Die Landfrauen investieren viel Engagement in ein abwechslungsreiches Programm
Der Dialog soll fairer werden

Sendenhorst -

Heute berichtet die Sendenhorsterin Manuela Groll im Rahmen des „GUGL“-Projekts „Zeitgeschenk“ über ihre ehrenamtlichen Aufgaben im Landfrauenverband Sendenhorst. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, die für sie immens wichtig ist, denn sie meint: Die Landwirtschaft im Münsterland hat ein Imageproblem.

Sonntag, 10.05.2020, 11:08 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 14:30 Uhr
Manuela Groll genießt die Sonne im Garten mit ihren Kindern Karina, Lukas und Laura (v.l.).
Manuela Groll genießt die Sonne im Garten mit ihren Kindern Karina, Lukas und Laura (v.l.). Foto: Josef Thesing

Von der Terrasse aus geht der Blick in die Landschaft. Es ist ein sonniger Spätnachmittag, und die Kinder von Manuela Groll spielen im Garten. Platz ist hier in der Bauerschaft Elmenhorst genug – wenn es nicht regnet. Wenn doch, dann kann es im Haus schon mal ein bisschen anstrengend werden, erzählt die Sendenhorsterin im Rahmen des „GUGL“-Projekts „Zeitgeschenk“. Denn sie arbeitet auf dem Bauernhof in Teilzeit im Homeoffice für die VEKA AG.

Doch das ist heute nicht das Thema, und das Wetter ist es auch nicht. Manuela Groll gehört dem Vorstand der Landfrauen an. Im Sendenhorster Ortsverband ist sie die Schriftführerin. Ehrenamt ist für sie nichts Neues, seitdem sie sich früh in der Landjugend Enniger engagiert hat, dem Bezirksvorstand angehörte und Diözesanvorsitzende war. Organisieren macht ihr Spaß, sagt sie, vor allem auch das von Veranstaltungen. „Es ist schön, anschließend zu sehen, was daraus geworden ist.“

Es herrscht viel-fach ein falsches Bild, und die ganze Debatte spielt sich sehr auf der emotionalen Ebene ab.

Manuela Groll

Doch in diesen Corona-Monaten gibt es nichts zu organisieren. „In diesem Jahr fällt alles aus“, erklärt Manuela Groll. „Der Juni wäre ein arbeitsintensiver Monat geworden.“ Zum Beispiel mit dem „Tag der Landwirtschaft“ oder auch mit dem Promenadenfest in Sendenhorst. Bei beiden – abgesagten – Veranstaltungen wollten die Landfrauen sich, ihre Arbeit und das, was auf den Höfen passiert, näher bringen. Denn, und das verhehlt die junge Mutter auch nicht, die Landwirtschaft im Münsterland hat ein Imageproblem. „Wir sind quasi an allem Schuld“, sagt sie. Und deshalb sei die Öffentlichkeitsarbeit immens wichtig, und das ist im Landfrauenverband unter anderem der Job von Manuela Groll. „Die Unwissenheit und die Fehleinschätzungen vieler Verbraucher sind das Schlimmste“, meint sie. Deshalb sei es wichtig, zu zeigen, was auf den Höfen vorgeht, etwa im Bezug auf das Tierwohl. Zum Beispiel mit Besuchen, doch auch denen schiebt Covid-19 derzeit einen Riegel vor. „Es herrscht vielfach ein falsches Bild, und die ganze Debatte spielt sich sehr auf der emotionalen Ebene ab“, meint Manuela Groll. Sind im Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern auf beiden Seiten Fehler gemacht worden? „Vielleicht“, will sie das nicht ausschließen.

Die Debatte wollen die Landfrauen mit verschiedenen Aktionen wie „Vom Acker auf den Teller“ in eine aus ihrer Sicht fairere Richtung bringen. Und ausgerechnet die Corona-Krise biete da durchaus Chancen. „Die Menschen stellen derzeit vermehrt fest, dass Lebensmittel aus der Region einen hohen Wert haben, weil die Warenströme komplizierter geworden sind.“

Im Jahresprogramm der Landfrauen sind 18 Punkte fixiert. Hinzu kommen Veranstaltungen wie „Wir stellen uns vor“ und regelmäßige Angebote wie die Wassergymnastik und Qi Gong. Radtouren gehören ebenso zum Programm wie Veranstaltungen mit Kindern. Plastikfreie Kosmetik und türkisches Kochen träfen den Zeitgeist.

Der Ortsverband hat 111 Mitglieder, die längst nicht mehr alle „vom Hof“ stammen. Es gebe auch – junge – Mitglieder, erklärt Manuela Groll, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, das Programm und neue Kontakte aber schätzten. Und: „Landfrauen sind heute qualifiziert. Die meisten haben eine gute Ausbildung.“

Ein wichtiges Bindeglied sind die sogenannten Bezirksfrauen. Auch Manuela Groll gehört zu den 13 Frauen, die sich um die Mitglieder in der Nachbarschaft kümmern. Quatschen, gucken, wie es den Frauen geht, und hier und da vielleicht helfen oder Hilfe organisieren ist beim Verteilen des Programms unter anderem deren Aufgabe. Derzeit laufen die Informationen vor allem über den Newsletter, den Manuela Groll schreibt. Sie ist 2013 in den Verband eingetreten, ist seit 2015 Bezirksfrau und gehört dem Vorstand seit 2018 an.

Der Stammtisch für junge Landfrauen, bei dem es unter anderem um Kita, Schule und Veranstaltungen geht, hat derzeit natürlich auch Pause, kommt aber wieder. Der Landfrauenverband versucht, den Altersdurchschnitt zu senken. Neue Mitglieder sind natürlich jederzeit gerne gesehen. Mit 27 Euro im Jahr ist Frau dabei, und dafür wird eine ganze Menge geboten.

Bald startet die Ernte, Ende Juni, Anfang Juli geht’s wahrscheinlich los. Das Getreide sei sehr weit, erklärt die Sendenhorsterin. Die meisten Landfrauen seien heutzutage aber nicht auf dem Acker oder im Stall gefragt, sondern mehr im Büro, etwa bei den vielfältigen Dokumentationsaufgaben. „Das ist heute anders als früher“, weiß Manuela Groll.

Einen Wunsch gibt sie zum Abschluss noch mit auf den Weg: die Bereitschaft aller Beteiligten zum sachlichen Dialog über die Landwirtschaft.

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