Volkstrauertag in Sendenhorst und Albersloh
„Er ist ein zeitloses Erbe“

Sendenhorst/Albersloh -

Auch in Sendenhorst und Albersloh stellte sich die Bevölkerung der Aufgabe, anlässlich des Volkstrauertages zu erinnern, zu gedenken, zu mahnen und zu appellieren. In Sendenhorst fand Martin Mühlenhöver passende Worte, und in Albersloh äußerte Luise Dreyer bemerkenswerte Gedanken.

Montag, 18.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 20.11.2019, 11:14 Uhr
Martin Mühlenhöver sieht im Volkstrauertag ein zeitloses Erbe auch an die jüngeren Generationen.
Martin Mühlenhöver sieht im Volkstrauertag ein zeitloses Erbe auch an die jüngeren Generationen. Foto: Dirk Vollenkemper

„Frieden braucht Mut“ unter diesem Motto stand am gestrigen Sonntag die Gedenkfeier des Volkstrauertages in Sendenhorst. Begonnen hatten die Feierlichkeiten zum Volkstrauertag , wie in jedem Jahr, an der Stele am Schlapperpohl, dem ehemaligen Standort der Synagoge, ehe die Teilnehmer dann unter der musikalischen Begleitung der Sendenhorster Stadt- und Feuerwehrkapelle zum Ehrenmal ans Osttor zogen. Vertreter der Freiwilligen Feuerwehr, der KG „Schön wär’s“, der SG Sendenhorst, der Martinus-Schützen, der Johannisbruderschaft sowie der Kolpingsfamilie und der Pax-Christi-Gruppe begleiteten den Zug zum Ehrenmal.

Der stellvertretende Bürgermeister Martin Mühlenhöver übernahm in diesem Jahr die Rede am Mahnmal: „Wenn wir heute unserer Toten gedenken, können wir ihrem Andenken am ehesten gerecht werden, wenn wir in unserem Verantwortungsbereich für Frieden, Freiheit, Toleranz und Menschlichkeit eintreten. Dies sind wir auch denen schuldig, die in den Kriegen durch Flucht oder Vertreibung oder als Verfolgte ihr Leben gegeben haben. Der Volkstrauertag gibt uns allen die Gelegenheit, über Vergangenes nachzudenken und öffnet gleichzeitig den Blick für die Gegenwart und Zukunft“, machte Martin Mühlenhöver die Bedeutung des Gedenktages deutlich. „Er ist ein zeitloses Erbe – auch für zukünftige Generationen. Nicht nur Überlebende, auch nachfolgende Generationen werden dann mit diesem Tag den Willen zur Abkehr von Terror und Gewalt verbinden“.

Martin Mühlenhöver erinnerte weiter an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder Frauen und Männer aller Völker: „Wir gedenken auch derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Religion zugerechnet wurden oder deren Leben wegen einer Krankheit oder Behinderung vernichtet wurde. Auch denken wir an die Opfer, die durch Terror und Gewalt ihr Leben lassen mussten. Unser besonderes Gedenken gilt aber auch den getöteten deutschen Soldaten in Afghanistan, in Afrika und den Menschen, die durch ihren Einsatz im Ausland ums Leben kamen. Wir teilen den Schmerz der trauernden Angehörigen.“

Vor der obligatorischen Kranzniederlegung, zum Abschluss der Gedenkfeier, blickte Mühlenhöver dann noch hoffnungsvoll in die Zukunft: „Doch unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt.“

In Albersloh erinnerte Luise Dreyer , Mitglieder der Fahnengarde der Bürgerschützen, am Ehrenmal am Teckelschlaut an die Opfer von Krieg und Gewalt. Sie wandte sich an die jungen Leute, die schon heute oder künftig Verantwortung für die Gesellschaft tragen werden. Luise Dreyer bediente sich dazu einer Aussage der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano: „Den jungen Leuten sage ich: Ihr habt keine Schuld an dem, was passiert ist. Aber ihr macht euch schuldig, wenn ihr nichts über diese Zeit wissen wollt.“ Und Luise Dreyer versicherte: „Wir wollen wissen, wir wollen, dass sich ein Tag wie der heutige als fester Dreh- und Angelpunkt des Erinnerns erweist. Es bleibt insbesondere die Aufgabe meiner Generation, die in einem friedliebenden Europa aufwächst und Krieg nur mittelbar aus Geschichtsbüchern und Erzählungen kennt, Erinnerungen und Andenken zu pflegen und in einer Zeit von Geschichtsverdrossenheit für eine friedensstiftende Demokratie einzustehen.“

Deutschland und Europa sowie das System seiner Bündnisse garantieren nun seit fast 70 Jahren Frieden. Doch zurzeit seien durchaus bedenkliche Auflösungserscheinungen und Tendenzen zu bemerken, die auch Angst machen. Dreyer blickte auf den Brexit, die Intervention der türkischen Truppen in Syrien und nationale Parolen wie „America first“, die auch die internationale Solidarität gefährden. „Ist man im Frieden groß geworden, so fühlt sich all dies ein bisschen so an, wie der Anfang vom Ende des Guten.“ Sie äußerte aber auch ihr Erschrecken über die Verrohung von Sprache. „Es wird eine Sprache hoffähig, die wir längst auf der Müllkippe der Geschichte wähnten.“ Doch mit der Verrohung der Sprache verrohen auch Sitten, so Dreyer. Und es scheine wieder möglich zu werden, was einst in die Katastrophe führte. Und Luise Dreyer appellierte: Durchbrechen wir mit unserer persönlichen Haltung den Kreislauf des Bösen und des Hasses. „Nehmen wir uns dieser Aufgabe an und leben sie jeden des Tag Jahres nach Möglichkeit aus.“

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