Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken aus Sendenhorst arbeitet im Josephs-Hospital
Isolation setzt vielen Menschen zu

Warendorf/Sendenhorst -

Nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie für Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken verschärft. Auch den Kontakt zu den Patienten im Josephs-Hospital in Warendorf musste der 43-jährige Sendenhorster anpassen. Aber er versucht alles, um den Patienten zur Seite zu stehen.

Donnerstag, 30.04.2020, 05:14 Uhr aktualisiert: 30.04.2020, 13:24 Uhr
Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken ist auch in der Corona-Krise für die Menschen im Josephs-Hospital in Warendorf da.
Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken ist auch in der Corona-Krise für die Menschen im Josephs-Hospital in Warendorf da. Foto: Bischöfliche Pressestelle

Tägliche Temperaturkontrolle, dauerhaftes Mundschutz-Tragen, noch häufiger Hände desinfizieren als vorher und natürlich Abstand halten. Nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen haben sich seit Beginn der Corona-Pandemie für Krankenhausseelsorger Tobias Tiedeken verschärft. Auch den Kontakt zu den Patienten im Josephs-Hospital in Warendorf musste der 43-jährige Sendenhorster anpassen. „Ich telefoniere viel, schreibe Briefe oder Mails“, berichtet Tiedeken. „Aber ich gehe auch persönlich zu Patienten.“

Auch einige wenige am Corona-Virus Erkrankte liegen im Warendorfer Krankenhaus. Bisher sei es noch nicht zu einem direkten Kontakt mit ihnen gekommen, blickt der Seelsorger auf die vergangenen Wochen zurück. Er hofft, dass das Haus in Kürze zusätzlich eine bild-telefonische Kommunikation zur Verfügung stellt. „Das würde den Kontakt zu diesen Patienten erleichtern“, weiß Tiedeken. Doch selbst wenn er zu einem Corona-Patienten gerufen würde: „Ich fühle mich durch die Maßnahmen hier im Krankenhaus ausreichend sicher und geschützt.“

50 Prozent seiner Stelle als Pastoralreferent in der Warendorfer Pfarrei St. Laurentius entfallen auf die Krankenhausseelsorge. Mit der anderen halben Stelle bringt er sich im Gemeindeleben ein. Die Aufgaben dort seien deutlich zurückgegangen. „Mit der gewonnenen Zeit widme ich mich verstärkt den Patienten. Es gibt viele, die Unterstützung gebrauchen können“, sagt er. Bei den Patienten erlebt Tiedeken überwiegend Verständnis für die Situation und das damit verbundene Besuchsverbot. „Obwohl gerade das für viele wirklich eine sehr, sehr große Belastung bedeutet“, betont er. Erfahrungsgemäß würden gerade ältere Menschen, die nicht auf die verschiedenen sozialen Kommunikationswege zurückgreifen können, stark darunter leiden. Kein Telefonat könne den direkten, persönlichen Kontakt mit geliebten Menschen ersetzen. „Das ist hart und tränenreich, ganz besonders, wenn jemand eine schwere Diagnose bekommen hat“, berichtet Tiedeken und ergänzt: „Gerade diesen Menschen versuche ich, zur Seite zu stehen.“

Über einen Anruf, weiß der Seelsorger, freuen sich auch diejenigen, die sonst regelmäßig als Patienten im Josephs-Hospital sind und derzeit mit schweren gesundheitlichen Einschränkungen zu Hause leben. „Die Isolation setzt vielen zu.“ Immer wieder bekommt er mit, dass Menschen so viel Angst vor dem Krankenhaus haben, dass sie bei Beschwerden aus Sorge vor einer Überweisung ins Krankenhaus zu spät einen Arzt aufsuchen. „Das kann fatale Folgen haben“, warnt Tiedeken. Dabei seien die Sicherheitsvorkehrungen so umfangreich, dass das Risiko einer Ansteckung mit dem Virus im Krankenhaus äußerst gering sei: „Auf jeden Fall deutlich geringer als in jedem Baumarkt.“

Der Krankenhausseelsorger ist nicht nur für die Patienten und ihre Angehörigen da, sondern auch für die Ärzte und das Pflegepersonal. Auch wenn die meisten Gespräche im Vorbeigehen stattfinden würden: „Schon das Gefühl, dass jemand da ist, der zuhört, tut gut“, sagt Tiedeken. Zusätzlich zu den „Alltagsdingen“ wie der Angst vor einer Ansteckung, die Sorge um die Betreuung der eigenen Kinder oder die Pflege der Eltern belaste das Personal die große Anspannung und Ungewissheit: „Was kommt auf uns zu? Wann kommt die große Welle? Reichen unsere Ressourcen? All diese Fragen haben die Ärzte und Pflegenden als nervenzehrend erlebt – trotz bester Vorbereitung“, berichtet Tiedeken.

Ein Ende der Corona-Krise sei noch nicht abzusehen, auch wenn die Infektionszahlen kontinuierlich sinken. Der Krankenhausseelsorger hofft, dass die Krise nachhaltig Auswirkung auf die Bedeutung des Gesundheitssektors haben wird. „Ich wünsche mir, dass das Bewusstsein dafür bleibt, welch unglaublich wichtigen Job die Pflegekräfte und die Sozialen Dienste, gerade in den Seniorenheimen, machen. Und dass die Bereitschaft unserer Gesellschaft wächst, diese Jobs nicht nur mit Beifall, sondern auch mit finanzieller und somit gesellschaftlicher Anerkennung zu honorieren.“ Die Politik müsse begreifen, dass das bewusste „Kaputtsparen und das Verweigern von finanzieller Verantwortung“ ein Ende haben muss. Letztlich würden sich die Maßnahmen konkret beim Personalschlüssel in der Pflege niederschlagen. „Und somit jedem Patienten zu Gute kommen – egal, ob die Diagnose Corona lautet oder eine andere Erkrankung behandelt werden muss“, betont Tiedeken.

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