Keine Genehmigung für Traditionsveranstaltung
„Um die Wälle“ bleibt‘s erstmals still

Sendenhorst -

Das „Um die Wälle gehen“ hat also schon ein Jahrhunderte währende Tradition. In diesem Jahr muss sie aber ausfallen. So wurde es am Montag im Rathaus entschieden.

Dienstag, 07.04.2020, 17:57 Uhr aktualisiert: 08.04.2020, 13:36 Uhr
Die osternächtliche Runde, die seit Jahrhunderten von Männern um die Wälle gedreht wird, um die Osterbotschaft zu verkünden, muss corona-bedingt in diesem Jahr ausfallen.
Die osternächtliche Runde, die seit Jahrhunderten von Männern um die Wälle gedreht wird, um die Osterbotschaft zu verkünden, muss corona-bedingt in diesem Jahr ausfallen. Foto: Annette Metz

Pest, Brand und Krieg, Typhus und Lepra werden zusammen genannt, wenn die Unglücks-Chronik der Stadt Sendenhorst aufgeschlagen wird. Die großen Pestjahre von 1350 und 1382 blieben für Sendenhorst zwar ohne Beleg. „Es war aber Pestzeit im Land, als der Sendenhorster Pfarrer Johann von Plönies eine Vikarie-Stiftung tat“, ist in der Sendenhorster Stadtgeschichte nachzulesen. Die erste für Sendenhorst belegte Pestwelle ist das Pestjahr 1606. Ein Brauch, der wohl aus dieser Welle stammt, wird seither Jahr für Jahr von Männern in der Osternacht zelebriert, die von der Auferstehung Jesu künden. Das „Um die Wälle gehen“ hat also schon ein Jahrhunderte währende Tradition. In diesem Jahr muss sie aber ausfallen. So wurde es am Montag im Rathaus entschieden.

„Ich habe das sehr traurig zur Kenntnis genommen“, erklärt Fritz Sander, der gemeinsam mit Frank Fredeweß die Gruppen der Männer in der Osternacht rund um die Wälle führte und die Texte und Lieder anstimmte. Dabei unterstreicht er aber, dass damit das Gelübde, das aus den Jahren nach der Pest stammen soll, nicht gebrochen wird. „Damals war es die Aufgabe von Männern, die an der Pest Verstorbenen zu beerdigen. Als sie das schadlos überstanden hatten, gelobten sie, in jeder Osternacht die Auferstehung Christi zu verkünden“, fasst Sander die Tradition zusammen. Und zu diesem Gelübde, so führt er an, gehöre auch der Zusatz, dass die Tradition eigentlich nicht fortgesetzt werden dürfe, wenn sie einmal ausgefallen sei. Doch an dieser Stelle unterstreicht er deutlich: „Natürlich werden wir im kommenden Jahr den Brauch weiterführen.“

So lange Fritz Sander denken kann, wird diesem Gelübde in Sendenhorst gefolgt. „In diesem Jahr wäre es das 54. Mal gewesen, dass ich dabei bin“, so Sander, der sich auch an die Geschichte erinnert, dass selbst 1945 bei Kriegsende, als die Amerikaner gerade in der Karwoche nach Ostern kamen, die Männer um die Wälle ziehen dürften. Sein Großonkel habe ihm das erzählt. Die Gruppe sei zwar angehalten worden und habe dem Kommandanten die Tradition erklären müssen. Doch dieser habe dann seine Erlaubnis erteilt.

„Wir wären sogar nur zu zweit gegangen“, erklärt Fritz Sander, dass man auch deutlich „abgespeckt“ hätte. „Dann wären wir zwar nicht sehr laut gewesen. Doch wir hätten sicher den derzeit gebotenen Abstand halten können“, meint er. Doch im Sendenhorster Rathaus habe man sich entschieden, den derzeitigen Vorgaben strikt Folge zu leisten.

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