Umsetzung des Masernschutzgesetzes ab dem 1. März
Keine Impfung – keine Kita

Sendenhorst -

Die Anmeldungen für die örtlichen Kitas sind im November gelaufen. Für die Schulen, beispielsweise die Realschule oder die Grundschulen, stehen sie bevor. Eigentlich ist alles wie immer. Doch in diesem Jahr gibt es eine Änderung. Am 1. März tritt das Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention, das sogenannte Masernschutzgesetz in Kraft. Die WN haben sich umgehört, wie die Einhaltung der Impfpflicht umgesetzt wird.

Mittwoch, 29.01.2020, 05:38 Uhr aktualisiert: 29.01.2020, 07:54 Uhr
Im Masernschutzgesetz wurde festgelegt, dass es Pflicht ist, Kinder impfen zu lassen.
Im Masernschutzgesetz wurde festgelegt, dass es Pflicht ist, Kinder impfen zu lassen. Foto: dpa

Die Anmeldungen für die örtlichen Kitas sind im November gelaufen. Für die Schulen, beispielsweise die Realschule oder die Grundschulen, stehen sie bevor. Eigentlich ist alles wie immer. Doch in diesem Jahr gibt es eine Änderung. Am 1. März tritt das Gesetz für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention, das sogenannte Masernschutzgesetz in Kraft.

„Ab dem 1. März muss der Impfschutz gegen Masern bei Kindern, die neu in eine Kita aufgenommen werden wollen nachgewiesen werden. Wir müssen das über die Vorsorgehefte kontrollieren“, erklärt Brigitte Stasch, Verbundleitung der katholischen Kindertagesstätten in Sendenhorst und Albersloh. Wenn Kinder nicht geimpft seien, werde kontrolliert, ob ein Beratungsgespräch beim Gesundheitsamt stattgefunden hat. Auch das sei im Heft vermerkt. „Wir hatten bislang keine Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen wollten. Einige haben aufgrund der Impfpflicht nachimpfen lassen“, berichtet sie. Dementsprechend habe man bislang auch noch kein Kind abweisen müssen.

Wir haben im Kreis Warendorf schon jetzt bei Kindern, die eingeschult werden, eine hohe Impfquote.

Thomas Fromme, Pressestelle des Kreises Warendorf

Karin Rost, Vorsitzende der Kindergruppe Sendenhorst, die als Trägerin beispielsweise für die Kita „Stoppelhopser“ und die Kita „Maria Montessori“ fungiert, hat sich ebenfalls schon Gedanken über die Umsetzung gemacht. „Wir haben in dieser Woche noch ein Trägergespräch beim Kreis-Jugendamt und werden dort erfragen, wie unsere Einrichtungen damit umgehen sollen. Das Jugendamt, so erklärt es Kreissprecher Thomas Fromme , wird in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überprüfen (siehe Infokasten). „Wir haben im Kreis Warendorf schon jetzt bei Kindern, die eingeschult werden, eine hohe Impfquote, die bei 95 Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt“, führt Fromme weiter aus.

Kontrolle durch das Gesundheitsamt

Sollten Kinder bei einer Neuaufnahme in Kitas bis zum 1. März nicht gegen Masern immunisiert sein (Kinder, die schon in einer Kita sind, können diese Immunisierung bis zum 31. Juli 2021 nachweisen), liegt also kein Nachweis der Impfung/Kontraindikation/bestehenden Immunität vor, sind diese Fälle von den Einrichtungen an das Gesundheitsamt zu melden, erklärt Kreissprecher Thomas Fromme. Dann werden die Eltern angeschrieben und mit einer Frist aufgefordert, den Nachweis vorzulegen. Erfolgt das nicht, werden die Eltern zu einem Beratungsgespräch geladen, in dem über die Ernsthaftigkeit einer Masernerkrankung und den Sinn einer Impfung gesprochen wird. Sollten sich Eltern im Anschluss daran noch immer gegen eine Impfung aussprechen, „wird ein Bußgeldbescheid/eventuell eine Zwangsgeldandrohung erlassen“, teilt der Kreis mit. Schließlich werde in der Schuluntersuchung vor der Einschulung erneut vom Gesundheitsamt überprüft, ob das einzuschulende Kind gegen Masern geschützt ist.

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Auch die Realschule St. Martin hat sich auf das neue Gesetz eingestellt. Bei der Anmeldung muss auch dort der Impfnachweis erbracht werden. Das Gesetz verpflichte dazu, sich darüber zu informieren, ob ein Kind geschützt sei, erklärt Konrektor Hubert Wende. „Sollte ein Kind nicht geimpft sein, werden wir das Gespräch mit den Eltern suchen. Wird die Impfung dann nachgeholt, ist alles in Ordnung.“ Außerdem vermute er, dass das Problem bei den Eltern, die sich für die Realschule St. Martin entscheiden, nicht auftreten wird. Sollten sich Eltern allerdings bis zum Ende weigern, dann könne das Kind an der Realschule wohl nicht beschult werden, denkt er die neue rechtliche Vorgabe zu Ende.

Das neue Masernschutzgesetz beschäftigt übrigens nicht nur Kindergärten und Schulen. Auch Dr. Mechthild Bonse hat sich mit dem Gesetz auseinandergesetzt. „Hier in meiner Praxis wird sich durch die Impfpflicht nichts ändern“, berichtet sie. Eltern könnten nach wie vor frei entscheiden. „Ich stehe als Ärztin voll hinter dieser Impfung“, erklärt sie. Zu Beginn der 1990-er-Jahre habe es viele Impfgegner gegeben. „Doch derzeit lassen die Eltern, die in meine Praxis kommen, impfen.“ Es spreche bei gesunden Kindern nichts gegen die Immunisierung mit dem Impfstoff. Zum Einsatz kommen abgeschwächte Lebenderreger, erklärt Dr. Bonse. Und ja, es könne zu Reaktionen kommen. Zu hohem Fieber etwa. Und ganz selten wird auch von einem nichtansteckenden Ausschlag berichtet. „Doch den habe ich in all den Jahren noch nie selbst gesehen“, berichtet Bonse.

Masern und ihre gefährlichen Folgen

Masern werden durch Viren ausgelöst und kommen weltweit vor. Es erkranken auch Jugendliche und junge Erwachsene. Die Masernschutzimpfung erfolgt in der Regel als Kombi-Impfung, die gleichzeitig gegen Mumps und Röteln wirkt, erklärt Dr. Mechthild Bonse. Geimpft wird mit abgeschwächten Lebenderregern im Alter von etwa einem Jahr im Abstand von einem Monat zwei Mal.
Die Impfung kann hohes Fieber auslösen. Und in ganz seltenen Fällen auch einen nicht ansteckenden Ausschlag. Bei chronisch kranken Kindern (Diabetes oder Asthma) rät Dr. Bonse dazu abzuwägen, ob geimpft wird, denn auch dann könne es sinnvoll sein, diese Kinder vor der Erkrankung zu schützen. Nicht impfen könne man immunsupressive Kinder etwa während oder nach Chemobehandlungen.
Ausgerottet sei die hochansteckende Krankheit nicht. In Deutschland habe es immer wieder mal Ausbrüche gegeben, erklärt die Medizinerin. Masernerkrankungen selbst könnten gefährliche Folgen haben: zum einen die Hirnhautentzündung, zum anderen auch die chronische Hirnhautentzündung, die später, aber mit erkennbar zeitlichem Zusammenhang auftreten kann.

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Geimpft sein müssen übrigens nicht nur Kinder. Auch Betreuungspersonen, Erzieher, Lehrer und Angestellte müssen einen Nachweis über die Masernimpfung erbringen. Gleiches gilt für Personen, die in Gemeinschaftseinrichtungen oder medizinischen Einrichtungen tätig sind, soweit diese Personen nach 1970 geboren sind, weiß die Sendenhorster Ärztin.

Kommentar: Und wo bleibt die Schulpflicht?

as ist ja so eine Sache mit Gesetzen. Sie werden in vielen Bereichen erlassen, und sie sollten sich im besten Fall nicht widersprechen. Ob im Fall des Masernschutzgesetzes jemand die Konsequenzen bis zum Ende durchgedacht hat? Kinder sollen Kitas und Schulen nur noch geimpft besuchen. Und was geschieht mit ungeimpften Kindern? Schließlich gibt es da ja auch noch die Schulpflicht. Gibt es künftig Extra-Einrichtungen für Ungeimpfte? Ich bin mal gespannt, wie dieser Widerspruch gelöst wird. | Annette Metz

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