Dr. Gerd Ganser als Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendrheumatologie verabschiedet
Ein Büßergang mit großen Folgen

Sendenhorst -

Der Anfang war nicht leicht. Denn vor der Gründung der Abteilung für Kinder- und Jugendrheumatologie musste die Bezirksregierung davon überzeugt werden, dass das ein wichtiger Schritt ist. Wie das gelang, wurde am Freitag bei der Verabschiedung von Chefarzt Dr. Gerd Ganser deutlich.

Samstag, 11.01.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 12.01.2020, 14:14 Uhr
Dank und Anerkennung für den Gründungschefarzt und ein herzliches Willkommen für den Nachfolger (v.li.): Geschäftsführer Dr. Ansgar Klemann, Dr. Gerd Ganser, Kuratoriumsvorsitzender Werner Strotmeier, Privatdozent Dr. Daniel Windschall, Pflegedirektor Detlef Roggenkemper und ärztlicher Direktor Professor Dr. Michael Hammer.
Dank und Anerkennung für den Gründungschefarzt und ein herzliches Willkommen für den Nachfolger (v.li.): Geschäftsführer Dr. Ansgar Klemann, Dr. Gerd Ganser, Kuratoriumsvorsitzender Werner Strotmeier, Privatdozent Dr. Daniel Windschall, Pflegedirektor Detlef Roggenkemper und ärztlicher Direktor Professor Dr. Michael Hammer. Foto: Bettina Goczol

Sie waren damals kaum zu bremsen, die Herren Werner Strotmeier und Dr. Gerd Ganser . Gemeinsam hatten der damalige Geschäftsführer des St.-Josef-Stifts und der junge Arzt im Oktober 1989 die Abteilung für Kinder- und Jugendrheumatologie im Krankenhaus gegründet. Und weil ihnen die fachgerechte Behandlung von rheumakranken Kindern wohl wichtiger war als der Bürokratismus, ging’s mit einem motivierten Team los – fast. Denn auch in Sendenhorst konnte ein solches Projekt nicht ohne die landesweite Krankenhausplanung in die Tat umsetzt werden, wenn denn die Behandlungen auch von den Kassen bezahlt werden sollten.

Werner Strotmeier (li.) bedankte sich bei Dr. Gerd Ganser und dessen Ehefrau Christa.

Werner Strotmeier (li.) bedankte sich bei Dr. Gerd Ganser und dessen Ehefrau Christa. Foto: Josef Thesing

Die Folge: der Gang nach Canossa, wobei dort nicht Papst Gregor VII wartete, sondern ein gewisser Dr. Werner Althoff. Und Canossa war diesmal auch keine Burg, sondern das Gebäude der Bezirksregierung in Münster, wo eben jener Dr. Werner Althoff seinen Dienst versah. „Uns erwartete mindestens das Fegefeuer“, blickte Werner Strotmeier am Freitag bei der Verabschiedung seines damaligen Mitfahrers in den Ruhestand auf die Fahrt nach Münster zurück. „In Demutshaltung“ sei das Duo dem verantwortlichen Mitarbeiter der Bezirksregierung gegenübergetreten. Geholfen habe das aber zunächst nicht. „Dr. Althoff war in Hochform“, blickte Werner Strotmeier zurück. „20 Minuten Donnerwetter“ waren die Folge. Der Hintergrund des Gewitters: Die Bezirksregierung wollte in Sendenhorst keine Quasi-Konkurrenz zur neuen Kinderklinik in nahen Ahlen.

Uns erwartete mindestens das Fegefeuer.

Werner Strotmeier

Also musste Verhandlungsgeschick her. Und das hatten die beiden – in der Sache hartnäckigen – Bittsteller aus Sendenhorst. Sie konnten Dr. Werner Althoff ihre Idee als seine verkaufen, die er dann natürlich für gut befinden musste. „Nachher hat er uns immer sehr gefördert“, berichtete Strotmeier in seinem humorvollen Rückblick, der viele Lacher erntete und Beifall erhielt.

Geschäftsführer Dr. Ansgar Klemann begrüßte die Gäste.

Geschäftsführer Dr. Ansgar Klemann begrüßte die Gäste. Foto: Josef Thesing

Kinder und Jugendlich brauchen mehr als Medizin

Die Sache selbst war seinerzeit natürlich ein mehr als ernstes Thema. Im St.-Josef-Stift war man vor nun mehr als 30 Jahren zu der Erkenntnis gelangt, dass chronisch kranke Kinder und Jugendliche mehr brauchen als Medizin. Professor Dr. Reinhard Fricke, der ebenfalls bei der Verabschiedung von Dr. Gerd Ganser zu Gast war, hatte als damaliger Chefarzt die Gründung einer Spezialabteilung für die jungen Patienten angeregt. „Kinder haben andere Fragestellungen als Erwachsene“, war schon damals die Erkenntnis im Haus. Denn: Alle sind betroffen – von der Familie über die Schule und den Sportverein bis zum Ausbildungsbetrieb. Das weiß man heute, auch dank Dr. Gerd Ganser und seinem Team. „Kinderrheuma und auch die sogenannte Übergangsmedizin auf dem Weg zum Erwachsenwerden wurden auch in den Medien zum Thema“, blickte Werner Strotmeier zurück. Und die neue Abteilung im Krankenhaus wurde zu einer eigenen Fachklinik mit deutschlandweitem Renommee – und zum Teil auch über die Grenzen hinaus. „Du hast Großartiges geleistet“, würdigte Strotmeier die Arbeit von Ganser.

Experten unter sich: Professor Dr. Reinhard Fricke (li.) und Dr. Gerd Ganser.

Experten unter sich: Professor Dr. Reinhard Fricke (li.) und Dr. Gerd Ganser. Foto: Josef Thesing

Ähnliche Worte fanden auch die anderen Redner, die auf die Arbeit des Chefarztes und die Entwicklung der Therapien in diesem Bereich zurückblickten. „Das Besondere sind die individuelle Betreuung, die Herzlichkeit und die hohe Fachkompetenz“, erklärte der ärztliche Direktor des Stift., Professor Dr. Michael Hammer. Die Arbeit in Sendenhorst habe die Behandlung von Kinderrheuma „deutschlandweit geprägt“. Mit seiner Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit habe sich Ganser stets dafür eingesetzt, die beste Versorgung der Kinder zu erreichen. „Wenn es um die Kinder ging, kanntest Du kein Erbarmen“, sagte Dr. Ludwig Bause, Chefarzt der Klinik für Rheumaorthopädie. Und wenn etwas bis zur Umsetzung etwa länger gedauert habe, sei das für Ganser auch kein Problem gewesen. „Im Aussitzen warst Du noch hartnäckiger als Angela in Berlin.“

Dem wollte der Jetzt-Ruhesändler nicht grundsätzlich widersprechen. „Ich habe das für die Kinder getan. Das war so.“

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