Heimatvereinsvorsitzender recherchiert in der Heimatgeschichte
Es gab auch echte Schlösser

Sendenhorst -

Auf der Suche nach einem Schloss in Sendenhorst stößt man schnell an Grenzen, heißt es in einem Bericht des Vorsitzenden des Sendenhorster Heimatvereins, Christian Hölscher, zu dem er durch die Berichterstattung zur Sanierung einiger Radwege-Abschnitte auf der 100-Schlösser-Route animiert worden war. Und doch, weiß er, es gibt sie.

Montag, 05.10.2020, 05:27 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 16:44 Uhr
Als das Bürgerhaus in den 1970-er Jahren gebaut wurde, wurden dort uralte Fundamente gefunden. Auch einige Artefakte wurden ausgegraben (ovales Foto r.) berichtet der Vorsitzende des Sendenhorster Heimatvereins, Christian Hölscher.
Als das Bürgerhaus in den 1970-er Jahren gebaut wurde, wurden dort uralte Fundamente gefunden. Auch einige Artefakte wurden ausgegraben (ovales Foto r.) berichtet der Vorsitzende des Sendenhorster Heimatvereins, Christian Hölscher. Foto: Heimatverein Sendenhorst

„Ein Schloss ist ein Gebäude, das im Auftrag des Landesherrn oder anderer Mitglieder des Adels errichtet wurde; es bezieht diese Bezeichnung damit unabhängig von der Größe oder der künstlerischen Gestaltung“, heißt es in einer lexikalischen Definition eines bekannten Online-Nachschlagewerkes. Soweit so gut. Auf der Suche nach einem Schloss in Sendenhorst stößt man schnell an Grenzen, heißt es in einem Bericht des Vorsitzenden des Sendenhorster Heimatvereins, Christian Hölscher , zu dem er durch die Berichterstattung zur Sanierung einiger Radwege-Abschnitte auf der 100-Schlösser-Route animiert worden war. „Einen herrschaftlichen Sitz sucht man in Sendenhorst erstmal vergebens, auch wenn viele schöne und alte Gebäude die Straßen säumen. Somit ist die ,fast‘ historische Altstadt durchaus der 100-Schlösser-Route würdig“, so Hölscher. Diese führt, wie man seit Neuestem wisse, auch zu einem großen Teil durch Stadt und Kirchspiel, also Bauerschaften im Umland, eben dort, „wo die Glocken von St. Martin noch zu hören sind“.

Einen herrschaftlichen Sitz sucht man in Sendenhorst erstmal vergebens.

Christian Hölscher, Vorsitzender des Heimatvereins

„Und doch, es gibt sie auch in Sendenhorst, Schlösser im Sinne der Wikipedia-Definition, und sie liegen direkt an der 100-Schlösser-Route. Leider sind sie noch nicht historisch mit eingeordnet. Der Blick in die Geschichtsbücher oder auf die Homepage vom Heimatverein mag da aber helfen“, meint Hölscher.

Schon bei Heinrich Petzmeyer sei von „Herrmann von Sendenhorst“ zu lesen, der seinen Stammsitz im Bereich des heutigen Bürgerhauses hatte, wahrscheinlich im zwölften Jahrhundert, erklärt Christian Hölscher. 1975, während des Baus des Bürgerhauses wurden dort riesige uralte Fundamente gefunden, so wie einige Artefakte. So auch eine Katapult- oder Kanonenkugel. Auch der Straßenname Drostenhof, leitet sich vom Haus Sendenhorst mit angrenzenden Gebäuden ab, dem Hof des Drosten, der Verwalter des Bischofs und adelig war. Spätere Eigentümer (Grafen von Merveldt), wohnten nicht mehr am Ort, berichtet Hölscher aus der Recherche in den Archiven des Heimatvereins.

Es gab aber auch weitere herrschaftliche Sitze in alten Zeiten in Sendenhorst: In den digitalen Akten des Heimatarchivs ist ein „Amtliches Verzeichnis der Bauerschaften und der adligen Häuser Heimatarchiv Sendenhorst“ aus dem Jahr 1856 zu finden.

Heimatarchiv Sendenhorst – 1975 fanden sich Fundamente und Artefakte beim Bau des Bürgerhauses an der Weststraße

Heimatarchiv Sendenhorst – 1975 fanden sich Fundamente und Artefakte beim Bau des Bürgerhauses an der Weststraße Foto: Heimatverein Sendenhorst

Weitere Einträge dokumentieren: „Zur Wiese“, Bauerschaft Bracht, Im Holt – Wilder Eck – heute Winkelmann) – Deitkamp (Bauerschaft Rinkhöven, Bereich geplante Feierhalle) sowie die Tockenburg, gelegen in der Bauerschaft Sandfort. „Beide liegen unmittelbar an der 100-Schlösser-Route, jedoch deutet hier heutzutage nichts auf den herrschaftlichen Sitz hin“, berichtet Hölscher weiter.

Besonders hervorzuheben sei jedoch ein weiterer Adelssitz, der ebenfalls direkt an der Route liege. Es handelt sich um einen bischöflichen Oberhof aus dem 10./11. Jahrhundert. Dieser wurde im Jahr 2003 hinter der VEKA AG ausgegraben. Bei diesen Ausgrabungen wurden die unter anderem ältesten Schachfiguren Westfalens, sowie zwei Backgammonsteine gefunden. Diese Spielsteine weisen auf Adel hin, da Schach nur in diesen Kreisen verbreitet war. „Es handelt sich höchstwahrscheinlich um einen Stammsitz der weit über Westfalen bekannten Adels-Familie Schorlemer“, erklärt der Heimatvereinsvorsitzende.

Diese Ausgrabungen in der Flur „Großer Hof“ östlich von Sendenhorst offenbarten einen Oberhof des Hochstifts Münster. „Das Gut im Schörmel, – der erste Namensträger der Familie erscheint unter dem Namen de Scurlemere –, war eine hochmittelalterliche ritterliche Hofstelle, die sich durch Bauform und vor allem durch das Fundgut von den damals üblichen Höfen der bäuerlichen Bevölkerung unterscheidet“, teilt Hölscher in seinem Bericht mit.

Leider wurde bisher diese Stelle nicht ausgewiesen, obwohl es sich um einen der bedeutendsten Funde unserer Stadtgeschichte handelt.

Christian Hölscher

„Leider wurde bisher diese Stelle nicht entsprechend ausgewiesen, obwohl es sich um einen der bedeutendsten Funde unserer Stadtgeschichte handelt und das direkt an der 100-Schlösser-Route“, so Hölscher weiter. Denkbar sei zum Beispiel ein Hinweisschild an der Wetterschutzhütte, versehen mit dem Hinweis auf diese historische Siedlungsstätte.

Auch zum neuen „Schloss Siekmann“ weist der Vertreter des Heimatvereins noch auf das eine oder andere hin. Das Haus Siekmann hätte korrekterweise Haus Schöckinghoff heißen müssen, meint er. Der „Schöckinghoff“ ist einer der ältesten Höfe innerhalb Sendenhorsts, ist der Heimatgeschichte von Heinrich Petzmeyer zu entnehmen. Damit ist er einer der ersten von drei. Die ursprüngliche genaue Lage sei nicht bekannt, Häuser wanderten im Laufe der Jahrhunderte. Die Schocke (erste Bewohner) hielt es jedoch nicht in Sendenhorst. Sie hätten den Hof unter anderem nach Freckenhorst verkauft. 1922 übernahm der Viehhändler R. Siekmann das Anwesen, bevor es 1992 zum soziokulturellem Zentrum umgebaut und zur Heimat auch für den Heimatverein und viele andere wurde.

„Sei‘s drum, es ist eines unserer schönen Gebäude in der Altstadt auch ohne stilechte Remise und Adel“, meint Hölscher. Zum Glück fiel das Gebäude Ende der 1970-er Jahre nicht der Stadtsanierung zum Opfer, obwohl die Genehmigung schon vorgelegen habe.

2020: Der Rasen ist verlegt, und der Anbau ist fertig. Der Eingang zur Altstadt mit den Häusern Graute, Löwenstein und Schulze Rötering direkt gegenüber rundet das Ensemble ab, somit ist das Ergebnis, Sendenhorst in seinem schönen Facetten zu präsentieren, voll erreicht, meint Christian Hölscher.

Nicht zu vergessen: Die 100-Schlösser-Route läuft gleich mit dem Wandweg X3. Hölscher: „Wir vom Heimatverein freuen uns über die Aufwertung der 100-Schlösser-Route und die positiven Effekte für uns alle.“

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