Kabarett mit Anny Hartmann im Haus Siekmann
„Den Rechten keinen Meter schenken“

Sendenhorst -

Zu einem besonderen Kabarettabend hatte der Förderverein Haus Siekmann am Samstagabend eingeladen hatte. Bereits zum dritten Mal hatte Vorsitzender Jürgen Krass mit Anny Hartmann eine renommierte außergewöhnliche Kabarettistin gewinnen können.

Sonntag, 02.02.2020, 23:02 Uhr aktualisiert: 03.02.2020, 17:02 Uhr
Ungewöhnliche Aktion: Kabarettistin Anny Hartmann hatte die Besucher während der Pause eingeladen, ihren Freunden einfach mal eine Postkarte zu schreiben.
Ungewöhnliche Aktion: Kabarettistin Anny Hartmann hatte die Besucher während der Pause eingeladen, ihren Freunden einfach mal eine Postkarte zu schreiben. Foto: -ak-

Es war ein nachdenklicher Abend, zu dem der Förderverein Haus Siekmann am Samstag eingeladen hatte. Bereits zum dritten Mal hatte Vorsitzender Jürgen Krass mit Anny Hartmann eine renommierte, außergewöhnliche Kabarettistin gewinnen können. Die Kölnerin gastierte mit ihrem Programm „Schwamm drüber? Das (Aller) Letzte zum Schluss.“ Ihr besonderer Jahresrückblick 2019 hatte es in sich.

Wie ein „brauner Faden“ zogen sich die Gräueltaten der Neonazis durch die zurückliegenden Monate. „Immer waren es Einzeltäter, doch statt harter Strafen wurden Probleme im Elternhaus und in der Schule als Rechtfertigung für milde Urteile angeführt“, kritisierte sie. Das gleichgültige Verhalten der Teilnehmer des Handwerker-Tages in Paderborn mit den umstrittenen Äußerungen von Clemens Tönnies brachte sie zu der Feststellung: „Rassismus ist im Mittelstand angekommen.“ Gäbe es einen Gesinnungstest bei der Fahrprüfung, bekämen die Rechten keinen Führerschein.

Sie bedauerte, dass es noch keine gesamtgesellschaftliche Debatte über rechte Gewalt gebe und dass das ungehörige Benehmen der AfD-Abgeordneten im Bundestag toleriert werde.

Positives kann sie der „Fridays for future“-Bewegung und der Spendenaktion für die inhaftierte Kapitänin Carola Rackete abgewinnen. Kein Land sei bereit gewesen, sie mit 40 Migranten an Bord anlegen zu lassen, so dass sie in Lampedusa vor Anker gegangen sei. „Ertrinkende werden gerettet, das ist die Basis der Humanität und nicht verhandelbar“, machte sie unter dem Beifall der Gäste deutlich. „Wir haben das unverdiente Glück, in Deutschland geboren zu sein, dann kann man auch verdammt hilfsbereit sein“, fand sie deutliche Worte.

Zwischendurch lockerte die Kabarettistin ihren politischen Rundumschlag mit Fragen nach Zitaten und Personen auf. Wer zuerst antwortete, dem warf sie einen Schokoladentäfelchen zu. In der Pause hatten die Besucher die Möglichkeit, kostenlos Postkarten an Freunde und Bekannte zu schreiben, wovon sie regen Gebrauch machten. Schlag auf Schlag ging es mit kritischen Themen zu politischen Aktionen von Horst Seehofer, Andreas Scheuer und Annegret Kamp-Karrenbauer weiter. „Der AKK fiel das Niveau ins Klo“, kommentierte sie deren Äußerungen im Karneval. Und überhaupt sollte man aus dem Wahlrecht eine Wahlpflicht machen, forderte sie, denn bei einem Verhältniswahlrecht nicht wählen zu gehen, sei verhältnismäßig dumm.

Nach zweieinhalb stündigem Programm wurde Anny Hartmann mit einem nicht enden wollenden Beifall verabschiedet. Sie verließ die Bühne mit dem Appell „Und 2020 daran denken, den Rechten keinen Meter schenken.“

  • Ende März gastiert die Kölnerin in der Alten Brennerei Ennigerloh mit einem neuen Programm.
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