn die Stadt- und Feuerwehrkapelle zum Konzert einlädt, ist das Interesse traditionell sehr groß. Am vergangenen Wochenende musste das sehr tagesaktuelle Programm „Goodbye Britain“ gleich zwei Mal aufgeführt werden, denn für einen Termin wäre die Aula der Realschule viel zu klein gewesen. Für ihr Interesse wurden die Besucher dann auch bestens entlohnt, denn die Stadt- und Feuerwehrkapelle hatte ein begeisterndes Programm zusammengestellt.

Dienstag, 12.11.2019, 06:08 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 06:20 Uhr
Unter der Leitung von Kevin Linnemann bot die Stadt- und Feuerwehrkapelle einen Hauch von „Night Of The Proms“
Unter der Leitung von Kevin Linnemann bot die Stadt- und Feuerwehrkapelle einen Hauch von „Night Of The Proms“ Foto: Heinz Braunsmann

Wenn die Stadt- und Feuerwehrkapelle zum Konzert einlädt, ist das Interesse traditionell sehr groß. Am vergangenen Wochenende musste das sehr tagesaktuelle Programm „Goodbye Britain“ gleich zwei Mal aufgeführt werden, denn für einen Termin wäre die Aula der Realschule viel zu klein gewesen.

Die Organisatoren des Orchesters, allen voran Kevin Linnemann , der Mann mit dem Taktstock, hatten sich einiges einfallen lassen, um diesem politisch brisanten Thema einen musikalischen und auch optischen Rahmen zu geben. „Als ich vor über einem Jahr die Idee zu diesem Konzert hatte, habe ich geglaubt, dass der Brexit zum heutigen Tag längst vorbei ist“, erklärte Kevin Linnemann dem Publikum in der stilecht britisch geschmückten Aula. Die Türme der Tower-Bridge schmückten dekorativ beide Seiten der Bühne, überall dominierten die Farben des Union Jack – very british indeed.

Thomas Davis aus Paderborn, seines Zeichens gebürtiger Brite, der humorvoll und sachkundig durchs Programm führte und mit Hintergrundinformationen und Anspielungen auf britische Traditionen für viel Heiterkeit sorgte, gab dem Abend einen landestypischen Rahmen.

Das insgesamt sehr abwechslungsreiche und extrem unterhaltsame Programm war entsprechend dem Thema ganz auf britische Titel zugeschnitten und wurde eröffnet mit „The House of the Rising Sun “.

Bemerkenswert war vor allem auch das beachtliche musikalische Niveau der Stadt- und Feuerwehrkapelle, das die Aufführung von komplexeren Arrangements für symphonisches Blasorchester ermöglicht, zum Beispiel bei der Filmmusik zu „Mary Poppins“ einem sehr differenziert arrangierten Medley, das dem Orchester hohe Aufmerksamkeit, Disziplin und Präzision abverlangte und sehr dynamisch gestaltet wurde. Auch die Jupiter-Hymne von Gustav Holst, die zu Lady Dianas Trauung und Beerdigung erklang, wurde sehr repräsentativ vorgetragen.

Zu einem besonderen Leckerbissen gerieten die „British Sea Songs“ von Henry Wood. Sehr variabel arrangiert mit einigen humorvollen Effekten war diese Sammlung ein geeignetes Werk, um auch die Fähigkeit zu detailgenauem Spiel, sauberer Intonation und einer guten Abstimmung innerhalb der einzelnen Register des Orchesters zu präsentieren. Sehr gut vorbereitet zeigte sich dabei auch die fünfköpfige Percussions-Abteilung des Orchesters. „Ich hatte befürchtet, das wäre mir alles viel zu laut, aber das ist ja überhaupt nicht so“, kommentierte eine Zuhörerin das Programm in der Pause. Treffender kann man die flexible und ausgewogene Klangbalance des Orchesters kaum attestieren.

Garant für die reibungslose Funktion und klangliche Qualität des Orchesters war nicht zuletzt ihr Leiter Kevin Linnemann, der durch sein sachdienliches und gut lesbares Dirigat die Musikalität des Orchesters auf den Punkt abzurufen wusste – eine unersetzliche Hilfe für die immerhin etwa 50 Musiker, die seine wertvollen Impulse dankbar aufnahmen und umsetzten.

Auch das etwa 20-köpfige Jugendblasorchester, mit etwas Verstärkung durch „Altgediente“, trat mutig in die Fußstapfen der Hauptabteilung und präsentierte unter Leitung von Daniel Keppeler einige englische Renaissance-Stücke, die Filmmusik zu „Harry Potter“ und weitere Kostproben britischer Musik. Hörbar wächst hier – auch durch die Zusammenarbeit mit der Realschule – qualitativ hochwertiger Nachwuchs für das Orchester heran.

Mit Pauken und Trompeten und „God Save The Queen“ wurde der zweite Teil des Abends eröffnet. Die Queen persönlich, die den ersten Teil in Form einer Videobotschaft eröffnet hatte, wurde nun leibhaftig aus London eingeflogen und betrat unter großem Jubel die Aula der Realschule. Nun gut, sie sah ein bisschen aus wie Uschi Puke – aber das war sicher eine Verwechslung.

Poppig und rockig ging das Programm weiter mit „Let Me Entertain You“ von Robbie Williams und einem sehr rund musierten „Adele-Medley“. Dabei wurde das Orchester durch den Tenor-Solisten Benedikt Peters wirkungsvoll unterstützt.

Zum Finale schließlich kam der eigens für dieses Konzert installierte „Brexit-Chor“ zum Einsatz, dessen etwa 30 Sängerinnen und Sänger auf der Galerie der Bühne Aufstellung nahmen und mit viel Enthusiasmus dem Konzert ein vokales Häubchen aufsetzten.

So ging das Konzept des Abends zu hundert Prozent auf und Beifallsstürme überfluteten am Ende zu Recht die stolzen Akteure, die für Sendenhorst – Brexit hin, Brexit her – einen unvergesslichen britischen Abend gestaltet hatten.

  Thank you.

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